DJ David Puentez ist nicht nur ein Name, sondern ein Erlebnis. Mit seinen elektrisierenden Beats und unverwechselbaren Sounds bringt er die grössten Clubs, Festivals und Bühnen zum Beben – Seine Musik ist eine Einladung, den Alltag hinter sich zu lassen und in eine Welt voller Energie und Euphorie einzutauchen.

Egal, ob man auf der Tanzfläche steht oder seine Tracks streamt, David Puentez sorgt dafür, dass du den Vibe und Rhythmus spürst. Ben Beyer alias DJ David Puentez spricht mit der Herausgeberin 
Sabrina Kaiser-Kossmayr im traditionsträchtigen Park Hyatt Vienna im pulsierenden Ambiente in der Barlounge bei einem kühlen Glas Champagner über kreative Freiheit, die Zusammenarbeit mit Marken und warum er auch mal auf Bezahlung verzichtet.

Wenn du den «Sound deines Lebens» schreiben müsstest, wie würde er klingen?
Es wäre ein Sound, der dich in den Moment zieht und glücklich macht. Er zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht, auch wenn es dir mal nicht gut geht. Für mich ist Musik eine Möglichkeit, Menschen in eine bessere Stimmung zu versetzen und sie für ein paar Minuten den Alltag vergessen zu lassen. Und das gilt zuerst für mich selbst.

War Musik schon immer so wichtig in deinem Leben?
Musik war in meiner Familie und damit meiner Kindheit immer präsent – wobei jedoch in zwei Extremen (lacht). Mein Vater hat Schlager und Volksmusik gehört, meine Mutter Technosongs von Sven Väth. Doch sich dazwischen zu entscheiden, fiel mir nicht schwer und meine Mutter hat sich gefreut. Aber ich habe auch schnell gemerkt, dass ich wirklich angefixt war. Ich erinnere mich gut daran, wie sie sagte: «Wenn du wirklich deine Tage in Tourbussen, Flugzeugen und immer an anderen Orten verbringen magst, dann mach es.» Sie hat mich seit jungen Jahren in meinen musikalischen Ambitionen unterstützt.

Wie sahen diese Ambitionen in der Umsetzung aus?
Ich habe den alten Plattenspieler meiner Oma vom Dachboden geholt, einen CD-Player und ein einfaches Mischpult besorgt und in meinem Jugendzimmer begonnen, Übergänge zu üben.

Wie darf man sich das vorstellen?
Der CD-Player hatte nur eine Stop- und eine Playtaste; und der Plattenspieler seine eigene Dynamik in Sachen Tempo. 10 Schallplatten also auf der einen Seite, 10 selbstgebrannte CDs auf der anderen Seite und ich habe versucht, das Tempo des CD-Players zu erahnen und entsprechend den Plattenspieler anzupassen. Abends gegen acht bin ich täglich in meine eigene kleine Welt abgetaucht.

Hattest du musikalische Vorbilder?
Daft Punk, ganz klar. Ein Track wie «One More Time» hat selbst nach Jahrzehnten nichts an Aktualität und Beliebtheit verloren. Und das ist die hohe Kunst in unserer Branche, etwas Bleibendes zu schaffen.

Gab es Momente, in denen dein Traum, Musik zu machen, auf der Kippe stand
Ja, während Corona war es hart. Keine Shows, keine Bühnen – der Job lebt davon, dass Menschen zusammenkommen, feiern und Spass haben. Das war plötzlich weg. Natürlich habe ich überlegt, was ich machen würde, wenn das länger so bleibt. Social Media hat mir geholfen, einen neuen Weg zu finden und meine Community auszubauen. Es hat mir gezeigt, dass man auch in schwierigen Zeiten kreativ, vor allem aber in Verbindung bleiben muss. Dazu hat es mir bewusst gemacht, wie schnell und wie einschneidend etwas von aussen, dass du selbst nicht beeinflussen kannst, deinen Beruf sabotieren kann.

Hat dich das in deiner Karriere und vielleicht auch als Person verändert?
Absolut. Ich habe erneut gelernt, optimistisch zu bleiben, auch wenn es nicht immer leicht ist. Und ich habe verstanden, dass Stillstand keine Option ist – man muss sich ständig neu erfinden, besonders in kreativen Berufen. Als Musiker arbeitest du immer im Moment, und es gibt nicht die klassische Karriereleiter wie zum Beispiel in einem Konzern. Du bist ständig in dem Zwiespalt: «Es braucht eine radikale Veränderung» versus «Aber es läuft ja ganz gut». Corona hat hier die Handbremse gezogen, und das hat mir persönlich sehr gutgetan.

«Erneut gelernt» klingt so, als wenn es nicht immer einfach war …
Ich bin ein Scheidungskind und das war nicht immer einfach. Aber unter dem Strich bin ich unbeschadet rausgekommen. Mir war immer bewusst, dass es anderen viel schlechter geht. Dennoch ist es herausfordernd, wenn Trennungen auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Das prägt einen jungen Menschen.

Wie haben diese Erfahrungen dein Leben, vor allem deine Beziehung geprägt?
Ich lebe eine andere Ehe und bin sehr eng mit meiner Frau verbandelt, was jedoch nicht bedeutet, ständig aufeinander zu sitzen. Ich geniesse auch gerne Zeit mit Freunden. Daher trifft man mich auch weniger auf der Party. Ich schätze eher das ruhige Abendessen und ein Glas Rotwein.

Stimmt es, dass ihr ohne Freunde – also zu zweit – und in Jeans geheiratet habt?
Ja, das stimmt. Und es war die beste Entscheidung. Hochzeiten sind für das Brautpaar selbst purer Stress, den haben wir uns erspart. Sicher gab es auch familiäre und freundschaftliche Kritik und wir haben immer gesagt, dass noch eine Party folgen wird. Jetzt hatten wir 10-Jähriges und haben wieder allein gefeiert … und das war grossartig. Sind wir doch beide in unseren jeweiligen Berufen stark eingebunden. Louisa als Influencerin und mit ihrem Interior-Label «Within Mood», ich als Produzent, DJ und gute Laune-Verbreiter auf Instagram.

Du wirst nun dieses Jahr vierzig …
Danke für die Erinnerung (lacht).

Gerne. Aber du sprachst das mit dem Neuerfinden eben an. Wie wichtig ist es, als Künstler und Kreativer in Bewegung zu bleiben?
Wichtig, ich habe mit dem Auflegen während meiner Berufsbildung begonnen. Also unter der Woche Gross- und Aussenhandel, am Wochenende ein Mischpult. Doch danach gab es immer wieder Stagnation und das nervt. Es lief immer irgendwie, das war okay. Aber eben auch irgendwie nicht. Du willst schliesslich immer mehr erreichen. Jeder möchte einmal auf die grosse Bühne: Las Vegas, Shanghai …

Wirklich?
Klar. Du machst diesen Job auch, um irgendwann tausende Menschen auf einmal zu begeistern. Und das am besten auf der ganzen Welt.

In Köln hast du zum Auftakt der Tournee im Palladium gespielt, da waren fast 4’000 Menschen …
Ja, es war unglaublich. Als der Vorhang fiel und ich die Menschen gesehen habe, brauchte ich ein paar Sekunden, um das zu realisieren. Da war eine Mauer aus Emotionen, aus Gefühlen … das war definitiv herausfordernd und auf der anderen Seite einfach unfassbar geil. Zumal eben auch in meiner alten und sehr liebgewonnenen Heimat Köln.

Aber es gab auch kleinere Auftritte während der Tour. Stichwort Pizza.
Stimmt, wir haben in der Pizzeria einer Freundin in Hamburg einen kleinen Gig um die Mittagszeit gegeben. Neben uns der heisse Pizzaofen, dazu 50 Fans im Ladenlokal und 600 vor der Tür. Sehr wild, aber unvergesslich.

Weil wir eben vom Ausland sprachen, euer grösster Markt ist Deutschland?
Auf jeden Fall. Ich würde sagen, 80, wenn nicht 90 Prozent unseres Marktes findet sich im deutschsprachigen Umfeld, also auch in Österreich und der Schweiz. Das zeigt sich auch bei den Followern auf Instagram. Deutschland gehört weltweit zu den vier wichtigsten Märkten, geht es um Musik. Hier so erfolgreich zu sein, ist daher natürlich nicht nur für mich, sondern für alle im Team ein riesiger Erfolg.

Wie gross ist dein Team?
Ich würde schätzen rund 35 Menschen.

Und die stehen alle auf deiner Payroll?
Nein, um Gottes Willen. Da sind auch alle mit eingerechnet, die bei unserer Bookingagentur, beim Musiklabel und 
anderen Unternehmen angestellt, aber mitverantwortlich für das Projekt «David Puentez» sind.

Stichwort Projekt. Wie entstehen neue Songs?
Das ist Teamarbeit. Wir veranstalten dazu sogenannte «Writing Camps», laden also Sänger, Sängerinnen, Produzenten und Songwriter ein. Meistens treffen wir uns in Berlin. Zum Auftakt legen wir ein Thema fest, meistens etwas aus meinem persönlichen Leben oder etwas, was mich gerade zutiefst beschäftigt. Und damit geht dann jeder schwanger. Erstes Ziel ist es, einen Vibe zu finden. Erste Worte, einen Reim, Textblöcke, aber auch schon eine Art Melodie. Ich selbst höre dabei hier mal 30 Minuten rein und diskutiere dort eine halbe Stunde mit jemand anderem. Die Produktion erfolgt dann wirklich erst am Schluss. Und wirft dann noch einmal alles über den Haufen.

Ist dieses Vorgehen Standard in der Branche?
Auf jeden Fall, auch ein David Guetta macht es nicht anders. Final hast du vielleicht nach einem solchen Camp bis zu 500 Songs oder Songteile, aber nur vier, fünf sind wirklich gut. Die werden produziert.

Wie kommen Kooperationen wie in deinem Fall zum Beispiel mit der rumänischen Künstlerin Inna zustande?
Nicht immer passen die Vocals aus dem «Writing Camp» final zum Song. In diesem Fall nimmt mein Management Kontakt zum Management einer Sängerin, eines Sängers auf. Die wichtigste Frage ist dann an die Künstlerin, den Künstler: Fühlst du den Song?

Und, wie oft kommt dann ein «Ja»?
Nicht oft. Aber lieber ein ehrliches Nein, als ein halbherziges Ja.

Ohne noch einmal dein Alter anzusprechen: Aber zu Beginn hast du noch mit Schaltplatten aufgelegt. Was hat sich hier verändert?
Früher habe ich Vinyl aufgelegt und mein Keller ist immer noch voll davon. Aber inzwischen bin ich auf USB-Sticks umgestiegen. Alles, was ich für meine Shows brauche, ist darauf: Meine Setlisten und die Songs sind nach Themen und Stimmungen sortiert. Das ist beim Reisen unschlagbar. Aber sicher erinnere ich mich gut an die Zeiten, in denen ich mit schweren Plattenkoffern gereist bin.

Aber ein USB-Stick ist klein und kann verlorengehen …
Daher haben meine Teammitglieder immer ein Backup dabei.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf Instagram zu sprechen; hier geht es dir ja auch darum, den Menschen gute Laune zu vermitteln.
Es war nie mein Ziel, Instagram zur Werbung zu nutzen. Ich mag überraschen, lustig sein und wenn wir dann mal eine Kooperation mit einer Marke machen, geht es auch zuerst darum, authentische und humorvolle Inhalte zu posten. Wir haben auch schon Videos gedreht, die so von einer Marke nicht abgenommen worden sind, weil wir eben nicht einfach ein Produkt in die Kamera halten.

Und dann …
Wird das Video nicht veröffentlicht. Wir erhalten keine Bezahlung, aber das ist es mir wert. Oft kommen die Unternehmen ein paar Wochen später auf uns zu und wir publizieren das Gedrehte doch.

Ich erinnere mich an eine Werbung von Lancôme. Die war schon sehr «out of the box». Ich sag nur Rentierslip …
(lacht) Oh ja, und was soll ich sagen. Wir haben das Video gedreht, dem Unternehmen gesendet und es ist sofort durchgewunken worden. Mittlerweile wurde es rund 12’600 Mal gelikt. Und viele Influencer wollen immer noch wissen, wie wir das durchgewunken bekommen haben.

Deine Antwort?
Werbung muss gut sein. Und gute Werbung ist ironisch, hat Witz und es geht um die Werbung als solche und weniger um das Produkt. Das ist wie bei einem guten Song. Du musst kein Fan der Band sein, aber wenn der Song dir gefällt, er dich auf irgendeine Art berührt, dann hast du es richtig gemacht.

David Puentez gehört zur internationalen Spitze der Musikszene. Mit über 400 Millionen Streams und der Gold-ausgezeichneten Hitsingle «Superstar» hat der DJ und Produzent weltweite Erfolge gefeiert. Seine Remixe für Stars wie Post Malone, Tiesto und Rita Ora sowie Chartplatzierungen, darunter mehrfach Platz 1 der iTunes-Charts und Spitzenpositionen in den Shazam Top 200, zeichnen ihn aus. Aktuell begeistert er mit der Single «I Want You», die in Zusammenarbeit mit Bonn entstand, sowie der Kollaboration «The Love» mit INNA. Auch auf Social Media überzeugt der 39-jährige: Rund 340’000 Fans folgen ihm für seine Musik und positiven 
Vibes. Er lebt mit seiner Frau Louisa in Hamburg.

Photos Copyrights: © David Puentez / Universal Music

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