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ADAMs Tomcat

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Highway to hell – Du bist, was du isst!

Gerade eben sind meine Gedanken abgeschweift und ich habe an damals gedacht! Damals … wir waren jung, attraktiv, arrogant, wild und unsagbar geil. Wir haben uns nächtelang herumgetrieben, von Luft und Liebe gelebt und das Leben in vollen Zügen genossen. Hätte mir damals einer von gesunder Küche vorgeschwärmt, hätte ich ihn lauthals in den Wind gelacht.

Nun gut, damals ist ein Weilchen her und aus dem wilden, ungestümen, mit Testosteron vollgeballerten Kater ist ein verwöhnter Villenbewohner geworden, der dem luxuriösen Lebensstil frönt, sich mit Tanzen vor dem Fernseher fit hält und sein Wohlstandsbäuchlein mit «Fine Dining» pflegt. Hm, da müsste ich schon längst etwas unternehmen, wenn ich nicht so enden will wie mein Dosenöffner, der dauernd jammert, dass er nicht mehr in seine Masshemden passt, obwohl er doch extrem diszipliniert is(s)t. Essen soll übrigens der Sex des Alters sein!

Das mit der gesunden Ernährung ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht so abwegig, wenn man irgendwann mal ein betagter Kater werden will. Vitamine, Antioxidantien und Co sind wahre Jungbrunnen.

Plötzlich höre ich meine vernünftige innere Stimme: «Du bist, was du isst! Steh auf du faules Katzenvieh und tu was für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Du bist auf dem Highway to Hell!»

Ja, ja! Gemächlich drehe ich mich auf meiner Luxus-Gartenliege, damit meine Pfoten im überdachten Pool Abkühlung finden. Ich sehe verträumt über das üppige Kräuterbeet, in die dichte
Baumkrone. Der knallblaue Himmel über mir und meine Gedanken ziehen mit den Wolken. Kochen war schon immer meine Leidenschaft, natürlich nur gehobene Küche mit viel Eiweiss. Gut gereiftes Dry Aged Beef, Fisch und Kaisergranat gehören seit jeher zu meinen bevorzugten Grundnahrungsmitteln. Gemüse und Salat geht meist nur als unvermeidliche Dekoration durch oder in Form einer Prärieauster (Tomatensaft mit rohem Ei!) als Kater-Frühstück nach einer durchzechten Nacht.

Wieder drehe ich mich ächzend auf meiner Liege, die auch schon mal bequemer war.  Ahhhhh, wie herrlich es wäre, wieder jung und knackig zu sein – die angenehme Vorstellung durchströmt mich derart intensiv, dass ich aufspringe, zum Kühlschrank mit integriertem Gewächshaus tappe und ihn in abartiger Geschwindigkeit leerfresse.

In der High-Tech-Küche unserer Upper-class-Villa ist nämlich seit kurzem das ganze Jahr über Frühling, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Das Wachsen von Salaten und Kräutern wird ästhetisch in Szene gesetzt und das Ergebnis sind voll erhaltene Nährstoffe und nicht für möglich gehaltene Aromen. Da fällt mir die Werbung mit der grauen Burma-Schönheit ein, wenn ihre Dosenöffnerin ein Petersilienblatt auf den Aludosenfrass platziert – wenn mein Besitzer beim Anrichten so dümmlich lächelnd rumtrödeln würde, müsste ich ihn zur Adoption freigeben.

Nach meiner Fressattacke sitze ich mit weit abstehendem Bauch im blauen Licht der offenen Kühlschranktüre und knabbere missmutig an meinem schlechten Gewissen, während sich ein, intensiv nach Leberpastete und Zwiebel riechender Luftstrom zwischen meinen Beisserchen hindurch den Weg in die Freiheit bahnt. Das war er also, der absolute Tiefpunkt. Ich werde mein Leben komplett ändern.

Ich koche nach wie vor leidenschaftlich. Aber mit Gemüse als Hauptdarsteller und Fleisch in Bioqualität oder nicht überzüchtetem Fisch als Beilage. Ich würze mit taufrischen «Vertical-farming»-Kräutern, entwickle raffinierte Conveniencegerichte für übergewichtige Artgenossen mit gutem Geschmack. Meine vegetarische und vegane Linie läuft ebenso fantastisch wie mein Onlineshop und Rezeptblog. Meine Kochvideos und mein Auftritt in den sozialen Netzwerken sind Kult. Ich sehe fantastisch aus, bin mehr als tüchtig und natürlich mein eigenes Werbe-Testimonial. Meine Kochbücher für den schlanken Kater finden reissenden Absatz. Signiert mit Pfote versteht sich. Die Leser:innen fliegen auf mich, mein Leben ist perfekt.

Dann öffne ich die Augen und sehe immer noch das Kräuterbeet, die dichte Baumkrone über mir und den Himmel, der mittlerweile etwas fahl schimmert. Nun ja – darüber, wie gesund Gemüse mit all der Pestizidbelastung wirklich ist, hat man auch schon allerhand gelesen, aber immerhin arrogant bin ich noch immer in Perfektion. Beim nächsten Vollmond ziehe ich wie damals los und hole mir das «Jung-und-Knackig-Feeling» auf einfache Art und Weise zurück!

… aber jetzt muss ich gleich den Lieferservice ordern und den Kühlschrank füllen lassen. Ok, ein wenig Deko wird auch dabei sein, denn schliesslich strebe ich nach bewusstem Leben und individueller Freiheit …

Copyright Illustration: Manuela Dona

Adam’s Bucket List

Duchardt
Frischer Wind in der Wiener Spitzengastronomie. Das 2-Hauben-Restaurant Walter Bauer, im 1. Bezirk in Wien, wurde  jetzt von Marcus Duchardt, seines Zeichens Haubenkoch mit deutsch/französischen Wurzeln, übernommen. Sein Credo: „Das Beste von heimischen Wäldern bis ins offene Meer. Kochkunst auf höchstem Niveau, zeitgemäss interpretiert.“

www.duchardt.at

Skin’s
Der Geschmack, der für sie zählt, wurde mit zwei Sternen verfeinert. Kevin 
Romes und Pascal Hobler stehen für reduzierte Küche, filigranes Handwerk und neu interpretierte Tradition.

www.skins-restaurant.ch

Lucide
Michèle Meier versteht es, die besten Produkte innovativ zu interpretieren und liebevoll zuzubereiten. Inspirierende frische und zugleich unverfälschte Küche wartet auf den Gourmet

www.lucide-luzern.ch

Magdalena
Jung, talentiert und selbstbewusst. Die Produkte stammen mehrheitlich aus der Umgebung, vieles sogar aus Rickenbach selbst.
Dominik Hartmann und sein Team überraschen und zaubern die Region schmackhaft auf die Teller der Gäste.

www.restaurant-magdalena.ch

Fotos: © Peter Schuhböck, donagrafik.com, Skin’s, Lucide, Magdalena

Mission Lebenssinn

Der Kater spielt Foul

„Ich kann nicht mehr!“  Mit diesen total aus dem Zusammenhang gerissenen und somit unverständlich theatralischen Worten betrat Adam, mein menschlicher Dosenöffner, unser trautes Heim, fetzte seine Laptoptasche in die erstbeste Ecke und verschwand in den Tiefen unseres Gartens.

Im schräg einfallenden Licht tanzten Staubpartikel, die Luft schien irgendwie elektrisiert.

Ich liess ihm ein paar Minuten, bevor ich ihn in der Hängematte bei unserer riesigen Blutbuche aufstöberte. Dieser Baum hatte schon des öfteren Abschnitte und Abzweigungen in unser beider Leben begleitet. In der Rinde fanden sich zahlreiche Markierungen, Herzen, Namen von verlorenen Lieben und Daten von Lebensabschnitten, eingeritzt.

Stumm setzte ich mich zu seinen Füssen und wartete. Schliesslich begann er mit geschlossenen Augen und schwacher Stimme zu sprechen. „Diese Arbeit erfüllt mich nicht! Der ständige Stress, Aufregungen wegen Kleinigkeiten, permanent der Kritik der Kollegen und Vorgesetzten ausgesetzt – ich habe den ganzen Tag das Gefühl hinterherzuhecheln.

Noch dazu habe ich mir diese Doppelbelastung mit der Elite-Ausbildung an einer der renommiertesten Institute in der Schweiz aufgehalst. Das verlangt einem wirklich alles ab! Ich wollte unbedingt weiterkommen, aber meine Talente werden in keinster Weise geschätzt, ja nicht einmal benötigt. Ich habe heute gekündigt. Ich möchte das Leben geniessen, reisen, einen Marathon laufen, malen oder ein Buch schreiben. Ich könnte Gesangsunterricht nehmen, ich hatte immer einen sehr schönen Tenor – warum nicht!“

Entsetzt starrte ich ihn an, meine Ohren legten sich gefährlich an und mein Schwanz peitschte nervös ins Gras! Sein  Gejammer hatte meine Toleranz- und Akzeptanzgrenze gleichzeitig zum Mond geschossen.

Er will ein erfülltes Leben führen, dachte ich verstört. Wozu?

Eine unerträgliche Vorstellung, wenn Adam den ganzen Tag zu Hause rumhängen und laut grölend meine gewohnten Abläufe stören würde. Länger als 2 Tage halte ich dieses, ständig sinnlose Thesen vertretende, Menschenwesen nicht in meiner Nähe aus.

„Du warst doch bisher glücklich! Denke einfach ein wenig darüber nach, wo du deine Linie ziehst und auf welche Dinge du nicht verzichten willst“, sagte ich verständnisvoll.

Für mich dachte ich, dass essen, schlafen und ab und zu joggen doch genug sein müsste für so einen schlichten Amöben-Zellenhaufen.

Schliesslich legte ich mich voll ins Zeug und überzeugte ihn, dass er eine andere Arbeit suchen müsse. Jeder Mensch brauche ein Ziel und Erfüllung kriege man nicht geschenkt – man müsse sie sich hart erarbeiten! Man könne auch einiges miteinander verbinden. Zu Hause rumhängen gehe gar nicht, denn schliesslich habe er ein Heim zu erhalten und trage Verantwortung für einen verwöhnten Kater, dessen Lebensstandard nun wirklich nicht verhandelbar sei.

Mit dieser Breitseite liess ich ihn in der Hängematte zurück, schlenderte zuversichtlich und erhobenen Haupts ins Haus und machte mich daran, Stellenanzeigen rauszusuchen und gefinkelte Bewerbungen zu schreiben, während er mit einem Messer am Baumstamm  rumkratzte.

Wie es ausgegangen ist? Dank meiner Bewerbung hat er nahtlos einen neuen Job gefunden. Um seine Lust zu reisen zu befriedigen, fährt er nun jeden Tag laut singend eine Stunde ins neue Büro auf dem Land. Nach der Arbeit geht er dort im Grünen gleich joggen und trainiert für einen Marathon, den er nie laufen wird. Wenn er dann total erschöpft heimkommt, schicke ich ihn duschen und nehme das Abendessen vom Luxus-Lieferservice entgegen.

Wir führen ein glückliches, erfülltes Leben – ich auf jeden Fall!

 

Copyright Illustration: Manuela Dona

Das Universum schweigt!

Anschauungen eines Katers

Wie immer, wenn in meinem Leben etwas so gar nicht im Lot ist, sitze ich am Fenster unserer noblen Luxusliegenschaft und starre fragend in den Sternenhimmel. Was ist mit der Welt los? Was geht hier ab? Doch ausser einem atemberaubenden Sternenrausch hat das Himmelszelt keine Antwort auf die Fragen eines Sinn suchenden Katers.

Wer versalzt mir die Suppe und hinterlässt bittere Geschmacksnoten in meinem bisher so privilegierten Leben. Wo ist das schöne, unbeschwerte Leben geblieben? Wo? Die Menschheit ist gespalten in Gut und Böse, Schwarz und Weiss, laut und stumm, Arbeitswillige und -suchende, Raser:innen und Bremser:innen, Impfbefürworter:innen und -gegner:innen. Es gibt kein Dazwischen mehr, es fehlen die Schattierungen, die Zwischentöne. Kann man sie überhaupt noch erkennen, die Grautöne in unserer Gesellschaft? Seit zwei Jahren zwingt uns eine Pandemie in die Knie, die Wirtschaft liegt am Boden und erholt sich nur langsam. Nach wie vor bestimmen Viren und immer noch Masken, mit zwischenzeitlich nervenden Regeln und menschlichen Tragödien, unseren Alltag. Politikverdrossenheit greift um sich. Ein Skandal jagt den anderen. Das Vertrauen in unsere Volksvertreter ist nahezu bei null, wenn die Um- fragen nicht stimmen, werden sie frisiert, verbogen oder mit falschen Bewertungen verschönert. Urwälder brennen, die Weltmeere ersticken im Plastikmüll, die Polkappen schmelzen und täglich sterben über hundert Tierarten unwiederbringlich aus, weil Profit- und Machtgier um sich greifen.

Was ist mit der Menschheit passiert? Was war der Auslöser? Welches Chromosom fehlt? Die Welt wird untergehen, wenn der Menschheit das Vertrauen fehlt, dass sie auch morgen noch lebenswert ist. Wie können wir die Kurve kratzen und was hält die Welt wirklich noch am Laufen und was bringt den Puls wieder zum Schlagen? Ich suche in den Himmel starrend nach Antworten, aber das Universum schweigt. Stille. Pure Stille. Plötzlich nehme ich im Garten ein zartes Rascheln wahr. Ich sehe einen magischen Schatten an der Mauer, der schnell aus meinem Augenkegel verschwindet. Leises, vorsichtiges Vorantasten im herbstlich feuchten Laub. Fast schon glaube ich, dass ich mich geirrt habe, da dringt ein sanfter, aber unglaublich betörender Duft zu meiner Nase empor und steigert sich zu einem Geruchsorkan, der eindeutig und doch schwer zuordenbar ist. Meine Schnurrhaare vibrieren, meine Lauscher sind auf Empfang gestellt, der Schwanz peitscht unaufhörlich hin und her. Was passiert hier? Ich bin hellwach und doch einer betörenden Ohnmacht nahe. Ist das die Antwort des Universums oder ein Zeichen vom Kosmos? Da kriecht langsam der Mond über die Dachkante und ein Lichtstrahl fällt in den nächtlichen Garten. Dann sehe ich sie. Sie sitzt wie eine Madonna aufrecht auf der Steinmauer, elegant, engelsgleich und gar nicht versteckt, im Lichtkegel des Mondes. Unerträglich langsam dreht sie den Kopf und sieht mich mit einem sanften Augenaufschlag direkt an. Ihr Blick hält mir stand. Sie erhebt sich und dreht sich langsam zur Dunkelheit des Gartens. «Nein nicht weggehen», schreit jede Faser meines Körpers, doch meine Stimme bleibt stumm. Sie dreht sich noch einmal um, blickt herausfordernd und in Sekundenbruchteilen ist der Spuk vorbei. Wie ein Bann fällt die Schockstarre von mir ab. Ich strecke meinen Kopf durch die Katzenklappe der Terrassentür, daraus wird ein kühner, aber eleganter Hechtsprung, tauche in die Finsternis ein und folge der Duftspur, die mir den Weg zum einzigen weist, was die Welt weiterdrehen lässt. Nämlich Liebe. Vielleicht wird die Welt untergehen – irgendwann – aber heute Nacht noch nicht! Miauuuu!

*) In meinen Erzählungen spreche ich natürlich alle Geschlechter an (m/d/w).

 

Illustrationen Copyrights: Adam´s Tomcat, Manuela Dona

Zero Waste

Nachhaltigkeit im Futternapf

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie nachhaltig der Besitz einer Katze ist? Nein? Ich auch nicht. Es ist mir einfach Schnurz-piep-egal! Weil es für mich einfach nicht in Frage kommt, einer Katze in unserem gediegenen Männerhaushalt Zutritt zu gestatten.

Im Moment ist das Halten eines Haustieres ja grad zum Volkssport mutiert. Denkt denn keiner auch nur eine Sekunde an die Folgen? Jetzt sitzen Mama, Papa und Kind(er) schon im Homeoffice und mit Homeschooling in der Wohnung fest und dann holen sie sich auch noch ein haarendes, ständig fressendes und alles zerkratzendes Katzenvieh in ihr intimes Universum.

Ja, und wer bekommt das Tier nach einer Trennung? Wegen Haustieren sind schon Kriege ausgetragen worden, denn sobald die Liebe schwindet, stürzt sich jeder auf das Verbliebene, um sich am Partner zu rächen. Da kommt einem halbwegs intelligenten Kriegsherrn, ein so emotionales Beutestück wie eine Katze doch gerade recht. Wie ich sage, es wird nicht an die Folgen gedacht. Nur aus einer Laune heraus werden Haustiere gehortet. Die Menschheit leidet offensichtlich nicht nur unter der Corona-Pandemie, sondern auch an einer extrem ansteckenden Amnesie-Mutation.

Aber ich schweife ab.  Auch wenn die positive Ökobilanz einer Katze mich nie betreffen wird, hatte ich vor kurzem mit Adam, meinem Dosenöffner, eine hitzige Diskussion über Katzenfutter-Alutassen. Ich hasse diese Dinger. Dieses eklige Zeug würde ich meinem durchtrainierten Body nie zumuten, ich bleibe da lieber bei meinem frischen Lachs und dem gut gereiften Dry-Aged-Beef, aber auch ich habe schon einmal an so einer Dose gerochen und abgesehen vom erbärmlichen Gestank, kann eine Alutasse einfach nicht nachhaltig sein. Zero Waste ist doch angeblich der Trend der Saison und selbst dem Dummsten ist klar, dass Alutassen, Blechdosen, Katzenstreu, Nerzshampoo, Fellmäuse alles andere als Zero Waste sind. An das Monstrum Katzenklo will ich gar nicht denken – Igitt!!!

Und Kratzbäume? Ich kriege Krallenpest, wenn ich an die mehrere Quadratmeter verschlingenden Konstrukte aus Sisalschnur-umwickelten und mit Flauschteppich überzogenen Monstren denke, die in den Wohnzimmern errichtet werden, während die Katze im Bett, dem Wäschekorb oder im Amazon-Karton ihr Nickerchen hält und sich die Krallen am Wohnzimmersessel oder der Seidentapete schärft.

Nein, die Welt muss aufwachen und vor diesen sinnlosen Geld- und Ressourcenfressenden Monstern und der dazugehörenden Industrie geschützt werden!

Genau so dachte ich vor 2 Stunden noch, da kam Adam mit der kleinen Kitty auf dem Arm in unsere Tip-Top-gepflegte Upperclass-Villa. Kaum hatten die zarten Pfötchen des 12 Wochen alten, zuckersüssen Fellknäuels den Boden betreten, wirbelte sie wie ein Tsunami unseren gemächlichen Männerhaushalt durcheinander und brachte meine erstrittene Meinung über die Nachhaltigkeit von Katzen fulminant zum Einsturz. Nur ein Kater mit einem Herz aus Stein hätte solchen treuherzigen Augen widerstehen können? Nun mache ich grad Platz in den Schränken für eine Armada an Leckerlis, Katzenbabymilch und Spielzeug. Da fällt mir ein, ich muss den Tischler wegen des Kratzbaums anrufen!

Leute, vergesst nie – Nachhaltigkeit geht uns alle an!

Illustrationen Copyrights: Adam´s Tomcat, Manuela Dona

Goodbye my friend!

Tage des Abschieds

Tränen fliessen über meine Wangen, während ein herzzerreissender, allen Schmerz dieser Welt beinhaltender Schluchzer lähmend langsam meine Brust hochkriecht und ich ihn schliesslich qualvoll in die Welt hinauspresse. Aufdringlich klopft mein tausendfach gebrochenes Herz in meiner Brust, dabei war ich mir 1’000%ig sicher, dass es zu Stein geworden war.

Auch Wochen nach deiner Naturbestattung fragte ich mich, wie das Leben weitergehen soll. Lenny, wie konnte das nur passieren? Wo bist du jetzt?

Durch meinen Kopf rasen die herrlichsten Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit, testosteronschwangere Revierkämpfe, lange Nächte, Autorennen und prickelnde Frauengeschichten. Unsere Freundschaft war so besonders, voll gegenseitigem, bedingungslosem Vertrauen. Wir haben das Leben genossen, gegen uns kam niemand an. Wie oft haben wir meinem Dosenöffner Adam gezeigt, zu was ein richtiger Kater fähig ist. Wir haben in den Wind gelacht, eine tiefe Brise vom Lavendel inhaliert und uns Dreamies durch die Nase gezogen. Mit dir war das Leben so herrlich unkompliziert.

Und nun? Wie in Zeitlupe vergingen meine Tage. Adam bemühte sich redlich mich abzulenken, aber was hilft der Gedanke, dass du nun der hellste Stern am Himmel bist, wenn Tränen meinen Blick vernebeln und du mir so sehr fehlst?

Hin und wieder setzte ich mich an den Computer und wollte Trost in Portalen zur Trauerbewältigung suchen, doch allein das Geräusch des hochstartenden Computers brachte mich aus der Fassung. Schliesslich setzte ich mich wie in Trance an den Tisch und schrieb mir meinen Schmerz über deinen Verlust mit einer Füllfeder von der Seele. Als ich unsere Geschichte fertig aufgeschrieben hatte, band ich eine schwarze Satinschleife rundherum, legte mich auf das Sofa und fiel in einen tiefen, alles zudeckenden Dornröschenschlaf.

Als ich wieder aufwachte, mussten Tage vergangen sein, denn ich versuchte mich erst zu orientieren, hatte unerträglichen Mundgeruch und mein Magen knurrte gewaltig. So plünderte ich, wie in alten Zeiten, den Kühlschrank, nahm ein gediegenes Schaumbad und putzte mir die Beisserchen. Kaum zu glauben, aber ich fühlte mich besser. Nun wollte ich das Ding zu Ende bringen und meine Trauer rituell in einem gigantischen Feuer verbrennen. Erst dann würde ich mich endlich wieder mit neuem Fokus auf die Zukunft konzentrieren können. Ich würde unsere zu Papier gebrachten Geschichten zu einem Verlag senden und dieser würde mir den Bestseller aus den Händen reissen.

Dass es dann doch etwas anders kam, war der Tatsache geschuldet, dass ich in meinen Schilderungen meinen Dosenöffner nicht gerade gut wegkommen liess. Irgendwann als ich schlief, fand er wohl den Text und warf ihn schliesslich wutentbrannt von der Terrasse, über meinen Kopf, in das gigantische Lagerfeuer im Garten. Ich war fassungslos! Erneut entkam meiner Kehle ein herzzerreissender Schrei, doch diesmal war es Wut und diese liess ich kaltblütig an meinem Dosenöffner aus. Als er Tage später aus dem Krankenhaus nach Hause kam, hatte ich das Diktaphon bereits besprochen und er durfte sich mit seinem Adleraugensuchsystem daran machen, mein Buch in den Computer tippen.

Der Tod ist der Horizont unseres Lebens, aber der Horizont ist nur das Ende unserer Sicht. Ich hatte endlich die Kurve gekratzt, ich war fast wieder der Alte und mein Blick ging wieder nach vorne! Alter Kumpel, du bleibst unvergessen in meinem Herzen und den Bestseller widme ich dir, versprochen!

 

Illustration Copyrights: Manuela Dona

Gottgleich!

Schlangenträger unter sich

Der Weltraum – unendliche Weiten! Ein Blick in die Sterne bedeutet nicht unweigerlich mondsüchtig oder ein Träumer zu sein. Gebildet, wissenschaftlich interessiert und belesen wie ich nun mal bin, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich bei der Astrologie landen würde.

Begonnen hat meine Leidenschaft an jenem Herbstabend, als Adam, mein Dosenöffner, mit einem schönen Glas Bordeaux und der Zeitung, bei einem prasselnden Kaminfeuer sass und belustigt sein Gratis-Horoskop rezitierte. «Die Woche wird toll!  Ich werde endlich der Liebe meines Lebens begegnen, den Job wechseln und meine CD-Sammlung der 90er gewinnbringend verkaufen. Das Weltall hat noch viele Geheimnisse für uns bereit», sagte Adam geistvoll.  Verblüfft sah ich ihn an. Was sollte ich bei so viel Naivität erwidern? Ach hätte er das Blatt nur zum Anzünden des Feuers verwendet. Ich trat also den Rückzug an, gähnte gelangweilt und ging zu meinem Platz am Fenster, um in den stockdunklen Garten zu starren. Der letzte Satz hing wie eine markante Duftnote im Raum.  Was wusste dieser Schwachkopf vom Weltall und den unzähligen offenen Fragen, die mein überintelligentes Katzenhirn täglich marterten. Ich war etwas Besonderes, in höchstem Masse Ungewöhnliches und mithilfe der Sterne würde ich es beweisen. Durch eine Dachluke am geräumigen Dachboden unserer Upper-Class-Villa ging ich mit einem Teleskop die Erforschung meiner Vergangenheit und Zukunft an und es dauerte nicht lange, bis mir klar war, dass die Babylonier sich geirrt hatten. Die Sterne offenbarten mir die einzig infrage kommende Möglichkeit. Ich war im 13. Sternbild des Ophiuchus, des Schlangenträgers geboren und  ein unmittelbarer Nachkomme von Asklepios, Sohn des Koronis, Gott des Lichts. Mein bis heute verleugneter Vorfahre war Heiler, der meist eine Schlange und einen Stab bei sich trug, was irgendwann in der Vergangenheit dazu führte, dass sein Markenzeichen zum Symbol des ärztlichen Standes wurde. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Ich hatte die einzige Wahrheit gesehen – ich war … mir verschlug es die Sprache! Gottgleich stieg ich vom Observatorium am Dachboden und ging dazu über die Welt darüber zu informieren, mit was für einer Persönlichkeit sie es zu tun hatte. Mit Adam sprach ich nur noch wenn nötig und dann von oben herab und benahm mich auch sonst majestätisch. Ich genoss meine vermeintliche Überlegenheit und postete unzählige scharfsinnige Kommentare meiner Theorie auf allen wichtigen Astrologie-Blogs. Aber ich wollte nicht diskutieren, ich wollte herrschen und wäre es möglich gewesen, hätte ich mit Blitzen um mich geworfen. Adam beobachtete meine Veränderung mit Argwohn und nach etlichen Versuchen mich wieder auf den Boden der Realität zu holen, zog er schliesslich die Reissleine. Ich hielt gerade eine glühende Rede über die Sinnlosigkeit von Zähneputzen für Götter, als er den psychologischen Notruf wählte und der Dame am Telefon eindringlich erklärte, dass sein bester Freund glaube ein Anderer zu sein. Die Dame versprach sogleich einen Blaulichtwagen mit Fachpersonal zu schicken. Als der Wagen kurze Zeit später vorfuhr, öffnete ich erfreut die Tür. Auf die Frage wo der Patient sei, führte ich die netten Herren der Effizienz halber gleich selbst zu ihm ins Wohnzimmer.  «Nein, ich bin nicht der von dem sie glauben, dass ich bin.» «Natürlich nicht«, sagte der freundliche Herr, bevor sie ihn zu einem handlichen Paket verschnürt davontrugen. «Bitte helfen Sie meinem Freund», sagte ich eindringlich und sah dem Wagen noch ein Weilchen wehmütig nach.

«Sag mal hörst du mir überhaupt zu? Du sitzt nun schon seit Tagen da am Fenster und starrst den Mond und die Sonne an. Das ist unheimlich, du siehst aus wie ein Zombie oder ein Sonnenanbeter oder so was?» Adams Stimme klang wie aus weiter Ferne! Majestätisch sass ich auf meinem Brokatkissen am Fenster, mein edles Haupt war überstrahlt von einer Sonnenkorona. «Ein Sonnenkönig? Warum nicht?»

 

Copyrights: Manuela Dona

Rennfahrer Gene

Der Kater schlägt zurück.

Ich oute mich hiermit als Oldtimer-Freak – ja, ich bin der Leidenschaft für klassische Fahrzeuge erlegen. Unbezahlbar das Gefühl, wenn das tagsüber auf den kurvigen Strassen der Toskana angesammelte Adrenalin am Abend der wohlverdienten Müdigkeit weicht. Ich bin eben ein Kater mit Benzin im Blut.
Doch, wenn es etwas gibt, dass mich noch mehr befriedigt, als mich mit einem Oldtimer einen Alpenpass hochzuschrauben oder auf einen Espresso nach Triest zu cruisen, dann ist es das, den edlen Boliden vorher auf Hochglanz zu polieren. Die Optik, die Haptik, der Geruch nach Leder, Benzin und Testosteron. Jede Schraube, jede Öse und jedes Lederriemchen erhält seine Zuwendung und Streicheleinheit.
Glücklicherweise ist die Garage unserer Upper-Class-Villa gut bestückt mit top-gepflegten Boliden, denn auch Adam, mein Dosenöffner, hegt eine grosse Leidenschaft zu edlen Autos. Was das schöne Zusammenleben etwas beeinträchtigt, ist die Tatsache, dass diese ihm gehören und er nur selten bereit ist, den Fahrersitz mit mir zu tauschen! Und das stört ein wenig, wenn man den Traum hegt an einer Classic-Ralley teilzunehmen.
So muss ich immer wieder zu Tricks greifen, um ihn vor der Garage fernzuhalten. Fingierte Termine und Dates sind da noch die harmloseren Fallen, die ich ihm schon gestellt habe, um freie Fahrt zu haben.
Letzten Samstagmorgen passierte nun Folgendes: Adam betrat pfeifend die Küche und während er sich einen Espresso zubereitete, erklärte er mir wortreich, dass die seit einem halben Jahr geplante Oldtimer-Ralley-Teilnahme für mich leider ins Wasser fiele. Nach reiflicher Überlegung habe er beschlossen, dieses unwiderbringliche Erlebnis mit seiner neuen Flamme zu teilen, denn sie wünsche es sich so sehr.
Nach kurzer Schockstarre schlurfte ich langsam zu meinem Kissen am Fenster, drapierte mich mit dem Rücken zu ihm und ging zum Gegenangriff über. Mit ruhiger Stimme erklärte ich ihm, dass ich das grösste Verständnis für seine Entscheidung habe, da sie es sich schon lange verdient hätten, mal gemeinsam rauszukommen und Ralley-Luft zu schnuppern. Mir sei natürlich vollkommen klar, dass ich diese Zweisamkeit nur stören würde. Was soll ich sagen, er konnte sein Glück nicht fassen. Offensichtlich hatte er mit mehr Gegenwehr gerechnet. Rasch stürzte er seinen Espresso hinunter und dampfte ab, um zu packen.
Während er das Gepäck verlud, klaute ich ihm sein Handy und die Geldbörse samt Ausweispapieren aus dem Handschuhfach, schickte eine iMessage an sein derzeitiges Herzblatt und sagte ihr fürs Wochenende ab. Unmittelbar danach löste ich über die Alarmanlage mit Direktverbindung zur Polizei einen stillen Alarm aus. Dann tätigte ich noch einen Anruf mit dem Polizeinotruf 117, gab mich als Nachbar aus und berichtete, dass eben im Haus gegenüber ein sündteurer Oldtimer mit einem fremden Mann am Steuer aus der Garage gefahren sei, obwohl die Hauseigentümer übers Wochenende verreist seien. Sicherheitshalber gab ich auch noch Modell und Autonummer des frechen Diebes durch. Danach entfernte ich das Akku aus Adams Handy, warf es in eine Blumenvase und legte das Telefon zurück an seinen Platz.
Als Adam gleich darauf losfuhr, winkte ich ihm freundlich vom Fenster aus zu. Ich zählte bis 100, trank einen perfekten Espresso und stieg mit meiner Reisetasche in mein Lieblingscabrio.
An der zweiten Ampel stand ein Gross-aufgebot der Polizei und mittendrin der vollkommen aufgelöste Adam, der eben eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen musste. Kurz fragte ich mich, wie er sich wohl ausweisen und wer ihn identifizieren würde, doch dann packte ich diese Sentimentalität ins Handschuhfach und fuhr erbarmungslos an der Szene vorbei und in Richtung eines herrlichen Wochenendes – mit einem unerfüllten Traum auf vier Rädern!