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ADAMs Tomcat

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Gottgleich!

Schlangenträger unter sich

Der Weltraum – unendliche Weiten! Ein Blick in die Sterne bedeutet nicht unweigerlich mondsüchtig oder ein Träumer zu sein. Gebildet, wissenschaftlich interessiert und belesen wie ich nun mal bin, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich bei der Astrologie landen würde.

Begonnen hat meine Leidenschaft an jenem Herbstabend, als Adam, mein Dosenöffner, mit einem schönen Glas Bordeaux und der Zeitung, bei einem prasselnden Kaminfeuer sass und belustigt sein Gratis-Horoskop rezitierte. «Die Woche wird toll!  Ich werde endlich der Liebe meines Lebens begegnen, den Job wechseln und meine CD-Sammlung der 90er gewinnbringend verkaufen. Das Weltall hat noch viele Geheimnisse für uns bereit», sagte Adam geistvoll.  Verblüfft sah ich ihn an. Was sollte ich bei so viel Naivität erwidern? Ach hätte er das Blatt nur zum Anzünden des Feuers verwendet. Ich trat also den Rückzug an, gähnte gelangweilt und ging zu meinem Platz am Fenster, um in den stockdunklen Garten zu starren. Der letzte Satz hing wie eine markante Duftnote im Raum.  Was wusste dieser Schwachkopf vom Weltall und den unzähligen offenen Fragen, die mein überintelligentes Katzenhirn täglich marterten. Ich war etwas Besonderes, in höchstem Masse Ungewöhnliches und mithilfe der Sterne würde ich es beweisen. Durch eine Dachluke am geräumigen Dachboden unserer Upper-Class-Villa ging ich mit einem Teleskop die Erforschung meiner Vergangenheit und Zukunft an und es dauerte nicht lange, bis mir klar war, dass die Babylonier sich geirrt hatten. Die Sterne offenbarten mir die einzig infrage kommende Möglichkeit. Ich war im 13. Sternbild des Ophiuchus, des Schlangenträgers geboren und  ein unmittelbarer Nachkomme von Asklepios, Sohn des Koronis, Gott des Lichts. Mein bis heute verleugneter Vorfahre war Heiler, der meist eine Schlange und einen Stab bei sich trug, was irgendwann in der Vergangenheit dazu führte, dass sein Markenzeichen zum Symbol des ärztlichen Standes wurde. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Ich hatte die einzige Wahrheit gesehen – ich war … mir verschlug es die Sprache! Gottgleich stieg ich vom Observatorium am Dachboden und ging dazu über die Welt darüber zu informieren, mit was für einer Persönlichkeit sie es zu tun hatte. Mit Adam sprach ich nur noch wenn nötig und dann von oben herab und benahm mich auch sonst majestätisch. Ich genoss meine vermeintliche Überlegenheit und postete unzählige scharfsinnige Kommentare meiner Theorie auf allen wichtigen Astrologie-Blogs. Aber ich wollte nicht diskutieren, ich wollte herrschen und wäre es möglich gewesen, hätte ich mit Blitzen um mich geworfen. Adam beobachtete meine Veränderung mit Argwohn und nach etlichen Versuchen mich wieder auf den Boden der Realität zu holen, zog er schliesslich die Reissleine. Ich hielt gerade eine glühende Rede über die Sinnlosigkeit von Zähneputzen für Götter, als er den psychologischen Notruf wählte und der Dame am Telefon eindringlich erklärte, dass sein bester Freund glaube ein Anderer zu sein. Die Dame versprach sogleich einen Blaulichtwagen mit Fachpersonal zu schicken. Als der Wagen kurze Zeit später vorfuhr, öffnete ich erfreut die Tür. Auf die Frage wo der Patient sei, führte ich die netten Herren der Effizienz halber gleich selbst zu ihm ins Wohnzimmer.  «Nein, ich bin nicht der von dem sie glauben, dass ich bin.» «Natürlich nicht«, sagte der freundliche Herr, bevor sie ihn zu einem handlichen Paket verschnürt davontrugen. «Bitte helfen Sie meinem Freund», sagte ich eindringlich und sah dem Wagen noch ein Weilchen wehmütig nach.

«Sag mal hörst du mir überhaupt zu? Du sitzt nun schon seit Tagen da am Fenster und starrst den Mond und die Sonne an. Das ist unheimlich, du siehst aus wie ein Zombie oder ein Sonnenanbeter oder so was?» Adams Stimme klang wie aus weiter Ferne! Majestätisch sass ich auf meinem Brokatkissen am Fenster, mein edles Haupt war überstrahlt von einer Sonnenkorona. «Ein Sonnenkönig? Warum nicht?»

 

Copyrights: Manuela Dona

Rennfahrer Gene

Der Kater schlägt zurück.

Ich oute mich hiermit als Oldtimer-Freak – ja, ich bin der Leidenschaft für klassische Fahrzeuge erlegen. Unbezahlbar das Gefühl, wenn das tagsüber auf den kurvigen Strassen der Toskana angesammelte Adrenalin am Abend der wohlverdienten Müdigkeit weicht. Ich bin eben ein Kater mit Benzin im Blut.
Doch, wenn es etwas gibt, dass mich noch mehr befriedigt, als mich mit einem Oldtimer einen Alpenpass hochzuschrauben oder auf einen Espresso nach Triest zu cruisen, dann ist es das, den edlen Boliden vorher auf Hochglanz zu polieren. Die Optik, die Haptik, der Geruch nach Leder, Benzin und Testosteron. Jede Schraube, jede Öse und jedes Lederriemchen erhält seine Zuwendung und Streicheleinheit.
Glücklicherweise ist die Garage unserer Upper-Class-Villa gut bestückt mit top-gepflegten Boliden, denn auch Adam, mein Dosenöffner, hegt eine grosse Leidenschaft zu edlen Autos. Was das schöne Zusammenleben etwas beeinträchtigt, ist die Tatsache, dass diese ihm gehören und er nur selten bereit ist, den Fahrersitz mit mir zu tauschen! Und das stört ein wenig, wenn man den Traum hegt an einer Classic-Ralley teilzunehmen.
So muss ich immer wieder zu Tricks greifen, um ihn vor der Garage fernzuhalten. Fingierte Termine und Dates sind da noch die harmloseren Fallen, die ich ihm schon gestellt habe, um freie Fahrt zu haben.
Letzten Samstagmorgen passierte nun Folgendes: Adam betrat pfeifend die Küche und während er sich einen Espresso zubereitete, erklärte er mir wortreich, dass die seit einem halben Jahr geplante Oldtimer-Ralley-Teilnahme für mich leider ins Wasser fiele. Nach reiflicher Überlegung habe er beschlossen, dieses unwiderbringliche Erlebnis mit seiner neuen Flamme zu teilen, denn sie wünsche es sich so sehr.
Nach kurzer Schockstarre schlurfte ich langsam zu meinem Kissen am Fenster, drapierte mich mit dem Rücken zu ihm und ging zum Gegenangriff über. Mit ruhiger Stimme erklärte ich ihm, dass ich das grösste Verständnis für seine Entscheidung habe, da sie es sich schon lange verdient hätten, mal gemeinsam rauszukommen und Ralley-Luft zu schnuppern. Mir sei natürlich vollkommen klar, dass ich diese Zweisamkeit nur stören würde. Was soll ich sagen, er konnte sein Glück nicht fassen. Offensichtlich hatte er mit mehr Gegenwehr gerechnet. Rasch stürzte er seinen Espresso hinunter und dampfte ab, um zu packen.
Während er das Gepäck verlud, klaute ich ihm sein Handy und die Geldbörse samt Ausweispapieren aus dem Handschuhfach, schickte eine iMessage an sein derzeitiges Herzblatt und sagte ihr fürs Wochenende ab. Unmittelbar danach löste ich über die Alarmanlage mit Direktverbindung zur Polizei einen stillen Alarm aus. Dann tätigte ich noch einen Anruf mit dem Polizeinotruf 117, gab mich als Nachbar aus und berichtete, dass eben im Haus gegenüber ein sündteurer Oldtimer mit einem fremden Mann am Steuer aus der Garage gefahren sei, obwohl die Hauseigentümer übers Wochenende verreist seien. Sicherheitshalber gab ich auch noch Modell und Autonummer des frechen Diebes durch. Danach entfernte ich das Akku aus Adams Handy, warf es in eine Blumenvase und legte das Telefon zurück an seinen Platz.
Als Adam gleich darauf losfuhr, winkte ich ihm freundlich vom Fenster aus zu. Ich zählte bis 100, trank einen perfekten Espresso und stieg mit meiner Reisetasche in mein Lieblingscabrio.
An der zweiten Ampel stand ein Gross-aufgebot der Polizei und mittendrin der vollkommen aufgelöste Adam, der eben eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen musste. Kurz fragte ich mich, wie er sich wohl ausweisen und wer ihn identifizieren würde, doch dann packte ich diese Sentimentalität ins Handschuhfach und fuhr erbarmungslos an der Szene vorbei und in Richtung eines herrlichen Wochenendes – mit einem unerfüllten Traum auf vier Rädern!

Dalli Klick!

Mit 2 Klicks zum Ressourcen-Pionier

Das Leben hat, auch für einen verwöhnten Kater wie mich, nicht immer nur Positives zu bieten, doch hin und wieder gibt ein Schuss vor den Bug einen Impuls das Leben wieder in geregelte Bahnen zu leiten und richtig Grosses zu schaffen.
Seit geraumer Zeit betäubte ich meine Alltags-Langeweile mit onlineshoppen. An jenem schicksalshaften Morgen berichtete Adam aufgebracht, dass seine Kreditkarten allesamt gesperrt worden seien, da offensichtlich ein irrer Hacker sein Konto plündere. Bis die Sache geklärt sei, müsse er sich mit Bargeld behelfen, das er nun steinzeitlich von der Bank holen müsse. „Wehe, wenn der Kater was damit zu tun hat“, grummelte er, während er eiligen Schrittes für ein paar Tage zu einer Dienstreise verschwand. Kaum war er weg, gellte ein verzweifelter Schrei durch´s Haus. Mein kleines Hobby war also aufgeflogen. Ich war einkommenslos, so blank, wie ein Kater nur sein kann.
Seufzend, mit der Last einer enttäuschten Freundschaft auf den Schultern, schlurfte ich zum Fenster und stierte in den Garten.Über die Terrasse hatte sich eine Ameisenstrasse gebildet.->

Wie ferngesteuert krabbelten diese in Reih und Glied und schleppten allerlei Ballast auf ihren filigranen Körpern.
Ich würde arbeiten müssen wie ein würdeloser Streuner, schoss es mir durch den Kopf, während mir der kalte Schweiss auf der Stirn stand. Aber was? Gedankenverloren durchblätterte ich die Zeitung, diese steinzeitliche Hardcopy, in Richtung Stellenanzeigen. Bei einer Schlagzeile blieb ich hängen: Ressourcen nutzen! Second Hand und Vintage sind der Trend des Jahres! Wie sie mit ihrem Kleiderschrank Geld verdienen können.
Second Hand klang nach Museum, Vintage hörte sich schon frischer an und Ressourcen war schon fast Musik in meinen Ohren. Irgendwie gewinnbringender.
Mit einem dynamischen Satz sprang ich zum Laptop und tippte „Vintagemode verkaufen“ in das freundlich blinkende Suchfeld. Sekunden später gelangte ich auf eine Plattform, die sich für den Kauf und Verkauf von allerlei Markenkram spezialisiert hatte. Markenkram hatten wir reichlich angehäuft, man musste den Schatz eigentlich nur noch heben.

Die folgenden Stunden tobte ich wie ein Besessener durchs Haus, fischte Trenchcoats, untragbare Hemden, Schuhe, Parfums, Taschen und einige erlesene Uhren, die in kleinen hübschen Boxen geschlummert hatten, auf einen gigantischen Vintage-Ressourcen-Berg.
Was soll ich sagen, das Geschäft lief blendend. Die Crowd war offensichtlich verrückt nach diesem Zeug. Und all das mit nur wenigen Klicks vom Wohnzimmertisch aus. „Tomcat-Vintage“, hatte sofort einen exzellenten Ruf und nachdem ich alles mehr oder weniger Entbehrliche verkauft hatte, kaufte und verkaufte ich, wonach der Markt verlangte. Mit blendendem Gewinn, wie ich anmerken möchte. Schon nach zwei Tagen hatte ich so viel verdient, dass ich eine beträchtliche Summe auf Adams Konto überweisen konnte und die Putzfrau lag mir zu Füssen, nachdem ich sie mit einem schicken Chanel-Täschchen bestochen und->

ihr eine Gehaltserhöhung für den Mehraufwand der Postgänge versprochen hatte. Ich war mit ein paar Klicks ein äusserst erfolgreicher Unternehmer geworden.
Ende der Woche kam Adam freudestrahlend von seiner Dienstreise nach Hause und berichtete, dass das Konto wieder komplett ausgeglichen sei. „Der Kerl muss ein schlechtes Gewissen gehabt haben oder er hat im Lotto gewonnen“, meinte er fröhlich vor sich hinpfeifend.
„Wahrscheinlich Lotto“, meinte ich und ging auf leisen Sohlen zu meinem Platz am Fenster. Plötzlich hörte ich Adams schwache Stimme aus dem leeren Schrankraum hallen: „Oh Gott, wieso ist hier alles leer?“
„Vielleicht Einbrecher“, tippte ich voll Mitgefühl und beobachtete interessiert die fleissigen Ameisen bei der Arbeit.

Copyrights: Manuela Dona

Im grünen zu Hause!

Tipps für Naturburschen

Ich bin ein Naturbursch, ein Kater, der bei allem, was er tut, natürlich und nachhaltig denkt. Sei es Business, Fashion, Freizeit oder Ernährung. Auch im Hinblick auf mein Äusseres bin ich seit kurzem ein unbekümmerter, unkomplizierter Kerl. Ich gebe zu, das war nicht immer so, aber das Leben selbst brachte mir den Sinn einer natürlichen Lebensweise eindrücklich nahe!

Immer nur auf seidenen Laken zu schlafen, Essen aus der 5-Sterne-Feinkost und der Alkohol floss in apokalyptischen Strömen. Immer nur vom Feinsten, Konsum war höchster Lebenssinn für mich und meinen Dosenöffner. Ich war es satt, das Leben.

Eines Tages sass ich wohlgenährt und unzufrieden am Fenster und blickte in den Garten unserer Uper-Class Hütte, die wir Heim nannten.

Plötzlich betrat von links ein fremder Kater die langweilige Szenerie des perfekt gestutzten englischen Rasens. Er war jung, selbstbewusst, trug den Kopf stolz hoch und begann unverzüglich mein grünes Reich flächendeckend zu markieren. Die Szene hatte so eine  animalische Kraft, dass mir der Mund offenstehen blieb.

Plötzlich blickte er mir direkt in die Augen. Die wilde Freiheit, die mich aus seinem arroganten Blick traf, war fast unerträglich. Sekundenlang fixierte er mich, drehte mir dann provokant langsam  den Rücken zu und war mit einem einzigen, geschmeidigen Sprung über die Mauer verschwunden.

Verstört blickte ich in den Garten! Meine Gedanken schweiften zu einer Zeit, als ich es nur kurz im Haus aushielt. Wiesen, Wälder und Seen waren meine Welt, man konnte durchatmen, aktiv sein und ständig Neues entdecken, Frauen lagen mir zu Füssen. Ich war frei!

Das Glücksgefühl dieser Gedanken hallte so intensiv in mir wieder, dass ich augenblicklich beschloss, mein Leben neu zu norden.

Als ersten Schritt gab ich den Begriff „Naturbursche“ in die Suchmaschine und orderte unverzüglich eine grössere Bestellung im Online-Outdoorshop. Von
Boots, Cardigans und Barfussschuhe bis zur 5-Stern-Campingausrüstung wanderte ein nützliches „Outdoor-Must-
Have“ nach dem anderen in meinen virtuellen Einkaufswagen.

Immer weiter schweiften die Vorschläge, die das www mir ungefragt vorlegte, ab.

DIY-Knüpfanleitungen für eine Hängematte, vegan leben ist männlich, die 50 heissesten Sexstellungen des Kamasutra, mit einer Tantramassage zu ungeahnten Höhepunkten …

Ich erstarrte, löschte den Inhalt des Einkaufswagens, gab dem Computer einen hilflos wütenden Stoss und hörte, wie er laut krachend am Boden zerschmetterte. In meinem Kopf lief der Film meines Lebens ab. Was war nur aus mir geworden? Nach der unerträglichen Erkenntnis öffnete ich das Fenster und sprang mit einem geschmeidigen Satz, der die ganze Wildheit meiner Spezies beinhaltete, in den Garten. Eine feine Sommerbrise  strich durch mein Fell, es roch nach Erde, Gras, das Leben wartete an der Ecke und stank penetrant nach Feind. Vom Fenster her hörte ich Adam, meinen Dosenöffner, ängstlich rufen: „Was ist denn los mit dir?“

Ich blickte ihn kurz verächtlich an und verschwand mit einem einzigen wilden Sprung über die Mauer. Wenn schon Naturbursch, dann aber richtig!

SCHWARZ ODER WEISS!

JENSEITS DER STILLE. EIN SELBSTVERSUCH.

„Ich weiss überhaupt nicht, wieso ich mein wunderschönes Heim mit so einem egoistischen Wesen teile, das nicht das mindeste Verständnis für mein Leben aufbringt und mir mit seiner Arroganz mein Leben vergällt“, schleuderte mir mein Dosenöffner mit Zornesröte im Gesicht entgegen. „Für dich ist etwas entweder gut oder schlecht, wertvoll oder wertlos, schön oder hässlich, schwarz oder weiss. In deinen Augen hat jemand entweder einen athletischen Körperbau oder er sieht aus wie ein Pudding, es gibt keinen zweiten oder dritten Platz, sondern nur einen ersten und letzten. Das Wort Mittelmass oder Durchschnitt kommt dir nur über die Lippen, wenn du über jemanden anderen sprichst, denn für dich besteht die Welt aus Extremen, ohne Grautöne oder Farben.“

Ich empfand Unverständnis! Schon Wochen vorher tat er sehr geheimnisvoll und sprach in Rätseln. Seine Geheimniskrämerei war so offensichtlich, dass es schier nach Katastrophe roch. Sein Verhalten hatte bei mir ein Panikorchester aufspielen lassen, das mir in den schrillsten Tönen die nahende Katastrophe ausmalte. Was hatte das zu bedeuten? Was hatte er vor? Und dann war der Enthüllungsmoment offensichtlich gekommen. „Sag schon, was meinst du“, stammelte er wie ein aufgeregtes Kleinkind. Ich hab mir wirklich viele Gedanken gemacht, um das Richtige für die Optimierung unserer Work-Life-Balance zu finden! Wie gefällt dir unser heuriges Ferienziel? Nur Stille, Spiritualität und neue Impulse. Keine Verpflichtung und kein stressiges Sightseeing-Programm. Ich war fassungslos. Er wollte uns hinter Klostermauern einkerkern, womöglich noch inklusive Fasten-, Selbstfindungs- und Yogakurs. Kurz liess ich animalisch meine Krallen blitzen, konnte diese aber, unseren Seidentapeten zuliebe, mit viel Mühe wieder unter Kontrolle bringen.
Ich rang um Fassung, liess mir aber nichts anmerken. Langsam drehte ich ihm den Rücken zu und ging in Zeitlupentempo, mit hängenden Schultern und schleifendem Gang aus dem Zimmer. Auf der Schwelle sagte ich mit Grabesstimme: „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich meinen wohlverdienten Urlaub, deiner schon jetzt gescheiterten Selbstfindungsphantasie wegen, in einem Schweigekloster verbringe!“ Ich werde sicher nicht in einer kargen Zelle nächtigen und mir anhören, wie du in der Nacht die eingschmuggelten Kekse verschlingst. Schliesslich hat man doch gewisse Ansprüche. Ausserdem wirst du sowieso nicht durchhalten. Ich buche jetzt einen Urlaub, der meinem Niveau und meiner gesellschaftlichen Stellung auf diesem Planeten entspricht. Ich schreibe dir auch gerne eine Ansichtskarte, wenn du mir die Adresse deiner Pritsche verrätst!“ Dann schloss ich leise die Türe von aussen und genoss die verblüffte Stille. Der anschliessende Schreianfall, dessen ungefährer Wortlaut am Anfang dieses Textes angeführt ist, konnte man drei Gassen weiter noch hören und konnte erst nach raschem Eintreffen des Notarztes, mittels einer Beruhigungsspritze und der anschliessenden Verabreichnung eines doppelten Whiskeys unter Kontrolle gebracht werden. „Mensch Junge, reiss dich zusammen, du machst hier Stress, dass ich grosse Lust hätte wirklich hinter Klostermauern einzuchecken, nur um diesem Lärm zu entgehen! Das ganze Leben ist eine Pilgerreise“, fuhr ich fort ihn zu überzeugen, während er wimmernd weinte und ich ihn in meinen Armen wiegte, wie ein Kind, das einfach nicht verstehen will. „Es gibt nicht nur Schwarz und Weiss, das wirkliche Leben ist bunt wie wir!“

 

 

 

Copyrights © Manuela Dona

Leichtigkeit auf meiner Haut

EIN KATER RÄUMT AUF

Wieder einmal sitze ich stilvoll auf meinem handbestickten Polster am Fenster und blicke in den Garten unserer stilvollen „Upper-class-Hütte“, während ich mir den Luxus gönne, die letzten Tage und Wochen zu reflektieren. Heute spiele ich einmal Tourist in dem Ort, in dem ich wohne. Es gibt Ecken, die ich noch nicht kenne. Ich ziehe einfach los und gehe auf Entdeckungsreise …

Der diesjährige Jahreswechsel hatte es wirklich in sich. Champagner, Kaviar und ein atemberaubendes Feuerwerk, das mich beinahe das Gehör gekostet und in der Folge für ein mattes Fell gesorgt hatte, liessen meinen Stresslevel in den dunkelroten Bereich schiessen. Unsere Bude war brechend voll und laut wie ein Flughafen zu Ferienbeginn. Wie wenig mein Dosenöffner an Achtsamkeit litt, sah man schon daran, dass er nicht wahrhaben wollte, dass die ganze Welt nach Entschleunigung schrie und nicht danach, sich die Bude mit 100 wildfremden Freunden von Freunden vollzustopfen. Ich hasse Lärm und noch mehr hasse ich lärmende pseudofröhliche Menschen. „Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details“, werfe ich, nicht ganz überzeugt in eine Gedankenblase, die über mir schwebt, doch gleich darauf macht es laut „Plopp“, die Vision platzt und ich sehe Adam vor mir, der mit irrem Blick in einem Berg sinnloser Geschenke auf seinem neuen Meditationskissen sitzt und zu „Barry-White-Gesäusel“ mein empfindliches Gehör mit dem nervtötenden Geräusch von quietschendem Zellophan malträtiert.
Ich ahne, wie George Michael sich im Grab umdreht! Ich fahre meine Krallen aus! Warum nur definiert das Wesen Mensch alles und jeden über Materielles?
Was uns von anderen unterscheidet, ist nicht das, was wir bekommen, sondern das, was wir mit dem tun, was wir haben (Nelson Mandela).

Warum hängt er so an diesem ganzen Plunder, wenn es doch nur darum geht, zu lieben und geliebt zu werden.
„Wir kaufen doch nur Sachen, um abzulenken, anstatt Ordnung in unserem Kopf zu schaffen.“

Ich zog die Krallen wieder ein und schnippte mit der Pfote. Statt sich ständig an Materielles zu klammern, sollte man mal stattdessen einen Wüstenlauf machen oder den Dachboden entrümpeln. Plötzlich war alles ganz logisch, wenn er nicht loslassen konnte, ich konnte es!

Ich begann mit dem Entrümpeln im eben erwähnten Dachboden. Generationen von sinnlosen Präsenten, Schachteln mit Fotos, Bücher, die nie gelesen wurden, Kleider, die längst aus der Mode waren, ja sogar Geschenke, die nie ausgepackt wurden, flogen durch die kleine Dachluke in den Garten.

Als ich im Dachboden fertig war, ging es unten weiter. Adams begehbarer Schrank, die Regale und Schränke leerten sich zusehends. Mit jedem Stück, das aus dem Fenster flog, wurde es leichter und leichter in mir drin.

Zum Schluss folgten auch noch Tischdecken, Vorhänge, Kissen und die gesamte Teakholz-Elefantensammlung. Adams ganzer Ballast, der sich über Jahre angesammelt hatte, türmte sich im Garten zu einem ansehnlichen, brennbaren Haufen.

Unser vormals so üppig im Versace-Stil dekoriertes Haus hatte sich zu einer kahlen Mönchszelle verwandelt, die dringend mal wieder ausgemalt gehörte.

Wie in Trance brachte ich das Ding zu Ende, schüttete eine Literflasche Grill-
anzünder auf den ganzen Haufen und machte ein wirklich grosses, befreiendes Lagerfeuer! Ich spürte sie, die Leichtigkeit auf meiner Haut. Ich fühlte mich frei. Loslassen war herrlich! Der frische Wind strich mir durchs glänzende Fell, ich fühlte mich gebraucht!

Die nächste Erinnerung ist Adam, der neben mir steht und händeringend versucht mit dem Gartenschlauch den lichterloh brennenden und qualmenden Haufen zu löschen! Verzweifelt höre ich ihn rufen: „Um Gottes Willen Kater, was hast du gemacht?“
Und ich antworte: „Lass los Kumpel, du wirst um deiner selbst Willen geliebt! Oder etwa nicht?“ Miau!