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«Ich war sicher noch nicht 16 Jahre alt, als ich mein erstes Glas Wein getrunken habe.»

Im Interview erzählt Stefano Petta, Sommelier des Jahres 2024, warum er keinen Lieblingswein hat und warum ihn in der Ausbildung der «Fruchtsalat» unter Druck gesetzt hat.

Herr Petta, welche Frage sollte man einem Sommelier niemals stellen?
Stefano Petta
: Welcher ist dein Lieblingswein … Denn es gibt nicht den einen Wein, keinen Lieblingswein in meinen Augen. Sicher haben Sie vielleicht einen Favoriten, den Sie gerne trinken und von dem Sie immer eine Flasche daheim haben. Aber Wein hat auch viel mit der Situation zu tun, in der man ihn trinkt. Und auch Dinge wie die Jahreszeiten und ihr Vis-a-Vis sind relevant, welcher Wein am besten passt.

Und welche Frage wird einem Sommelier nie gestellt, obwohl sie auf der Hand liegt?
Da muss ich wirklich überlegen. Beziehungsweise würde ich die Frage etwas verändern, und auf eine Verallgemeinerung zu sprechen kommen, die in Bezug auf einen Sommelier oft besteht. Viele Menschen gehen davon aus, dass ein Sommelier ausschliesslich Wein trinkt. Und nein, ich trinke wie alle anderen auch mal ein Bier, einen Kaffee und oft sowie gerne Wasser. (lacht)

Wie sind Sie zum Wein gekommen? Können Sie sich eventuell auch noch an den Tag erinnern, beziehungsweise den Anlass, an dem Sie Ihr erstes Glas Wein getrunken haben?
Was ich sagen kann, ich war sicher noch nicht 16 Jahre alt, als ich mein erstes Glas Wein getrunken habe. Meine Eltern stammen beide aus Italien und in den Sommerferien waren wir immer zu Besuch bei der Familie. Meine Grosseltern, die leider zu der Zeit bereits nicht mehr lebten, hatten über viele Jahre auch einige Rebstöcke, sodass noch immer im Keller Wein lagerte. Und daher haben wir auf jeden Fall schon als Heranwachsende dann und wann eine Mischung aus Wein und Gazosa getrunken.

Wann haben Sie entschieden, Wein zu Ihrer Passion und damit zu Ihrem Job zu machen?
Ich habe zunächst eine Ausbildung als Koch gemacht, dann noch eine weitere im Bereich Service. Und im Service ist es natürlich wichtig, dass Sie Grundsätzliches über Wein verstehen. Während dieser Zeit wurde ich auf die Ausbildung zum Sommelier aufmerksam und habe mehr aus einer Laune heraus gestartet. Mit Anfang 20 war ich dabei auf jeden Fall der Jüngste und einfach war es nicht.

Was war besonders schwierig?
Der Fruchtsalat. (lacht) Die anderen waren eben oft viel älter als ich und schmeckten immer irgendwelche schwarzen Oliven, gekochte Karotten und ähnliches beim Tasting. Ich habe dann echt daheim Karotten gekocht und versucht, dieses Aroma im Wein wiederzufinden. Ich habe sehr viel Blindtastings im Selbststudium gemacht, um hier besser zu werden. Und das neben meiner Arbeit, da ich die Ausbildung berufsbegleitend gemacht habe.

Gab es Momente, in denen Sie sich gefragt haben, warum Sie das eigentlich machen?
Sicher. Vor allem, weil Sie sehr schnell den Genuss verlieren, wenn es darum geht, im Privatleben einen Wein zu trinken. Es gibt gewisse Schlüsselwörter, um Weine zu beschreiben. Die gelten weltweit und sorgen für eine Art Einheitlichkeit bei der Bewertung. Doch wenn Sie dann abends mit Freunden eine Pizza essen gehen und dazu ein Glas Wein trinken, können Sie irgendwann nicht mehr abschalten. Dann geistern diese Worte sofort in Ihrem Kopf herum. Da ärgerst du dich dann plötzlich darüber, dass der Tisch nicht weiss ist, weil du die Farbe des Weines gar nicht optimal einschätzen kannst.

Durchhalten hat sich dennoch gelohnt. Sie tragen den Titel «Sommelier des Jahres 2024». Wie wichtig ist ein solcher Titel für Ihren Beruf, wie wichtig für Sie persönlich?
Sicher ist es beruflich enorm fördernd, wenn Sie einen Titel wie diesen tragen. Auch in meiner neuen Position als Weindirektor bei The Living Circle. Zudem gebe ich Masterclasses. Es wäre falsch zu sagen, dass Titel hier nicht wichtig sind. Gleiches gilt für mich persönlich. Natürlich bin ich stolz auf die Auszeichnung. Das tut dem Ego gut. Wer anderes sagt, der … und wenn Gäste im Restaurant mir dazu gratulieren, freut mich das enorm.

Was ist übrigens die grösste Sünde, die man einem Wein antun kann?
Wenn Sie ihn falsch lagern. Ich erinnere mich an einen Urlaub in Florenz. Da standen die Weinflaschen in einem Regal hinter dem Tresen. Draussen waren es gefühlt 50 Grad, drinnen 30 Grad und der Wein hatte ungefähr 29 Grad. Da darf es niemanden wundern, wenn der Wein nicht mehr schmeckt. Ich weiss, wie viel Arbeit die Winzerin, der Winzer in diese Flasche gesteckt haben, daher finde ich das einfach schade. Auf der anderen Seite ist es im Restaurant so, dass ich eben akzeptieren muss, wenn Menschen Cola in ihren Wein schütten oder Berge an Eiswürfeln. Wenn ich das nicht akzeptieren können würde, dürfte ich den Wein nicht auf die Karte setzen. Denn Kundinnen und Kunden bezahlen ihn und dürfen ihn geniessen, wie es für sie passt.

Sie arbeiten seit Jahren eng mit dem Sternekoch Stefan Heilemann zusammen. Wie wichtig ist die Partnerschaft für Sie?
Nach neun Jahren haben sich nun im Juni unsere Wege getrennt. Auch wenn das nicht ganz richtig ist. Denn in meiner Funktion als «Director of Wine» bei der Gruppe «The Living Circle» habe ich noch ein Büro im Widder Hotel. Aber wir haben eine tolle und intensive Zeit erlebt. Zuerst im Ecco, später dann im Widder. Denn als in der Pandemie das Restaurant geschlossen wurde, sind wir mit einem grossen Teil der Crew später in das Widder Hotel gewechselt. Wir beide sind ein wenig wie ein Ehepaar. Wir zoffen uns auch mal heftig, denn unsere Jobs sind sicher nicht die einfachsten. Aber wir kennen uns auf der anderen Seite so gut, dass wir absolutes Vertrauen ineinander haben und uns immer aufeinander verlassen können. Eine grossartige Zusammenarbeit.

Wie geht diese weiter in Ihrer neuen Rolle?
Wie gesagt: Das Widder gehört zur Gruppe von «The Living Circle». Daher werde ich auch weiter im Haus sein. Aber eben auch in anderen Häusern Masterclasses geben. Wir werden nicht mehr so eng miteinander arbeiten, wie wir es als Restaurantleiter und Küchenchef getan haben, aber immer noch regelmässig.

Dann ein Ausblick. Auch Weine unterliegen Trends. Was steht aktuell an?
Orange Weine, oder wie man auch sagt: Naturweine. Gerade in den nordischen Ländern und in den USA erleben diese gerade einen Trend.

Welchen Trend würden Sie persönlich aber niemals mitmachen?
Um beim Thema zu bleiben: Naturweine sind nicht meines. Ich habe jetzt schon einige probiert, aber ich werde nicht warm damit. Ich bin eher der klassische Sommelier. Weine, die nicht stabilisiert sind, finde ich schwierig. Aber wie bei vielen Dingen  sollte man Menschen nicht von einer Philosophie überzeugen wollen. Weder bei Nahrungsmitteln, Essgewohnheiten und auch nicht bei Weinen. Es muss einfach passen für einen persönlich.

Und zur Situation, zum Vis-a-Vis und zur Jahreszeit …
Genau so ist das.

Biografie

Der 36-jährige Stefano Petta hat seine Wurzeln in Italien, heute lebt und arbeitet er in Zürich. Die letzten Jahre hat er als Gastgeber die Menschen im Restaurant des Hotels Widder in Empfang genommen. Seit dem 1. Juni verantwortet er die Position als «Director of Wine» bei The Living
Circle. Ende 2023 erhielt er zudem die Auszeichnung zum «Sommelier des Jahres 2024». Er verfügt über eine Ausbildung als Koch wie auch Restaurationsfachmann und erwarb mit 22 Jahren das Diplom als Sommelier ASSP. Ein Jahr später kreierte er seine erste Weinkarte im Schweizerhof in Bern. Sein beruflicher Werdegang ist vor allem auch durch die schon jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Stefan Heilemann geprägt. Zusammen haben sie zunächst im ECCO in Zürich gearbeitet, seit 2020 sind die beiden als Duo für die hervorragenden Genüsse im Widder Hotel verantwortlich.

Photos Copyrights: Widder, The Living Circle

Zeit(los) ist alles

Markant, robust und widerstandsfähig – das zeichnet die Kollektion «Khaki Field» von Hamilton aus. Und die beiden Modelle haben echt Stil.

Gemacht für die Abenteuer des Lebens – die »Khaki Field«-Kollektion von Hamilton besteht aus mehr als nur Zeitanzeigern. Sie ist bekannt für ein robustes militärisches Design und überzeugt mit Funktionalität sowie Minimalismus. Und die beiden neuen Modelle führen diesen Trend oder vielmehr die Tradition dieser Uhrenkollektion fort. Sie sollen ihrer Trägerin, ihrem Träger zuverlässige Begleiter sein, so der Wunsch des Herstellers. Und genau darum setzt man auf ein zeitloses Design und innovative Materialien.

Erhältlich ist die neue Khaki Field Titanium in zwei Farben. Ein elegantes, kühnes Mattschwarz – wobei PVD-beschichtetes Titan die Grundlage bietet. Oder aber gebürstetes Titan, welches das blaue Ziffernblatt optimal zur Geltung bringt. Die Frage, die sie sich daher stellen müssen, ist: Lieben Sie es klassisch oder doch ein wenig wagemutig? Erhältlich sind beide Modelle mit einem Durchmesser von 38 oder 42 Zentimetern. Die Super-LumiNova®-Beschichtung des Ziffernblattes sorgt dafür, dass egal bei welchem Wetter oder zu welcher Uhrzeit für Sie immer Klarheit herrscht, wie spät es ist.

Hamilton selbst schaut bereits auf über 130 Jahre Erfahrung zurück. Das in Lancaster, Pennsylvania gegründete und heute zur Swatch Group gehörende Unternehmen hat im Jahr 1957 die erste elektrische Uhr der Welt auf den Markt gebracht. Und auch bei der ersten LED-Uhr hat man Pionier-Arbeit geleistet. Einst dienten die schlichten Zeitmesser zudem der Synchronisierung des Schienenverkehrs. Parallel hat man es sich zur Aufgabe gemacht, Filmgeschichte zu schreiben. Die Spezialanfertigungen der Marke spielen in verschiedenen Hollywood-Blockbustern zwar nicht immer direkt die Haupt-, aber eine wichtige Nebenrolle. Und genau darum geht es bei der Khaki Field-Kollektion. Immer dabei, aber die Hauptrolle spielen immer Sie.

Photos Copyrights: Hamilton SA

Angekommen, Dasein, Wiederkommen!

Mit dem «Tivoli Doelen Amsterdam» eröffnet Tivoli Hotels & Resorts sein erstes Haus in den Niederlanden – und das wie immer stilvoll, elegant und mit diesem speziellen Charme, der Auszeiten zu Auszeiten macht.

Gekommen, um zu bleiben? Das Hotel auf jeden Fall, wenn es um die Konstante geht. Sie als Gast werden eher Wiederholungstäter. Denn das Tivoli Doelen Amsterdam ist mehr als nur ein Hotel. Es ist das perfekte Zuhause auf Zeit für jeden, der tagsüber die holländische Metropole direkt vor der Tür erleben, aber abends wieder Ruhe, Zeit und Stil geniessen will. In diesem Frühjahr neu eröffnet, bietet das Haus 81 Superior-Zimmer plus Suiten und einen Blick auf die Grachten an. Und das bereits ab 250 Euro pro Doppelzimmer. Da muss man auch öfters kommen. Man kann aber auch gar nicht anders …

Neu und dennoch geschichtsträchtig
Neu eröffnet heisst beim Tivoli Doelen aber nicht, dass dem Haus die Geschichte fehlt. Denn das klassizistische Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und hat schon Rembrandts Gemälde «Nachtwache» 70 Jahre Obdach geschenkt. Der berühmte holländische Maler wohnte nämlich in direkter Nachbarschaft, was die neuen Besitzer zu einer Suite inspirierte, die seinen Namen trägt und seine Kunst findet sich – nicht exklusiv, aber eindrücklich nachempfunden – im gesamten Hotel wieder. Und auch die Kaiserin schritt gerne mal durch die Türen, um die Nähe zum Kanal und die Eleganz der dezenten Zurückhaltung zu geniessen. Denn Sissi wusste genau das zu schätzen.

Erste Klasse, farblich abgestimmt
Der kulinarische Genuss hört im Haus auf den Namen «Omber». Das hauseigene Restaurant tischt Gerichte der niederländischen Fusionsküche auf, die ebenfalls Rembrandt gewidmet sind. In diesem Fall nämlich farblich, da sich der berühmte Maler zu seiner Zeit mit gerade einmal 12 Tönen zufriedengab und dennoch einzigartige Bilder kombinierte. Jedes Gericht enthält daher mindestens eine dieser Farbnuancen und wie der Name schon verrät, wurde das Restaurant in der vom Maler so geschätzten Signaturfarbe gestaltet. Ein einladender Braunton, der so warm wie elegant und noch mehr raffiniert als Interieur umgesetzt wurde.

Wunderbar drinnen, noch mehr erleben draussen
Doch so schön das Hotel auch ist. Tagsüber muss man einfach raus und sich treiben lassen. Entweder bei einer geführten Tour durch die Stadt oder auf einer Gracht durch die Kanäle der Metropole. Buchbar ist die Bootsfahrt mit Drinks und Häppchen natürlich direkt im Hotel. Beim Sightseeing-Event «Auf den Spuren Rembrandts» geht’s direkt rein ins Atelier des 1669 verstorbenen Talents, um dann all die Orte zu besuchen, die er in seinen Bildern für immer festgehalten hat. Auch ein Besuch des Rembrandthuis darf natürlich nicht fehlen. Oder aber Sie geniessen einfach Amsterdam mit all seinen schönen und einzigartigen Plätzen wie dem Rijksmuseum, der Ice Bar oder dem Anne Frank Haus. In Amsterdam gibt es alles, aber eben nur ein Tivoli.

Photos Copyrights: Tivoli Doelen Amsterdam

Traumdestination Malediven

Eigentlich ist das alles unglaublich! 19 Inselgruppen mit knapp 2 000 Inseln erheben sich zwischen einem und fünf Metern aus dem Meer. 220 Inseln werden von Einheimischen bewohnt und weitere 150 sind für den Tourismus geöffnet und wenn man einmal angekommen ist, dann ist man plötzlich im Paradies …

Die Hauptreisezeit für die Malediven ist in unserem Winter. Da ich allerdings gerne gegen den Mainstream schwimme, habe ich meinen Flug für Juli gebucht. Die Preise sind deutlich günstiger und das Wetter ist durchgehend grossartig und warm. Sollte es einmal regnen, dann ist es nach 30 Minuten schon wieder vorbei und die Sonne lächelt herab. Die Nebensaisonen kann ich für die Malediven nur wärmstens empfehlen. Eine Woche habe ich mir für meinen Trip ins Paradies vorgenommen und plane daher, schnell in’s Inselfeeling einzutauchen.

SHERATON Maldives Full Moon Resort & Spa

Das optimale Hotel hierfür ist für mich das Sheraton Maldives Full Moon Resort & Spa. Nach der langen Flugreise will ich nicht mehr ins Wasserflugzeug steigen, sondern mit einem Schnellboot rasch zu meiner Urlaubsbleibe kommen. Nach 15 Minuten bin ich bereits im grosszügigen Resort, welches keine Wünsche offen lässt. Im Feast Restaurant gönne ich mir ein Frühstück mit frischem Obst und einem köstlichen Buffet, das an Reichhaltigkeit kaum zu überbieten ist. So sieht ein optimaler Urlaubsstart für mich aus.

Mein charmantes Island Cottage ist perfekt ausgestattet und hat neben einem Freiluft-Badezimmer auch einen kleinen Vorgarten, durch den ich das Meer in 30 Sekunden erreichen kann. Es gibt so viel Auswahl, wie ich hier meine Zeit am besten verbringe, dass ich gleich meinen Tauchgang, gefolgt von Massage und einem Inselrundgang buche. Bei der «Coral Restoration Snorkeling Area» wird mir erklärt, wie Korallen nachgezüchtet werden und ich darf selber einen Korb mit Babykorallen im Meer versenken.

Die Wahl, in welchem der 7 Restaurants ich mein Dinner aussuche, fällt nicht leicht, da ich gerne alle ausprobieren würde. Schliesslich entscheide ich mich für einen frischen Fisch im Masala Hut – es ist eine gute Entscheidung! An diesem Abend schmeckt mir das Glas Chardonnay besonders gut. Zufrieden tauche ich meinen Kopf ins weiche Kissen.

Am nächsten Tag läutet mich mein Wecker früh aus dem gemütlichen Bett. Zu neugierig bin ich auf die morgentliche Yogastunde im Pavillon direkt am Meer. Danach mache ich das, wofür die Malediven am bekanntesten sind: chillen, schwimmen und schnorcheln im türkisblauen Wasser direkt vor meiner Villa. Blitzschnell zischt ein kleiner Hai an mir vorbei. Ich quietsche vor Freude, denn solche Momente sind immer besondere Höhepunkte. Ein Besuch im Orchideengarten, ein Drink am Sunset Point und ein Abendspaziergang, bei dem ich die Flughunde beobachte, machen diesen Tag perfekt.

Bevor ich meine Weitereise auf die nächste Insel antrete, buche ich mir die letzte Nacht vor meinem Heimflug nochmals im SHERATON Maledives Full Moon Resort & Spa. Da kann ich nochmals geniessen und bin in Windeseile ohne Wetterrisiko am Flughafen.

Le MÉRIDIEN Maldives Resort & Spa

Doch zunächst geht es weiter ins Le Méridien Maldives Resort & Spa. Der Flug mit dem Wasserflugzeug ist wunderbar, weil man die wunderschönen Resorts von oben sieht. Nach 35 Minuten Flugzeit werde ich vom Hotelmanager und seiner Crew am Dock begrüsst. Ich fühle mich willkommen und geniesse meinen frischen Cocktail. Die Insel ist genau so, wie man sich die Malediven vorstellt. Weisser Sand mit Palmen und dichter Vegetation umgeben von kristallklarem türkisen Wasser. Am vorgelagerten Riff brechen sich die Wellen und bereiten ein Naturschauspiel.

Im Le Méridien Maldives Resort & Spa beziehe ich eine Oversea-Villa. Ich komme mir vor wie ein König, der auf sein Reich blickt, wenn ich die uneinsehbare Terrasse betrete und aufs Meer schaue.

Das Resort ist mit viel Achtsamkeit neu errichtet. Die eigene Stromerzeugung und Wasseraufbereitung ist ebenso Teil des Nachhaltigkeitskonzepts wie das Greenhouse, in dem Salate und Kräuter angebaut werden. Als Freund der Kulinarik nehme ich jede Mahlzeit in einem anderen der 6 unterschiedlichen Gourmet-Restaurants ein. Eine Speise schmeckt köstlicher als die Andere.  Abermals checke ich meinen Tauchgang, leihe mir ein Fahrrad, um die Insel zu erkunden, lasse mich im Spa verwöhnen und lausche der jungen Meeresbiologin, die im Resort ihre Forschung betreibt. Sie kann ich auch überreden, mich zum Delphin Spotting und Schnorcheln zu begleiten. Da sie die besten Plätze rund um die Insel kennt, beobachten wir tausende bunte Fische, grasende Meeresschildkröten, vorbeischwebende Mantas und den einen oder anderen Riffhai. Ein aussergewöhnlich schönes Erlebnis, das mich demütig und dankbar macht. Abends gönne ich mir einen Negroni in der Riviera Bar und plaudere mit gutgelaunten Gästen aus der ganzen Welt. Bevor ich ins Bett gehe, verweile ich noch auf meiner privaten Villenterrasse und verliere meinen Blick im Sternenhimmel, der sich im Meer widerspiegelt.

»Träumen ist schön, aber seine Träume leben ist noch viel schöner!«

Photos Copyrights: SHERATON Maldives Full Moon Resort & Spa, Le MERIDIEN Maldives Resort & Spa

Highway to hell – Du bist, was du isst!

Gerade eben sind meine Gedanken abgeschweift und ich habe an damals gedacht! Damals … wir waren jung, attraktiv, arrogant, wild und unsagbar geil. Wir haben uns nächtelang herumgetrieben, von Luft und Liebe gelebt und das Leben in vollen Zügen genossen. Hätte mir damals einer von gesunder Küche vorgeschwärmt, hätte ich ihn lauthals in den Wind gelacht.

Nun gut, damals ist ein Weilchen her und aus dem wilden, ungestümen, mit Testosteron vollgeballerten Kater ist ein verwöhnter Villenbewohner geworden, der dem luxuriösen Lebensstil frönt, sich mit Tanzen vor dem Fernseher fit hält und sein Wohlstandsbäuchlein mit «Fine Dining» pflegt. Hm, da müsste ich schon längst etwas unternehmen, wenn ich nicht so enden will wie mein Dosenöffner, der dauernd jammert, dass er nicht mehr in seine Masshemden passt, obwohl er doch extrem diszipliniert is(s)t. Essen soll übrigens der Sex des Alters sein!

Das mit der gesunden Ernährung ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht so abwegig, wenn man irgendwann mal ein betagter Kater werden will. Vitamine, Antioxidantien und Co sind wahre Jungbrunnen.

Plötzlich höre ich meine vernünftige innere Stimme: «Du bist, was du isst! Steh auf du faules Katzenvieh und tu was für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Du bist auf dem Highway to Hell!»

Ja, ja! Gemächlich drehe ich mich auf meiner Luxus-Gartenliege, damit meine Pfoten im überdachten Pool Abkühlung finden. Ich sehe verträumt über das üppige Kräuterbeet, in die dichte
Baumkrone. Der knallblaue Himmel über mir und meine Gedanken ziehen mit den Wolken. Kochen war schon immer meine Leidenschaft, natürlich nur gehobene Küche mit viel Eiweiss. Gut gereiftes Dry Aged Beef, Fisch und Kaisergranat gehören seit jeher zu meinen bevorzugten Grundnahrungsmitteln. Gemüse und Salat geht meist nur als unvermeidliche Dekoration durch oder in Form einer Prärieauster (Tomatensaft mit rohem Ei!) als Kater-Frühstück nach einer durchzechten Nacht.

Wieder drehe ich mich ächzend auf meiner Liege, die auch schon mal bequemer war.  Ahhhhh, wie herrlich es wäre, wieder jung und knackig zu sein – die angenehme Vorstellung durchströmt mich derart intensiv, dass ich aufspringe, zum Kühlschrank mit integriertem Gewächshaus tappe und ihn in abartiger Geschwindigkeit leerfresse.

In der High-Tech-Küche unserer Upper-class-Villa ist nämlich seit kurzem das ganze Jahr über Frühling, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Das Wachsen von Salaten und Kräutern wird ästhetisch in Szene gesetzt und das Ergebnis sind voll erhaltene Nährstoffe und nicht für möglich gehaltene Aromen. Da fällt mir die Werbung mit der grauen Burma-Schönheit ein, wenn ihre Dosenöffnerin ein Petersilienblatt auf den Aludosenfrass platziert – wenn mein Besitzer beim Anrichten so dümmlich lächelnd rumtrödeln würde, müsste ich ihn zur Adoption freigeben.

Nach meiner Fressattacke sitze ich mit weit abstehendem Bauch im blauen Licht der offenen Kühlschranktüre und knabbere missmutig an meinem schlechten Gewissen, während sich ein, intensiv nach Leberpastete und Zwiebel riechender Luftstrom zwischen meinen Beisserchen hindurch den Weg in die Freiheit bahnt. Das war er also, der absolute Tiefpunkt. Ich werde mein Leben komplett ändern.

Ich koche nach wie vor leidenschaftlich. Aber mit Gemüse als Hauptdarsteller und Fleisch in Bioqualität oder nicht überzüchtetem Fisch als Beilage. Ich würze mit taufrischen «Vertical-farming»-Kräutern, entwickle raffinierte Conveniencegerichte für übergewichtige Artgenossen mit gutem Geschmack. Meine vegetarische und vegane Linie läuft ebenso fantastisch wie mein Onlineshop und Rezeptblog. Meine Kochvideos und mein Auftritt in den sozialen Netzwerken sind Kult. Ich sehe fantastisch aus, bin mehr als tüchtig und natürlich mein eigenes Werbe-Testimonial. Meine Kochbücher für den schlanken Kater finden reissenden Absatz. Signiert mit Pfote versteht sich. Die Leser:innen fliegen auf mich, mein Leben ist perfekt.

Dann öffne ich die Augen und sehe immer noch das Kräuterbeet, die dichte Baumkrone über mir und den Himmel, der mittlerweile etwas fahl schimmert. Nun ja – darüber, wie gesund Gemüse mit all der Pestizidbelastung wirklich ist, hat man auch schon allerhand gelesen, aber immerhin arrogant bin ich noch immer in Perfektion. Beim nächsten Vollmond ziehe ich wie damals los und hole mir das «Jung-und-Knackig-Feeling» auf einfache Art und Weise zurück!

… aber jetzt muss ich gleich den Lieferservice ordern und den Kühlschrank füllen lassen. Ok, ein wenig Deko wird auch dabei sein, denn schliesslich strebe ich nach bewusstem Leben und individueller Freiheit …

Copyright Illustration: Manuela Dona

„Ich habe ein kleines Autoritätsproblem“

Schauspieler Jürgen Vogel über seine Rollen als Kommissar und Familienvater sowie seine Erfahrungen im Berlin jenseits der Spree.

Was reizt Sie an der Kommissar-Figur, die Sie in der TV-Serie «Jenseits der Spree» spielen?
Die Grundidee war, einen Freitagabend-Krimi zu machen, der ein wenig anders erzählt. Robert Heffler ist ein alleinerziehender Vater, der ein guter Polizist zu sein versucht, was ihm aber nicht immer gelingt, da ihn die Konflikte ablenken, die er zu Hause mit seinen drei Töchtern hat.

Ihre vier eigenen und zwei adoptierten Kinder sind zwischen 4 und 35 Jahre alt. Da sind Sie wohl schon als Vater und Grossvater gefordert?
Wenn wir alle zusammen auf dem Spielplatz sind, gibt es manchmal lustige Momente, wenn mich meine Tochter «Papa, kannst du mich mal anschaukeln?» fragt und der Enkel bittet: «Opa, bitte komm zur Rutsche!»

Heffler hat eine heimliche Geliebte, seine Chefin. Haben Sie selbst schon Liebe am Arbeitsplatz erlebt?
Ich habe mich in den letzten vierzig Jahren sicher mal verknallt, aber ich war noch nie mit einer Schauspielerin längere Zeit zusammen. Bis ich meine jetzige Verlobte kennenlernte, hätte ich es mir gar nicht vorstellen können, weil man in diesem Beruf so viel unterwegs ist, dass ein Paar sich kaum noch sieht, wenn beide erfolgreich sind.

Wie haben sich Natalia Belitski und Sie kennengelernt?
Ich verkörperte 2016 im Zweiteiler «Familie!» einen Koch, der verheiratet ist und ein kleines Kind hat, und Natalia spielte meine Assistentin. Sie arbeiteten aber nicht nur zusammen, sondern hatten auch ein Verhältnis.

Werden Sie und Ihre Verlobte bald wieder einmal gemeinsam vor der Kamera sehen?
Ich würde sehr, sehr gerne mit ihr drehen. Möglicherweise werde ich dabei Regie führen. Ich bin jetzt 55 und möchte mich in nächster Zeit auch auf diese Weise einbringen. Eine Produktionsgesellschaft für Independent-Filme habe ich bereits 1996 mit Matthias Glasner gegründet.

Sie spielen auch in Werbefilmen. Der Sparkasse-Werbespot 2006 sah aus, als hätten Sie mal ausprobieren wollen, wie es sich anfühlt, James Bond zu spielen …
(Lacht) Es macht mir einfach Spass, in interessanten, lustigen Filmen Werbebotschaften auf originelle Art zu vermitteln. Wobei das Geld nicht allentscheidend ist. Ich muss schon hinter dem stehen können, was ich mache und was das für ein Unternehmen ist.

Sie lieben es, als Schauspieler aus Ihrer Komfortzone herauszugehen. Wo tun Sie es im richtigen Leben?
Als Vater oder im Kampfsport, den ich betreibe, wo du nichts bist als derjenige, der du bist, und deinen inneren Schweinehund jedes Mal neu überwinden musst. Richtig bequem mache ich es mir also auch privat nicht und bei der Arbeit ist das genauso. Aybi Era, welche Mavi spielt, mit der Robert ein Team bildet, und ich schreiben uns nach den Drehtagen abends oft noch Textnachrichten mit Änderungsvorschlägen und Dialogideen.

1986 sind Sie nach Berlin gezogen, weil man dort keinen Wehrdienst leisten musste. Was schreckte Sie daran am meisten ab?
Ich hatte in der Schauspielerei gerade Fuss gefasst und fürchtete, dass ich in Vergessenheit geraten könnte, wenn ich anderthalb Jahre zum Bund müsste. Ausserdem habe ich ein kleines Autoritätsproblem. Wenn man mir dort etwas befohlen hätte, dass ich gar nicht hätte nachvollziehen können, wäre ich vielleicht in den Bau gewandert.

Wie kam es, dass Sie in Berlin zwei Jahre in einer WG mit dem heutigen «Tatort»-Kommissar Richy Müller lebten?
Ich hatte ihn kurz zuvor bei einem Dreh kennengelernt. Obwohl er 13 Jahre ->
-> älter ist, verstanden uns auf Anhieb super. Er war auch ein grosses Vorbild. Sozialdramen wie «Die grosse Flatter», wo er die Hauptrolle spielte, hatten mich sehr beeindruckt.

Robert De Niro in «Taxi Driver» soll auch eine wichtige Inspiration gewesen sein. Mit ihm haben Sie aber keine WG gebildet oder?
Ne, leider nicht! (Lacht) Ich durfte ihm aber mal kurz die Hand schütteln, als er mir 2006 in New York an seinem Tribeca Film Festival den Schauspieler-Preis für «Der freie Wille» überreichte.

Köpenick liegt jenseits des schicken und weltstädtischen Berlins. Was macht diesen Kiez für «Jenseits der Spree» spannend?
Es ist eine Art von Stadtteil, die Berlin auch ausmachen, mit einer guten Mischung aus ganz normaler Arbeiterklasse und jungen Kreativen, welche die Lebensqualität schätzen und die bezahlbareren Mieten. Und er hat Motive, die noch nicht so oft zu sehen waren.

Bekannter wurde Köpenick in jüngster Zeit auch durch die Erfolge des FC Union. Sind Sie ein «Unioner»?
Sagen wir’s so: Ich finde den Verein wahnsinnig toll, echt sympathisch! Unser Regisseur, der ein Fan ist, hat uns auch mal zu einem der Club-Abende mitgenommen, an dem wir mit den Unionern einen Schnack über ihren Fussball und unsere Serie hatten.

Urs Fischer, der zum Trainer des Jahres gewählt wurde, stammt aus Zürich. Haben Sie einen Bezug zur Schweiz?
Ich habe schon verschiedentlich in der Schweiz gedreht, «Wachtmeister Zumbühl» mit Urs Odermatt und «Zornige Küsse» mit Judith Kennel. Rudolf Santschi ist ein ausgezeichneter Produzent. Das liegt aber schon länger zurück. Es wäre also an der Zeit, dass sich wieder etwas ergäbe. Vielleicht kann ich Einfluss darauf nehmen, wenn ich als Regisseur arbeite.

Der Schauspieler Jürgen Vogel wurde am 29. April 1968 in Hamburg geboren. Er schaffte den Durchbruch mit Sönke Wortmanns Komödie «Kleine Haie» (1992). Weitere Meilensteine sind «Das Leben ist eine Baustelle» (Deutscher Filmpreis 1997), «Der freie Wille» (Silberner Bär 2006), «Die Welle» (2008) und die Thrillerserie «Blochin» (2015). Vogel lebt mit seiner Verlobten Natalia Belitski und ihrer Tochter in Berlin-Charlottenburg. Er ist aktuell dienstags um 20.05 Uhr auf SRF 1 und freitags um 20.15 Uhr im ZDF in der 3. Staffel der Krimiserie «Jenseits der Spree» zu sehen.

Photos Copyrights: Stefan Klüter, ZDF/Oliver Feist

Blick des Künstlers auf sich selbst

Tobias Rehbergers bisher persönlichste Ausstellung in Kopenhagen zeigt neben seinen Kunstwerken und Schnappschüssen auch Objekte, die er über die Jahre hinweg «angehäuft» hat, wie er sagt. Warum? Das erzählt er uns im Interview.

Über zwei Etagen und bis auf den Vorplatz des Museums erstreckt sich Tobias Rehbergers große Retrospektive „through the back side of my eyes“ im Kunstforeningen GL Strand in Kopenhagen, die bis zum 14. Januar 2024 zu sehen ist. Der Künstler gilt als einer der einflussreichsten seiner Generation und erhielt 2009 den Goldenen Löwen auf der 53. Kunstbiennale in Venedig. Im Zentrum seines Interesses stehen das Spiel mit der Wahrnehmung und die Möglichkeit, Dinge neu und anders zu sehen, zu erfahren und zu interpretieren.

Was erwartet die BesucherInnen in Ihrer Ausstellung in Kopenhagen?
Ich habe mich entschieden, Werke aus den letzten 30 Jahren zu zeigen, die zum Teil schon mal ausgestellt wurden, das sind alles Arbeiten, die ich für mich behalten hatte. Wenn man eine Serie mit mehreren Arbeiten macht, behält man ja das eine oder andere für sich selbst. Da die Ausstellung im großen ehrwürdigen Kunstforeningen GL Strand stattfindet, das früher privat genutzt wurde, gefiel mir die Idee, auch etwas «Privates» zu machen. Ich habe etwas recherchiert und keine anderen KünstlerInnen gefunden, die vor mir eine Ausstellung dieser Art gemacht hätten: Es geht um den Blick des Künstlers auf sich selbst, wenn er bestimmte Arbeiten von sich aussucht. Darüber hinaus gibt es in der Ausstellung noch zwei weitere Ebenen. Zum einen zeige ich Dinge, die ich im Laufe der Zeit angesammelt habe, die keine Kunst sind – beispielsweise meine Kochbuch-Sammlung, meine Teekannen- Sammlung – wobei ich sagen muss, dass das keine kuratierten Sammlungen sind, sondern Objekte, die ich gut fand und deshalb angehäuft habe. Als Fußnote dazu sind Fotos von mir zu sehen, die nicht entstanden sind, um ausgestellt zu werden, sondern Schnappschüsse, wie sie andere auch machen.

Und die vierte Ebene der Ausstellung ist das Kunstwerk vor dem Museum?
Ja, draußen gibt es eine Fassadenarbeit, die hat im Gegensatz zum „Privaten“ im Innern mit dem Gegenteil zu tun, nämlich mit dem Öffentlichen. Im ersten Stock des Gebäudes sind Neonkästen in die Fenster eingebaut, wie man Leuchtreklamen vor Geschäften kennt. Sie sind mit einem Sockel auf dem Vorplatz des Museums verbunden, in den man das Handy einloggen und die eigene Musik abspielen kann. Das Licht der Neonkästen reagiert auf diese Musik und spielt gewissermaßen die Musik und die Lichtversion des Musikstücks ab. Man kann mit dieser Arbeit also etwas Privates wie die eigene Musik öffentlich sichtbar und hörbar machen.

Was haben die Ausstellungsstücke gemeinsam, die Sie ausgewählt haben?
Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum man eigene Werke behält. Mal sind es besonders gelungene Arbeiten oder man hat Mitleid mit einer Arbeit. Was sie alle zusammenhält ist, dass man sich als Künstler damit in gewisser Weise identifiziert – es können auch die etwas komischeren Arbeiten sein, die nicht so eingängig sind. Es gibt nicht für alle das gleiche Kriterium. Deshalb ist es ja auch so interessant – weil es eine so unklare Masse ist.

Wenn der Blick des Künstlers auf sich selbst gezeigt wird – was sehen Sie, wenn Sie die Ausstellung betrachten?
Eben genau diesen Blick. Was das ist, muss jeder und jede für sich selbst herausfinden. Aus diesem Grund mache ich es ja. Wenn ich es selber so genau wüsste, könnte ich es ja aufschreiben, dann wäre es eine langweilige Ausstellung. Es geht vielleicht auch um Dinge, die man selbst gar nicht so ganz genau wissen möchte. Es ist ja schon intim genug, dass ich Euch meinen Blick auf mich selbst zeige. (lacht)

Das stimmt natürlich. Was hat es mit dem Titel der Ausstellung «through the back side of my eyes» auf sich?
Es geht ja eben um diesen Blick auf sich selbst, der ein anderer ist als der Blick nach vorn. Wenn man durch die Rückseite der Augen blickt, schaut man sich ja auch selbst an. Es ist eine Art Selbstbespiegelung. Da ist eine gewisse Parallelität, denn weder sammle ich meine eigenen Arbeiten nach strategischen Gesichtspunkten noch sammle ich meine Teekannen strategisch. Ich gehe also in dieser Ausstellung mit Kunst anders um, als ich sie sonst nach außen zeige. Nach außen kuratiere ich viel mehr als ich es nun getan habe. Das Kuratieren wäre die Vorderseite der Augen. Was ich hier zeige, ist viel unstrategischer ausgewählt. Durch die Rückseite der Augen, die ja auch etwas blind ist, habe ich einen unbewussteren Zugriff.

Spannend! In Ihrer Arbeit vermischen sich Kunst, Architektur und Design – was fasziniert Sie an diesem Zusammenspiel?
Ich würde eher sagen, ich benutze Strategien aus anderen Feldern wie Design und Architektur aber nur, um dadurch etwas für die Kunst herauszufinden. Nur weil ich etwas mit einem Stuhl mache, gibt es keine Überlappung mit dem Design – für mich geht es immer um die Frage, was das für die Kunst bedeutet. Mich bewegt zum Beispiel die Frage, warum ein Stuhl keine Skulptur sein kann, warum man Kunst nicht mit geschlossenen Augen erleben kann … es gibt so viele Dinge, die einem erzählt werden und die ich mir auch selbst erzählt habe, von denen ich vermute, dass sie nicht immer richtig sind. Das interessiert mich. Und mein Leidensdruck ist groß genug, um jeden Morgen aufzustehen und an diesen Fragen herumzuschrauben.

Welche Idee oder welches Projekt hat sie zuletzt sehr begeistert?
Ein befreundeter Künstler, Rirkrit Tiravanija, erzählte mir, dass er eine Maschine bauen will, die eine japanische Teezeremonie vollzieht. Die Idee ist, dass man diese idealerweise absolut präzise, immer gleich ablaufende Zeremonie unmenschlich perfektioniert. Die Frage ist, ob in den winzigen Unterschieden der menschlichen Unpräzision nicht das eigentlich Interessante liegt. Man denkt ja immer, die Präzision und Perfektion wären das Ziel der Teezeremonie. Wenn man aber nun eine Maschine hat, die diese Präzision erreicht, dreht sich die Idee um. Das sind die besten Kunstwerke, die so etwas erreichen. Lustigerweise habe ich selbst vor vielen Jahren eine Arbeit gemacht, bei der es genau um diese Fragestellung ging, wahrscheinlich finde ich es deshalb so spannend. Auf die Arbeit freue ich mich schon sehr.

Photos Copyrights: Tobias Rehberger, through the back side of my eyes. GL STRAND, 2023. Photo by David Stjernholm, Portrait: SWATCH

Copyright is for losers

Weltweit kennt man seinen Namen, wer jedoch hinter dem Streetartkünstler Banksy steckt, wissen wenige. Die, die es wirklich wissen, schweigen. Und er selbst? Er gibt den Menschen Grüne, um über ihn zu reden …

Eine lange Menschenschlange steht vor der Halle 622b in Zürich-Oerlikon. Menschen voller Vorfreude, neugierige Menschen. Denn sie alle wollen sich die aktuelle Ausstellung mit rund 150 Werke, des derzeit teuersten Künstlers der Gegenwart anschauen. Die Rede ist von Banksy. International bekannt als einer der besten Streetart-Künstler der Welt. Und ein Mysterium. Bis heute gibt es nur Spekulationen, wer hinter den Schablonen-Graffitis mit dem riesigen Wiedererkennungswert steckt. Da passt es auch, dass die Ausstellung in Zürich den Titel «The Mystery of Banksy – a genius mind. The unauthorized exhibitation» trägt. Denn wo ein Urheber nicht offiziell auf seine Rechte besteht, da ist das mit der Autorisierung schwierig. Banksy ist ein Phänomen. Eines mit Einfluss.

Ab Tag 1 ein Ausnahmetalent

Er ist eine Ausnahmeerscheinung und seine über Jahrzehnte gewahrte Anonymität potenziert das natürlich noch. Zudem ist er absolut direkt. Seine Kunst zeigt sich stets gesellschaftskritisch – und das ab Tag 1. So tauchten die ersten Werke bereits in den 1990er-Jahren im englischen Bristol auf. Zunächst arbeitete Banksy hier mit anderen Graffiti-Künstlern zusammen. Dann entdeckte er dank seines Künstlerkollegen «3D» die Schablonenkunst. Oder um es mit seinen eigenen Worten aus einem anonym geführten Interview zu sagen: «Als ich etwa zehn Jahre alt war, brachte ein Junge namens 3D als erster die Sprühfarben nach Bristol. Ich bin also damit aufgewachsen, und Graffiti war, was wir alle in der Schule liebten und auf dem Heimweg von der Schule taten.»

In einer Nacht im Jahr 1997 entstand sein erstes grosses Wandbild. Der Titel: «The Mild Mild West». Es handelte sich dabei um ein Bild, auf dem ein gigantischer Teddybär einen Molotow-Cocktail auf drei Polizisten wirft. Die Legende Banksy war erwacht. Und jedem war klar, dieser Künstler versteckt sich zwar hinter einem Pseudonym, aber kaum jemand prangert so offensichtlich Kapitalismus, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Kulturen an wie er – und die Menschen feiern das, zumindest ein Grossteil. Da beleuchten die ersten Sonnenstrahlen am Morgen plötzlich knutschende Polizisten in Soho, ein Mädchen mit einer Gasmaske in Barcelona oder eine Schere auf einer Grenzmauer in Israel. Zynischer Witz, gepaart mit Humor, wie sein Stil gerne zusammengefasst wird. Und der weltweit Aufmerksamkeit erhält.

Seine Identität ist quasi ein Staatsgeheimnis

Fakt ist, es gibt Menschen, die wissen, wer Banksy ist. Beginnend mit 3D, der übrigens heute unter seinem echten Namen Robert Del Naja Frontmann der Band Massive Attack ist. Fakt ist aber auch, dass all diese Menschen schweigen. Egal ob es sich um seine ersten Wegbegleiter handelt oder aktive Künstler, Musiker und Kreative, die ihn persönlich kennen. Und das lässt vielen Menschen keine Ruhe. So hat unter anderem die Daily Mail umfassende Recherchen angestellt, wer hinter dem Pseudonym steckt. Darauf aufbauend haben Wissenschaftler der Queen Mary University in London forensische und statische Methoden genutzt, um Banksy auf die Schliche zu kommen. Methoden übrigens, die eigentlich nur bei der Suche nach Serienkillern und Serienstraftätern zum Einsatz kommen.

Sowohl Daily Mail wie auch die universitären Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass es sich bei Banksy um den britischen Künstler Robin Gunningham handelt. Davon will Gunningham selbst jedoch nichts wissen. Andere gehen davon aus, dass 3D hinter Banksy steckt, auch hier wurden diverse verschiedene Abgleiche gemacht, wenn es darum ging, wo die
Band auftrat und an welchen Orten neue Bilder auftauchten. Im Jahr 2003 gab Banksy zudem dem ITV News-Korrespondenten Haig Gordon ein Interview. Mit Baseballcap und einem T-Shirt über Nase und Mund sagt er unter anderem in den 35 Sekunden seines Auftritts: «Ich bin verhüllt, weil du nicht wirklich ein Graffiti-Writer sein und dann in die Öffentlichkeit gehen kannst.» Und Gordon selbst beteuert, dass er zwar sein Gesicht gesehen habe, sich aber nicht erinnern könne.

Eigensinnig und dennoch im Sinne der Gemeinschaft

Was Banksy von kommerzieller Kunst hält, lässt sich vermuten. Auf der anderen Seite aber zeigt er es auch mehr als deutlich. Beginnend damit, dass er auf seine Urheberrechte verzichtet, über die Aussage «Copyright is for losers», bis hin zu dem Tag, an dem er eines seiner bekanntesten Werke nach Abgabe des Höchstgebots zerstörte. Kaum war für das «Girl with Ballon» bei einem Betrag von 1,2 Millionen Euro der Hammer bei Sotheby’s gefallen, begann ein im Bild eingebauter Schredder, das Werk zu vernichten. Da es technische Probleme gab, wurde es final nur bis zur Hälfte in seine Einzelteile zerlegt. Der Fun-Fakt: Drei Jahre nach dem Vorfall kam das halb zerstörte Bild unter dem neuen Titel «Love is in the Bin» erneut unter den Hammer. Und fand für 18,9 Millionen Euro einen neuen Besitzer. Sicher bleibt wegen der fehlenden Urheber- oder übertragenden Besitzrechte nicht jeder Erlös bei Banksy hängen. Dennoch verdient er gut. Und er wäre nicht Banksy, wenn er das nicht in seiner Gesinnung zu nutzen wüsste. So liess er zum Beispiel sein Gemälde «Game Changer» im Mai 2020 exklusiv in einem Krankenhaus in Southampton aufhängen und anschliessend zugunsten des National Health Services im Zuge der Covid-Pandemie versteigern. Mit 19,5 Millionen Euro wurde damals der bislang höchste Preis für ein Banksy-Gemälde erzielt. Zudem ist der Künstler auch Finanziator und Initiator des Seenotrettungsschiffs «Louise Michel». Dieses trägt seine Zeichnungen und dient zur Rettung Geflüchteter, die versuchen, mittels Schlauchbooten das Mittelmeer zu überqueren, und in Not geraten.

Und es geht weiter …

Banksy dürfte mittlerweile Ende 40, rund 50 Jahre alt sein, so wird es vermutet. Dass in den kommenden Jahren also neue Überraschungen in seinem Namen auf die Menschen warten, dürfte sicher sein. Dass er irgendwann einmal doch seine Nase in eine Kamera hält und seine Identität verrät, ist eher ungewiss. Und genau das ist doch eigentlich in Zeiten, in denen Menschen ihr Leben, ihre Lieben auf sämtlichen sozialen Kanälen verkaufen, auch schöne Sache. Die Wartenden in Oerlikon stimmten dem übrigens im Kollektiv zu.

Bilder: Dominik Gruss, Getty Images

EXTRAVAGANTES SCHLOSS-ERLEBNIS

NEU, FARBENFROH UND VOLLER KUNST:
CASTLE ELVIRA BEI LECCE ERÖFFNET

IM HERBST LEGT SICH EINE ANGENEHME RUHE ÜBER APULIEN – DIE SOMMERGÄSTE SIND LÄNGST ABGEREIST, DIE SONNE STRAHLT NOCH KRÄFTIG AM HIMMEL UND AUCH DIE NAHENDEN WINTERMONATE VERSPRECHEN, ÜBERWIEGEND MILD ZU WERDEN. WIE EIN MÄRCHENSCHLOSS ERSCHEINT  DAS EXKLUSIVE BOUTIQUE-HOTEL CASTLE ELVIRA MIT DEN VIER TÜRMEN, DAS SEINE GÄSTE EINLÄDT, DIE SCHÖNHEIT SÜDITALIENS ZU ZELEBRIEREN.

Aussergewöhnlich ist der Charme des Anwesens, der sich auch in den Herbst- und Wintermonaten entfaltet. Im beheizten Pool, am knisternden Kaminofen oder im extra grossen Whirlpool des Schlosses lässt sich dann, umgeben von einer eklektischen Sammlung exzellenten Designs und ausgefallener Kunst eine ebenso ruhige wie inspirierende Zeit verbringen. 

Exklusivität und Kunst 

Nur sechs Zimmer sind im Castle Elvira zu mieten – das exklusive Schloss-Erlebnis teilen sich die Gäste also mit maximal elf anderen Besucher*innen. Gebaut wurde Castle Elvira im späten 18. Jahrhundert und stand mehr als 100 Jahre leer, bevor Steve Riseley und Harvey B-Brown die historischen Gebäude auf dem 37 Hektar grossen Anwesen erwarben. Das ursprüngliche, authentische Flair des Schlosses erhielten die Architekten bei der Erneuerung und ergänzten Design-Details aus dem 20. Jahrhundert, eklektisches Interieur sowie moderne Technologien. Ein besonderes Augenmerk galt den sorgfältig kuratierten Kunstwerken – darunter findet sich auch eine Auswahl der Werke von Riseleys Ehemann und Künstler Harvey B-Browns.

Märchenhaftes Flair 

Wie es sich für ein Märchenschloss gehört, umwebt auch Castle Elvira eine tragische Legende: Elvira soll der Name eines jungen verträumten Mädchens aus Neapel gewesen sein, dessen wohlhabende Eltern ihrem einzigen Kind dieses zauberhafte Schloss zu ihrem 17. Geburtstag zum Geschenk machten. Um dies zu feiern, sollte ein Festmahl stattfinden, zu dessen Anlass Elvira Pilze sammeln ging. Weil sie versehentlich statt Steinpilzen giftige Pilze fand, starb Elvira, die untröstlichen Eltern flohen aus dem Schloss und sollten nie dort hin zurückkehren. Was der wahre Grund ist, warum das herrschaftliche Anwesen ein Jahrhundert verlassen blieb, können wir nur mutmassen – wie bei jeder guten Mär gibt es aber auch im Castle Elvira ein Happy End: Das Schloss wurde vom neuen Besitzer liebevoll restauriert und der Zauber von Elviras fröhlichem Geist ist bis heute in allen Räumen spürbar. 

Küche

Gaumenfreuden werden im Restaurant des Schlosses serviert: Die Köchin Fabiana stammt aus dem Salento – ihre Leidenschaft gilt der traditionellen Cucina Salentina – und ihre täglichen Menüs verfeinert sie mit Zitrusfrüchten, Granatäpfeln und frischen Kräutern aus dem eigenen Anbau. Am liebsten verwendet sie für ihre klassische apulische Cuisine saisonale, lokale Produkte. In den beiden grosszügigen Speisesälen werden die Gerichte serviert, darüber hinaus verfügt das Haus über ein Klavierzimmer mit Bar, zwei Lounges, ein Kino und eine Business-Suite. Romantisch ist es auf der grossen Dachterrasse des Schlosses: Hier lassen sich spektakuläre Sonnenuntergänge bestaunen und der Ausblick auf die herrliche Parklandschaft mit den Zitronen- und Olivenhainen ist tatsächlich märchenhaft. 

Sorgfältig wurde das Schloss restauriert, nachdem es ein Jahrhundert lang dem Verfall ausgesetzt war. Die einzigartigen Keramikfliesen auf den Böden zeugen von der Geschichte des Orts. 

Ort der Ruhe: Der Aperitif wird täglich auf der Dachterrasse serviert, von hier oben öffnet sich der Blick über die riesige Parklandschaft, die das Schloss umgibt.

Handverlesen ist die Mischung aus antiken und modernen Designermöbeln, dem stilvollen, opulenten Interieur und der atmosphärischen Beleuchtung, die zusammen die luxuriöse Atmosphäre kreieren. 

Selten fallen die Temperaturen in Apulien unter 10 °C, mit ein wenig Glück erwärmt sich die Luft und ist wohltuend frühlingshaft. Und bedeckt doch mal eine dünne Schneeschicht die Landschaft, lässt sich die Zeit im warmen Pool, am Kamin oder der freistehenden Badewanne geniessen.

Nicht nur das Schloss ist bezaubernd – auch die Kunst im Castle Elvira zieht alle Blicke auf sich. Künstler Harvey B-Brown arbeitet in seinem Atelier vor Ort und lässt sich vom zauberhaften Flair des Schlosses inspirieren.  

Ultimatives Luxus-Erlebnis: Wenige Kilometer von Lecce in Apulien entfernt empfängt das exklusive und designorientierte Anwesen Castle Elvira seine Gäste.

Photos Copyrights: Castle Elvira

Adam’s Bucket List

Duchardt
Frischer Wind in der Wiener Spitzengastronomie. Das 2-Hauben-Restaurant Walter Bauer, im 1. Bezirk in Wien, wurde  jetzt von Marcus Duchardt, seines Zeichens Haubenkoch mit deutsch/französischen Wurzeln, übernommen. Sein Credo: „Das Beste von heimischen Wäldern bis ins offene Meer. Kochkunst auf höchstem Niveau, zeitgemäss interpretiert.“

www.duchardt.at

Skin’s
Der Geschmack, der für sie zählt, wurde mit zwei Sternen verfeinert. Kevin 
Romes und Pascal Hobler stehen für reduzierte Küche, filigranes Handwerk und neu interpretierte Tradition.

www.skins-restaurant.ch

Lucide
Michèle Meier versteht es, die besten Produkte innovativ zu interpretieren und liebevoll zuzubereiten. Inspirierende frische und zugleich unverfälschte Küche wartet auf den Gourmet

www.lucide-luzern.ch

Magdalena
Jung, talentiert und selbstbewusst. Die Produkte stammen mehrheitlich aus der Umgebung, vieles sogar aus Rickenbach selbst.
Dominik Hartmann und sein Team überraschen und zaubern die Region schmackhaft auf die Teller der Gäste.

www.restaurant-magdalena.ch

Fotos: © Peter Schuhböck, donagrafik.com, Skin’s, Lucide, Magdalena