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Call Me Adam

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Das Universum schweigt!

Anschauungen eines Katers

Wie immer, wenn in meinem Leben etwas so gar nicht im Lot ist, sitze ich am Fenster unserer noblen Luxusliegenschaft und starre fragend in den Sternenhimmel. Was ist mit der Welt los? Was geht hier ab? Doch ausser einem atemberaubenden Sternenrausch hat das Himmelszelt keine Antwort auf die Fragen eines Sinn suchenden Katers.

Wer versalzt mir die Suppe und hinterlässt bittere Geschmacksnoten in meinem bisher so privilegierten Leben. Wo ist das schöne, unbeschwerte Leben geblieben? Wo? Die Menschheit ist gespalten in Gut und Böse, Schwarz und Weiss, laut und stumm, Arbeitswillige und -suchende, Raser:innen und Bremser:innen, Impfbefürworter:innen und -gegner:innen. Es gibt kein Dazwischen mehr, es fehlen die Schattierungen, die Zwischentöne. Kann man sie überhaupt noch erkennen, die Grautöne in unserer Gesellschaft? Seit zwei Jahren zwingt uns eine Pandemie in die Knie, die Wirtschaft liegt am Boden und erholt sich nur langsam. Nach wie vor bestimmen Viren und immer noch Masken, mit zwischenzeitlich nervenden Regeln und menschlichen Tragödien, unseren Alltag. Politikverdrossenheit greift um sich. Ein Skandal jagt den anderen. Das Vertrauen in unsere Volksvertreter ist nahezu bei null, wenn die Um- fragen nicht stimmen, werden sie frisiert, verbogen oder mit falschen Bewertungen verschönert. Urwälder brennen, die Weltmeere ersticken im Plastikmüll, die Polkappen schmelzen und täglich sterben über hundert Tierarten unwiederbringlich aus, weil Profit- und Machtgier um sich greifen.

Was ist mit der Menschheit passiert? Was war der Auslöser? Welches Chromosom fehlt? Die Welt wird untergehen, wenn der Menschheit das Vertrauen fehlt, dass sie auch morgen noch lebenswert ist. Wie können wir die Kurve kratzen und was hält die Welt wirklich noch am Laufen und was bringt den Puls wieder zum Schlagen? Ich suche in den Himmel starrend nach Antworten, aber das Universum schweigt. Stille. Pure Stille. Plötzlich nehme ich im Garten ein zartes Rascheln wahr. Ich sehe einen magischen Schatten an der Mauer, der schnell aus meinem Augenkegel verschwindet. Leises, vorsichtiges Vorantasten im herbstlich feuchten Laub. Fast schon glaube ich, dass ich mich geirrt habe, da dringt ein sanfter, aber unglaublich betörender Duft zu meiner Nase empor und steigert sich zu einem Geruchsorkan, der eindeutig und doch schwer zuordenbar ist. Meine Schnurrhaare vibrieren, meine Lauscher sind auf Empfang gestellt, der Schwanz peitscht unaufhörlich hin und her. Was passiert hier? Ich bin hellwach und doch einer betörenden Ohnmacht nahe. Ist das die Antwort des Universums oder ein Zeichen vom Kosmos? Da kriecht langsam der Mond über die Dachkante und ein Lichtstrahl fällt in den nächtlichen Garten. Dann sehe ich sie. Sie sitzt wie eine Madonna aufrecht auf der Steinmauer, elegant, engelsgleich und gar nicht versteckt, im Lichtkegel des Mondes. Unerträglich langsam dreht sie den Kopf und sieht mich mit einem sanften Augenaufschlag direkt an. Ihr Blick hält mir stand. Sie erhebt sich und dreht sich langsam zur Dunkelheit des Gartens. «Nein nicht weggehen», schreit jede Faser meines Körpers, doch meine Stimme bleibt stumm. Sie dreht sich noch einmal um, blickt herausfordernd und in Sekundenbruchteilen ist der Spuk vorbei. Wie ein Bann fällt die Schockstarre von mir ab. Ich strecke meinen Kopf durch die Katzenklappe der Terrassentür, daraus wird ein kühner, aber eleganter Hechtsprung, tauche in die Finsternis ein und folge der Duftspur, die mir den Weg zum einzigen weist, was die Welt weiterdrehen lässt. Nämlich Liebe. Vielleicht wird die Welt untergehen – irgendwann – aber heute Nacht noch nicht! Miauuuu!

*) In meinen Erzählungen spreche ich natürlich alle Geschlechter an (m/d/w).

 

Illustrationen Copyrights: Adam´s Tomcat, Manuela Dona

Clueso

„Ich finde es hier sehr geil.“ Clueso beim Einchecken im „Hotel California“

Popstar Clueso (41), der durch seine Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg und den Fantastischen Vier einem breiten Publikum bekannt wurde, über sein James-Bond-„Album“, das Formatieren seiner Festplatte, seinen Blick auf Zürich und die Vorliebe fürs Chillen in der Badewanne.

Sie bezeichnen «Album» als das Resultat Ihrer Ambition, einen eigenen James Bond zu machen. Welcher Hauptdarsteller war Ihr Favorit, bevor Sie kamen?
(Lacht) Ich wollte mit dieser Ansage ausdrücken, dass ich einen musikalischen Blockbuster machen wollte, der – wie ein Bond-Film – für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Ich finde Sean Connery immer noch den Coolsten aller Bonds. Roger Moore war auch cool, aber er hatte immer etwas von einem Opi, der Girls «begrabscht». In den alten Bond-Streifen gab es noch andere Sachen, die heute NoGos wären.

Welches sind die Action- und welches die Liebesszenen auf «Album»?
Da muss ich erstmal drüber nachdenken… «Leider Berlin» und «Flugmodus» sorgen für Action. Wir haben gerade das grösste Live-Konzert in Deutschland gespielt, 7’000 Leute waren da. Ohne Maske. 2G oder 3G? Ich weiss immer nicht, was was ist. (Lacht) Jedenfalls habe ich dort gemerkt, dass die Songs tierisch abgehen. Die Liebesszenen fangen mit «Sehnsucht …» an. Ich finde es eine schöne Geschichte, dass man beim Chatten über eine App ein Gefühl erzeugen kann, obwohl sämtliche Sinne aussen vor sind. Aber so verknallt man sich 2021. Der heftigste Moment ist «Alles zu seiner Zeit». Ich habe den Song zwar selber geschrieben, kann aber nicht sagen, wann mir was passiert ist. Ich habe für den Text auch nur zwanzig Minuten gebraucht.

Viele Hits werden schnell geschrieben …
Das ist eine Legende, aber sie stimmt! Nachher schaute ich an die Wand und dachte: «Cool, dass ich dabei war!» (Schmunzelt) Wenn ich das Lied jetzt singe, sind die Leute total Ohr. Ich mag das sehr. Es ist die einzige elegische Ballade auf dem Album. Die Frage «Was wäre, wenn …» beschäftigt mich, weil ich in meinem Beruf so viele Menschen kennenlerne. Jeder könnte ein Freund oder Freundin werden.

Mit «Flugmodus» und «37 Grad im Paradies», den ersten Songs des Albums, hebt man ab. «Hotel California» handelt dann wie der gleichnamige EaglesTitel eher von der dunklen Seite des amerikanischen Traums.
Das entspricht dem, was ich im Musikbusiness erlebt habe, seitdem ich 19 bin und einen Plattendeal erhielt. Ich habe alles angeboten bekommen, was es an Betäubungs- und Aufputschmitteln so gibt, auch von Leuten, die wohl dachten: «Jetzt mach ich mal den Clüsen platt!» (Lacht) Glücklicherweise habe ich als Kind mal Tabletten gefunden und gefressen. Danach ging’s mir so mies, dass ich von allem die Finger gelassen habe, ausser vom Kiffen und vom Alkohol.

Ab und zu die Festplatte neu zu formatieren, nehme ich mir sogar vor. Sonst habe ich jedoch immer die Kontrolle behalten.

Alles andere könnte einem ja auch die Karriere kosten, oder mehr.
Grundsätzlich finde ich jedoch beides faszinierend: Wenn jemand verbrennt wie Jim Morrison und wenn jemand mit sich im Einklang ist wie Sting. In Los Angeles bin ich in Studios gekommen, wo zwanzig Rapper in den Gesangskabinen hingen und auf dem Tisch vierzig Hustensaftflaschen standen. Die Typen waren kaum ansprechbar. Hauptsächlich geht es in dem Lied jedoch darum, dass es, wenn man angeschossen ist, etwa nach dem Ende einer Beziehung, ein bisschen Zerstreuung braucht. Dann checkt man im «Hotel California» ein.

In «Punkt und Komma» realisieren Sie in der Ferne, dass Ihre Liebesgeschichte zu Hause auserzählt ist. In «Alles zu seiner Zeit» singen Sie, dass Sie noch kein Liebeslied geschrieben haben, das gut ausgeht». Wie gehen Sie damit um?
Ich bin viel unterwegs und meine erste Liebe ist die Musik. Das ist schon mal schwierig. Ich verstehe aber, dass es die Leute wahnsinnig interessiert, was in meinem Privatleben passiert. Ich versuche es jedoch zu schützen. Ich rede wenig darüber, verarbeite es lieber in meinen Liedern. Die Besten sind meistens autobiografisch, weil einen das Erzählte dann am stärksten berührt. Ausserdem finde ich Beziehungen, die nicht funktionieren, interessanter. Beim Musikmachen liebe ich die Melancholie extrem!

Sie geben am 31. Januar 2022 ein Konzert im Volkshaus. Wie gut kennen Sie Zürich?
Ein bisschen. Ich muss immer noch rumgeführt werden. Die ersten Konzerte gab ich im Kaufleuten. Wir waren sehr hin- und hergerissen, weil wir eine sehr alternative Clique waren und mit dem Schickimicki von Zürich erst mal klarkommen mussten. Dann hat man uns die Club-Szene gezeigt, die uns als Thüringer doch ein wenig überrascht hat. Das ist nun bestimmt 15 Jahre her. Ich finde es hier sehr geil und habe es mir zum Ende meiner Promotour eingerichtet, dass ich zwei, drei Tage anhängen und ein bisschen am See spazieren gehen konnte. Ich hatte es nötig, denn die Monate zuvor waren Schraubstock.

Wie geniessen Sie Ihre Freizeit sonst noch?
Wenn ich im Hotelzimmer eine Badewanne sehe, muss ich mich da reinlegen. Es kann auch morgens sein! Dann schalte ich alte Serien ein wie «Star Trek», wo es mir nur um die Stimmung geht und ich nicht hingucken muss, oder ich lasse Musik laufen. Ich gehe auch gerne in die Sauna. Ich habe mir sogar eine ins Studio einbauen lassen, da es mir peinlich ist, wenn Leute mich erkennen und «Cello» hinterherrufen. Oder ich nehme eine Gitarre und dudle vor mich hin. Für niemanden. Die Musik verliert sich im Nichts. Das ist pure Entspannung.

Fotos: Sony Music

Zero Waste

Nachhaltigkeit im Futternapf

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie nachhaltig der Besitz einer Katze ist? Nein? Ich auch nicht. Es ist mir einfach Schnurz-piep-egal! Weil es für mich einfach nicht in Frage kommt, einer Katze in unserem gediegenen Männerhaushalt Zutritt zu gestatten.

Im Moment ist das Halten eines Haustieres ja grad zum Volkssport mutiert. Denkt denn keiner auch nur eine Sekunde an die Folgen? Jetzt sitzen Mama, Papa und Kind(er) schon im Homeoffice und mit Homeschooling in der Wohnung fest und dann holen sie sich auch noch ein haarendes, ständig fressendes und alles zerkratzendes Katzenvieh in ihr intimes Universum.

Ja, und wer bekommt das Tier nach einer Trennung? Wegen Haustieren sind schon Kriege ausgetragen worden, denn sobald die Liebe schwindet, stürzt sich jeder auf das Verbliebene, um sich am Partner zu rächen. Da kommt einem halbwegs intelligenten Kriegsherrn, ein so emotionales Beutestück wie eine Katze doch gerade recht. Wie ich sage, es wird nicht an die Folgen gedacht. Nur aus einer Laune heraus werden Haustiere gehortet. Die Menschheit leidet offensichtlich nicht nur unter der Corona-Pandemie, sondern auch an einer extrem ansteckenden Amnesie-Mutation.

Aber ich schweife ab.  Auch wenn die positive Ökobilanz einer Katze mich nie betreffen wird, hatte ich vor kurzem mit Adam, meinem Dosenöffner, eine hitzige Diskussion über Katzenfutter-Alutassen. Ich hasse diese Dinger. Dieses eklige Zeug würde ich meinem durchtrainierten Body nie zumuten, ich bleibe da lieber bei meinem frischen Lachs und dem gut gereiften Dry-Aged-Beef, aber auch ich habe schon einmal an so einer Dose gerochen und abgesehen vom erbärmlichen Gestank, kann eine Alutasse einfach nicht nachhaltig sein. Zero Waste ist doch angeblich der Trend der Saison und selbst dem Dummsten ist klar, dass Alutassen, Blechdosen, Katzenstreu, Nerzshampoo, Fellmäuse alles andere als Zero Waste sind. An das Monstrum Katzenklo will ich gar nicht denken – Igitt!!!

Und Kratzbäume? Ich kriege Krallenpest, wenn ich an die mehrere Quadratmeter verschlingenden Konstrukte aus Sisalschnur-umwickelten und mit Flauschteppich überzogenen Monstren denke, die in den Wohnzimmern errichtet werden, während die Katze im Bett, dem Wäschekorb oder im Amazon-Karton ihr Nickerchen hält und sich die Krallen am Wohnzimmersessel oder der Seidentapete schärft.

Nein, die Welt muss aufwachen und vor diesen sinnlosen Geld- und Ressourcenfressenden Monstern und der dazugehörenden Industrie geschützt werden!

Genau so dachte ich vor 2 Stunden noch, da kam Adam mit der kleinen Kitty auf dem Arm in unsere Tip-Top-gepflegte Upperclass-Villa. Kaum hatten die zarten Pfötchen des 12 Wochen alten, zuckersüssen Fellknäuels den Boden betreten, wirbelte sie wie ein Tsunami unseren gemächlichen Männerhaushalt durcheinander und brachte meine erstrittene Meinung über die Nachhaltigkeit von Katzen fulminant zum Einsturz. Nur ein Kater mit einem Herz aus Stein hätte solchen treuherzigen Augen widerstehen können? Nun mache ich grad Platz in den Schränken für eine Armada an Leckerlis, Katzenbabymilch und Spielzeug. Da fällt mir ein, ich muss den Tischler wegen des Kratzbaums anrufen!

Leute, vergesst nie – Nachhaltigkeit geht uns alle an!

Illustrationen Copyrights: Adam´s Tomcat, Manuela Dona

Side Notes

Skorpione können 200 mal mehr RADIOAKTIVITÄT ertragen als Menschen.

Las Vegas verbraucht SO VIEL STROM wie das gesamte Land PERU!

Der Grönlandhai (auch Eishai genannt) ist das Wirbeltier mit der höchsten Lebenserwartung. Er kann schätzungsweise bis zu 400 Jahre alt werden. Im Tierreich wird dieses hohe Alter nur durch die Islandmuschel (über 500 Jahre alt) und der antarktische Riesenschwamm (ca. 10.000 Jahre alt) übertroffen.

„Der Yellofier ist einer meiner besten Freunde“

Seit rund vierzig Jahren stehen der akribische Studio-Perfektionist Boris Blank und der geniale Improvisations-Bohemien Dieter Meier für elektronische Soundlandschaften mit Charme und Charisma. Mit ADAM The Magazine sprachen die beiden Yello-Charaktere über die ersten Konzerte, den Kollaps des Kapitalismus und ihr knackiges Album „Point“.

Sie nennen Ihr aktuelles Album „Point“ – und nicht „Comma“. Machen Sie nach 41 Jahren einen Punkt hinter die Karriere von Yello?
Dieter Meier: Nein, für mich ist es The Point of Yello. Wie ein Scheinwerfer, fokussiert auf Yello.
Boris Blank: Oder The Point of no return. Wir sind an einem Punkt, wo wir nicht mehr zurückkönnen. Es geht immer weiter.

Wie sind Sie auf „Point“ gekommen?
Blank: Wir haben immer Dutzende von Ideen für einen Albumtitel. Die Wahl ist ein sehr schwieriger Prozess. Er darf nicht blöd klingen und muss Swing drin haben. Dieter hat mich aus Buenos Aires angerufen und gefragt: „Boris, hast du Zeit? Ich habe einen Titel für das Album: Point Yello“ (schnippt mit den Fingern). Und ich sagte: „That’s it. Der klingt.“ Es gibt Brennpunkte, Mittelpunkte und Treffpunkte – und nun gibt es auch den Yello-Punkt.

Ist diese Einigkeit typisch für Yello?
Meier: Wir diskutieren viel, sind aber keine Eigenbrödler, sondern erpicht, einen Konsens zu finden. In allem! Sonst könnte man das gar nicht machen, über vierzig Jahre lang.
Blank: Wenn es mal Reibereien gibt, nutzen wir unsere Erfahrungswerte, um sie frühzeitig abzufedern. Zum Schluss einigen wir uns immer auf etwas, das geil ist, an dem wir beide Freude haben. Das war zwar früher schon so, aber jetzt ist vielleicht etwas Altersmilde dazugekommen.

Ist die klare Aufgabenteilung bei Yello ein Vorteil?
Meier: Es geht nur so. Boris liebt es, jahrelang im Studio zu tüfteln und an fünfzig Klangbildern gleichzeitig zu malen. Ich habe sehr viele andere Sachen am Laufen und deswegen kein Problem damit, wenn ich mal dreieinhalb Jahre nichts von ihm höre. (schmunzelt)

Sind Sie nicht neugierig?
Meier: Schon, aber es ist ganz gefährlich, in einen laufenden Prozess reinzuhören und reinzureden, denn es könnte deinen Partner in seinem schöpferischen Akt verunsichern, bei dem er sich eh auf einem unbekannten Terrain vorantastet. Aus diesem Grund ist es für mich immer ein magischer Moment, wenn ich zugelassen werde. Speziell ist bei uns auch, dass ich in den letzten vier Jahren nur etwa 6 Wochen im Studio war und Boris vielleicht 220 … Das ist der kleine Unterschied.

„Point“ ist das erste Album, seitdem Yello Konzerte gegeben hat. Hat Sie diese Live-Erfahrung inspiriert?
Blank: Überhaupt nicht! Wie Dieter schon sagte, bei mir liegen Dutzende von Stücken halbfertig herum. Sie warten schon lange nur darauf, animiert oder reanimiert zu werden.

Sie sollen aber gesagt haben, dass Sie schon früher aufgetreten wären, wenn Sie gewusst hätten, wie viel Spass das macht?
Blank: Wir haben die Konzerte jetzt gegeben, weil wir dachten, man muss das machen, solange man jung ist. Yello ist eine junge Live-Band. Wir haben noch sehr viel vor. Vielleicht sogar eine richtige Tournee, bei der keine Instrumente mehr auf der Bühne stehen werden, wir aber ein audiovisuelles 360-Grad-Rundumerlebnis bieten. Viele haben eh gesagt, eigentlich müsst ihr gar nicht so viele Musiker auf der Bühne haben. Es reicht, wenn ihr dort steht. Ich wollte jedoch bei unserer Premiere keinen Fake wie bei den Pet Shop Boys, wo Chris Lowe mit seinem Laptop nur so tat, als würde er Musik machen. Die Leute sollten unsere Bläser erleben. Ich kann mir aber auch andere Konzepte vorstellen.

Das klingt sehr analytisch und kontrolliert. Welche Emotionen haben Sie erlebt?
Blank: Es hat sehr lange gedauert, bis Dieter einen Eremiten wie mich motivieren konnte, sich aus seiner Klause heraus auf eine Bühne zu wagen. Ich fürchtete, dass wir etwas vorgeben, was wir nicht sind. Beim ersten Konzert haben mir noch die Knie geschlottert, doch dann spürte ich, wie wohl sich Dieter auf der Bühne fühlt und wie die Leute uns mögen. Diese positive Energie hat mich extrem beeindruckt.
Meier: Wenn ich mit meiner Band Out of Chaos auf die Bühne gegangen bin, ist der Name Programm. Da habe ich viel mehr Freiheiten. Da kann ich einen Refrain zweimal singen und die Musiker darauf reagieren. Bei Yello ist alles auf die Zehntelsekunde ausgemessen. Du kannst nicht improvisieren, nichts ist spontan. Das hat auch seinen Reiz, aber ich hoffe, dass wir auf der nächsten Tournee spontaner werden können. Der Yellofier, diese wundervolle App, die Boris erfunden hat und selbst Laien ermöglicht, faszinierende Stücke zu komponieren, kann auch uns beflügeln.

Wie ist die fröhliche Single „Waba Duba“ entstanden?
Blank: Da war tatsächlich der Yellofier mit im Spiel. Er ist einer meiner besten Freunde. Ich habe ihn immer bei mir. Wenn ich mit dem Hund im Wald unterwegs bin, experimentiere ich mit den Vokalen und nehme das gleich auf. Ich kann da witzige Zufallsgeneratoren verwenden. Bei „Out Of Sight“ habe ich aufgenommen, wie meine Frau Patrizia in der Küche beim Kochen geschwärmt hat: „Che belle, belle, belle!“

Täusche ich mich oder gibt es in „Waba Duba“ ein „The Race“-Zitat?
Blank: Das höre ich nicht zum ersten Mal. Das Bariton-Saxophon ist einer der signifikantesten Sounds im Repertoire von Yello. Ich verwende ihn öfters, weil ich ihn unheimlich mag.

„Way Down“ klingt ungewohnt entspannt, swingend und funky zugleich …
Blank: Ja, dieser Electro-Reggae hat wirklich viele Einflüsse. Ich weiss auch nicht weshalb. Als ich Dieter die Demoversion schickte, meinte er, wir müssten nur noch seine Vocals aufnehmen, da meine Stimme allein zu dünn ist. Die Texte sind total dadaistisch.
Wie heisst es noch darin? „Bring that beef back home“?
Meier: Was singst du da? „Bring that beat back home!“ (sie amüsieren sich)

Das flirrende, hypnotische Gegenstück ist „Insane“. Eine Hymne auf die Verrücktheit?
(Beide äussern, dass sie nicht wissen, um welchen der zwölf Songs es sich dabei handelt)
Blank: Dieter weiss eben auch nicht immer, was er singt. Er hat eine schöne Formulierung dafür: „Die Inspiration fliegt mir zu, und wenn der Song aufgenommen ist, fliegt sie weiter.“

Wie wichtig sind die Sehnsucht nach grosser Liebe und heisser Erotik als Triebfeder Ihres musikalischen Schaffens?
Meier: Wo sehen Sie Erotik?

In „Hot Pan“ …
Blank: Aha.
Meier: Interessant. Das habe ich überhaupt nicht so gesehen.
Blank: Haben Sie einen Psychiater? (sie lachen)

Der Song hat einen pulsierenden Rhythmus und Sie singen von „hardcore“ und „shakin’ my body upside down“. Überbordet da wirklich meine Phantasie?
Blank: Überhaupt nicht. Manchmal schreiben Kritiker – ich weiss nicht, ob das Frauen sind – was für eine erotische Stimme Dieter hätte. Jemand schrieb gar, man würde schwanger, wenn man ihn hören würde.
Meier: Ist das wahr???

Haben Sie nie Musik gemacht, um Frauen zu gefallen?
Meier: Nein, nein, nein! Das war nie unser Impuls und wir hatten auch nie Groupies.

Dafür haben Sie beide so lange Beziehungen wie nur wenige Stars im Musikbusiness. Was ist Ihr „Geheimnis“?
Meier: Unsere Frauen haben ihre eigenen Ideen und erfüllen sie sich selbst. Selbstständigkeit muss gewährleistet sein. Wenn meine Frau und ich uns sehen, haben wir viel zu erzählen. Dieser Austausch ist sehr bereichernd.

Wollen Sie sich in Zukunft mehr Zeit nehmen, um Dinge mit Ihren Partnerinnen gemeinsam zu tun?
Meier: Ich nicht. Ich entwickle Sachen mit anderen Leuten, aber ich habe unendlich viel Zeit. Was ich mache, landwirtschaftlich oder önologisch, ist für mich ein Vergnügen. Daher habe ich keinen Stress. Und meine Frau hat die Verantwortung für ihre Firma enSoie unseren drei Töchtern übergeben und sich fast ganz ins Privatleben zurückgezogen.

Wagen Sie als musikalische Visionäre auch eine Prognose, an welchem „Point“ von Corona wir stehen und wohin uns die Entwicklung noch führen wird?
Meier: Ich bin davon überzeugt, dass sich die Welt – wenn das Problem medizinisch gelöst ist, und das scheint kein Hexenwerk zu sein – wieder wie vorher drehen wird. Und das wäre nicht nur gut. Der kapitalistische Irrsinn wird weitergehen.
Blank: Das hoffe ich nicht!
Meier: Ich auch nicht, aber der einzige Zweck des Systems ist die Rentabilität des Kapitals. Die Verbrennung von Öl und Kohle hat schlimme Folgen, die Verschmutzung der Meere und der rücksichtslose Umgang mit Tieren. Hinzu kommen die Milliarden-Schulden, welche die Staaten angehäuft haben. Da steht uns ein totaler Kollaps bevor. Das System wird sich aber erst ändern, wenn wir keine Luft mehr bekommen.

Yello wurde 1979 vom avantgardistischen Sprachkünstler Dieter Meier (Gesang) und den Techno-Pionieren Boris Blank und Carlos Péron (Synthesizer) gegründet. Mit der Single „Bostich“ hatten die Zürcher sogar in New York einen Club-Hit. Als Duo starteten sie ihre erfolgreichste Zeit mit dem vierten Album „Stella“ sowie den Auskoppelungen „Desire“ und „Vicious Games“. Ende der Achtzigerjahre folgten ihre Gänsehaut-Ballade „The Rhythm Divine“ mit Gastsängerin Shirley Bassey und das ikonographische „The Race“. Da Soundtüftler Blank lange bezweifelte, dass sich seine Musik live adäquat reproduzieren lässt, gibt Yello erst seit 2016 Konzerte. Das aktuelle Album „Point“ trägt die unverwechselbare Handschrift der beiden Technolegenden. Die Songs sind unkonventionell und der Sound ist brillant.

Photos Copyrights: Universal Music

Side Notes

BIS ZU 75 METER TUNNEL kann ein Maulwurf in einer Nacht graben.

Fidel Castro hat 10 amerikanische Präsidenten erlebt!

Christoph Kolumbus beschrieb Meerjungfrauen als fettleibig und hässlich. Historiker vermuten, dass er damit die zu dieser Zeit in Europa unbekannte Seekuh meinte.

Die Fingerabdrücke von KOALABÄREN sind nur unter dem Mikroskop von menschlichen FINGERABDRÜCKEN zu unterscheiden!

MONA LISA hat keine Augenbrauen.

EINE PFERDESTÄRKE bezeichnet die Leistung, die benötigt wird, um in 1 Sekunde 1 kg 75 Zentimeter anzuheben. Ein durchschnittliches Pferd leistet ca. 24 PS.

FRAUENHERZEN schlagen schneller als MÄNNERHERZEN.

Goodbye my friend!

Tage des Abschieds

Tränen fliessen über meine Wangen, während ein herzzerreissender, allen Schmerz dieser Welt beinhaltender Schluchzer lähmend langsam meine Brust hochkriecht und ich ihn schliesslich qualvoll in die Welt hinauspresse. Aufdringlich klopft mein tausendfach gebrochenes Herz in meiner Brust, dabei war ich mir 1’000%ig sicher, dass es zu Stein geworden war.

Auch Wochen nach deiner Naturbestattung fragte ich mich, wie das Leben weitergehen soll. Lenny, wie konnte das nur passieren? Wo bist du jetzt?

Durch meinen Kopf rasen die herrlichsten Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit, testosteronschwangere Revierkämpfe, lange Nächte, Autorennen und prickelnde Frauengeschichten. Unsere Freundschaft war so besonders, voll gegenseitigem, bedingungslosem Vertrauen. Wir haben das Leben genossen, gegen uns kam niemand an. Wie oft haben wir meinem Dosenöffner Adam gezeigt, zu was ein richtiger Kater fähig ist. Wir haben in den Wind gelacht, eine tiefe Brise vom Lavendel inhaliert und uns Dreamies durch die Nase gezogen. Mit dir war das Leben so herrlich unkompliziert.

Und nun? Wie in Zeitlupe vergingen meine Tage. Adam bemühte sich redlich mich abzulenken, aber was hilft der Gedanke, dass du nun der hellste Stern am Himmel bist, wenn Tränen meinen Blick vernebeln und du mir so sehr fehlst?

Hin und wieder setzte ich mich an den Computer und wollte Trost in Portalen zur Trauerbewältigung suchen, doch allein das Geräusch des hochstartenden Computers brachte mich aus der Fassung. Schliesslich setzte ich mich wie in Trance an den Tisch und schrieb mir meinen Schmerz über deinen Verlust mit einer Füllfeder von der Seele. Als ich unsere Geschichte fertig aufgeschrieben hatte, band ich eine schwarze Satinschleife rundherum, legte mich auf das Sofa und fiel in einen tiefen, alles zudeckenden Dornröschenschlaf.

Als ich wieder aufwachte, mussten Tage vergangen sein, denn ich versuchte mich erst zu orientieren, hatte unerträglichen Mundgeruch und mein Magen knurrte gewaltig. So plünderte ich, wie in alten Zeiten, den Kühlschrank, nahm ein gediegenes Schaumbad und putzte mir die Beisserchen. Kaum zu glauben, aber ich fühlte mich besser. Nun wollte ich das Ding zu Ende bringen und meine Trauer rituell in einem gigantischen Feuer verbrennen. Erst dann würde ich mich endlich wieder mit neuem Fokus auf die Zukunft konzentrieren können. Ich würde unsere zu Papier gebrachten Geschichten zu einem Verlag senden und dieser würde mir den Bestseller aus den Händen reissen.

Dass es dann doch etwas anders kam, war der Tatsache geschuldet, dass ich in meinen Schilderungen meinen Dosenöffner nicht gerade gut wegkommen liess. Irgendwann als ich schlief, fand er wohl den Text und warf ihn schliesslich wutentbrannt von der Terrasse, über meinen Kopf, in das gigantische Lagerfeuer im Garten. Ich war fassungslos! Erneut entkam meiner Kehle ein herzzerreissender Schrei, doch diesmal war es Wut und diese liess ich kaltblütig an meinem Dosenöffner aus. Als er Tage später aus dem Krankenhaus nach Hause kam, hatte ich das Diktaphon bereits besprochen und er durfte sich mit seinem Adleraugensuchsystem daran machen, mein Buch in den Computer tippen.

Der Tod ist der Horizont unseres Lebens, aber der Horizont ist nur das Ende unserer Sicht. Ich hatte endlich die Kurve gekratzt, ich war fast wieder der Alte und mein Blick ging wieder nach vorne! Alter Kumpel, du bleibst unvergessen in meinem Herzen und den Bestseller widme ich dir, versprochen!

 

Illustration Copyrights: Manuela Dona

Pasquale Aleardi

Multitalent & Träumer
Der Zürcher singt in Clubs und am Broadway

Pasquale Aleardi (48) lebt seine Passion für Schauspielerei und Musik in vollen Zügen aus. Er verkörpert Kommissar Dupin in der gleichnamigen TV-Reihe, tourt mit der Band die Phonauten durch die Clubs und ist einer der Hauptdarsteller im ersten Cirque-du-soleil-Musical „Paramour“.

Multitalent Pasquale Aleardi ist in seiner Heimatstadt Zürich, weil er auf der Tournee mit seiner Band, den mit Funk, Soul und Pop gute Laune verbreitenden Phonauten, auch zwei Konzerte in der Schweiz geben wollte. Da dies von der Lungenentzündung eines Mitmusikers verhindert wurde, nutzen Ehefrau Petra Auer (35) und er mit ihren Söhnen Leonardo (3) und Armando (1) die Gelegenheit, um Verwandte und Freunde zu besuchen. Das Paar hat sich in der Wahlheimat Berlin gefunden, wohin sie und er wegen der Schauspielerei gezogen waren.

«An einer Geburtstagsparty hörte ich, wie eine Frau mit Bündner Akzent sprach, was sofort meine Aufmerksamkeit erregte, da ich sehr auf diesen Dialekt stehe», erinnert er sich. «Ihr Aussehen und ihre herzliche Ausstrahlung haben mich dann endgültig umgehauen.» Seitdem sie Eltern sind, tritt Auer schauspielerisch kürzer, was Aleardi ermöglicht, seine verschiedenen Talente weiterhin erfolgreich auszuleben und damit die Familie zu ernähren. Da sein Vater aus Italien und seine Mutter aus Griechenland stammten und er vor allem in Deutschland arbeitet, ist dabei wohl nur wenigen Zuschauern bewusst, dass es sich bei diesem Protagonisten um einen Schweizer handelt.

In den Handel und die Produktion von kulinarischen Spezialitäten der Emigrantenfamilie einzusteigen, zog Aleardi nie in Betracht. «Als Bub faszinierte mich, dass es Menschen gab, die sich klein machen und in Fernsehapparate hineinschlüpfen konnten», erzählt er, wie er sich für die Schauspielerei zu begeistern begann. «Und später wollte ich wie «Starsky & Hutch» den ganzen Tag im Polizeiauto herumfahren können!» Mit 11 begann er Klavier, später Schülertheater zu spielen und absolvierte schliesslich die Schauspielakademie Zürich.

Nachdem sich Aleardi seine Sporen an deutschen Theatern abverdient und in Kino- und TV-Produktionen neben Stars wie Til Schweiger, Heike Makatsch und Veronica Ferres gespielt und im Swissair-Drama «Grounding» Copilot war, bekam er vor allem ab dem Mehrteiler «Schicksalsjahre» (2011, mit Maria Furtwängler) tragende Rollen. Die auf Krimi-Bestsellern basierende Serie um den spleenigen Kommissar Dupin hat sich schon in über 40 Ländern verkauft und den Bretagne-Tourismus angekurbelt. Für den Anführer der Tunnelbauer in der Koproduktion «Gotthard» erhielt Aleardi den Schweizer Fernsehfilmpreis. Und in der hochkarätig besetzten Verfilmung des Udo-Jürgens-Musicals «Ich war noch niemals in New York» verkörpert er den schwulen Bordzauberer Costa.

Seinen Adelsschlag als Musical-Darsteller bekam Aleardi schon 2015, als er nach einer Saison «Chicago» in Stuttgart auch noch berufen wurde, den Anwalt Billy Flynn auf Englisch am Broadway zu singen. Für ihn war damit klar: Mehr geht nicht. Doch es ergab sich etwas Anderes, das ihm emotional noch mehr bedeutet. «Als ich anfangs der Neunzigerjahre in Paris erstmals eine Show des Cirque Du Soleil live sah, weckte dies in mir den verrückten Traum, eines Tages darin mitzuwirken, obwohl ich überhaupt kein artistisches Talent habe», verrät Aleardi schmunzelnd. Tatsächlich wurde ihm Ende 2018 die Hauptrolle des Regisseurs AJ Golden in der ersten europäischen Cirque Du Soleil Musical-Produktion «Paramour» angeboten. «Musikalisch, tänzerisch und artistisch ist sie so spektakulär, dass ich im Frühling nochmals zwei Monate in Hamburg anhänge.»

Seine Familie, die ihn meistens begleitet, zieht mit ihm danach voraussichtlich zum nächsten Dupin-Dreh. Für sie ist das keine Hexerei mehr. «Wir sind sehr effizient geworden und nehmen nur noch das Nötigste mit», betont Aleardi stolz. Drei Koffer. Das ist befreiend!»

„Kommissar Dupin – Bretonisches Vermächtnis“ wurde im Juni 2020 in der ARD ausgestrahlt.

Pasquale Aleardi singt im Cirque-Du-Soleil-Musical „Paramour“ in der Neuen Flora in Hamburg.

Das Konzert mit den Phonauten im Casinotheater Winterthur wird am 15. Dezember nachgeholt.

Photos Copyrights: Anna Sophie Grünwald

Gottgleich!

Schlangenträger unter sich

Der Weltraum – unendliche Weiten! Ein Blick in die Sterne bedeutet nicht unweigerlich mondsüchtig oder ein Träumer zu sein. Gebildet, wissenschaftlich interessiert und belesen wie ich nun mal bin, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich bei der Astrologie landen würde.

Begonnen hat meine Leidenschaft an jenem Herbstabend, als Adam, mein Dosenöffner, mit einem schönen Glas Bordeaux und der Zeitung, bei einem prasselnden Kaminfeuer sass und belustigt sein Gratis-Horoskop rezitierte. «Die Woche wird toll!  Ich werde endlich der Liebe meines Lebens begegnen, den Job wechseln und meine CD-Sammlung der 90er gewinnbringend verkaufen. Das Weltall hat noch viele Geheimnisse für uns bereit», sagte Adam geistvoll.  Verblüfft sah ich ihn an. Was sollte ich bei so viel Naivität erwidern? Ach hätte er das Blatt nur zum Anzünden des Feuers verwendet. Ich trat also den Rückzug an, gähnte gelangweilt und ging zu meinem Platz am Fenster, um in den stockdunklen Garten zu starren. Der letzte Satz hing wie eine markante Duftnote im Raum.  Was wusste dieser Schwachkopf vom Weltall und den unzähligen offenen Fragen, die mein überintelligentes Katzenhirn täglich marterten. Ich war etwas Besonderes, in höchstem Masse Ungewöhnliches und mithilfe der Sterne würde ich es beweisen. Durch eine Dachluke am geräumigen Dachboden unserer Upper-Class-Villa ging ich mit einem Teleskop die Erforschung meiner Vergangenheit und Zukunft an und es dauerte nicht lange, bis mir klar war, dass die Babylonier sich geirrt hatten. Die Sterne offenbarten mir die einzig infrage kommende Möglichkeit. Ich war im 13. Sternbild des Ophiuchus, des Schlangenträgers geboren und  ein unmittelbarer Nachkomme von Asklepios, Sohn des Koronis, Gott des Lichts. Mein bis heute verleugneter Vorfahre war Heiler, der meist eine Schlange und einen Stab bei sich trug, was irgendwann in der Vergangenheit dazu führte, dass sein Markenzeichen zum Symbol des ärztlichen Standes wurde. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Ich hatte die einzige Wahrheit gesehen – ich war … mir verschlug es die Sprache! Gottgleich stieg ich vom Observatorium am Dachboden und ging dazu über die Welt darüber zu informieren, mit was für einer Persönlichkeit sie es zu tun hatte. Mit Adam sprach ich nur noch wenn nötig und dann von oben herab und benahm mich auch sonst majestätisch. Ich genoss meine vermeintliche Überlegenheit und postete unzählige scharfsinnige Kommentare meiner Theorie auf allen wichtigen Astrologie-Blogs. Aber ich wollte nicht diskutieren, ich wollte herrschen und wäre es möglich gewesen, hätte ich mit Blitzen um mich geworfen. Adam beobachtete meine Veränderung mit Argwohn und nach etlichen Versuchen mich wieder auf den Boden der Realität zu holen, zog er schliesslich die Reissleine. Ich hielt gerade eine glühende Rede über die Sinnlosigkeit von Zähneputzen für Götter, als er den psychologischen Notruf wählte und der Dame am Telefon eindringlich erklärte, dass sein bester Freund glaube ein Anderer zu sein. Die Dame versprach sogleich einen Blaulichtwagen mit Fachpersonal zu schicken. Als der Wagen kurze Zeit später vorfuhr, öffnete ich erfreut die Tür. Auf die Frage wo der Patient sei, führte ich die netten Herren der Effizienz halber gleich selbst zu ihm ins Wohnzimmer.  «Nein, ich bin nicht der von dem sie glauben, dass ich bin.» «Natürlich nicht«, sagte der freundliche Herr, bevor sie ihn zu einem handlichen Paket verschnürt davontrugen. «Bitte helfen Sie meinem Freund», sagte ich eindringlich und sah dem Wagen noch ein Weilchen wehmütig nach.

«Sag mal hörst du mir überhaupt zu? Du sitzt nun schon seit Tagen da am Fenster und starrst den Mond und die Sonne an. Das ist unheimlich, du siehst aus wie ein Zombie oder ein Sonnenanbeter oder so was?» Adams Stimme klang wie aus weiter Ferne! Majestätisch sass ich auf meinem Brokatkissen am Fenster, mein edles Haupt war überstrahlt von einer Sonnenkorona. «Ein Sonnenkönig? Warum nicht?»

 

Copyrights: Manuela Dona