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Call Me Adam

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Geobald fragt

Nein, ein schöner Mann war er wahrlich nicht. Allerdings schaffte er es, vor allem mit seiner Frisur, die Herzen der jungen Mädchen zu gewinnen. Und zwar so überwältigend, dass das Filmstudio, bei dem er in einer Comparsenrolle kurz mit Yvonne de Carlo, die dem europäischen Publikum vor allem als Mutter aus der Fernsehserie „The Munsters“ bekannt ist, tanzte, mehrere tausend Fanbriefe bekam „an den schönen Jungen, der mit Yvonne de Carlo tanzte“.
Doch zurück zu dem Mann, der uns nicht nur als Maler bekannt wurde, sondern auch als Autor, vor allem aber als Film- und Fernsehschauspieler.
Er war Jude und sein richtiger Name war Bernhard Schwartz. Wollen wir ihn vorläufig Bernie nennen – so nannte er sich in seinen ersten Jahren im Film. Das klingt deutsch, war aber ungarisch. Denn seine Eltern, Emanuel Schwartz und Helen Klein kamen aus einem kleinen ungarischen Städtchen namens Mateszalka. Sein Vater war dort Schneider und wanderte in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in die USA aus, wo er erst in Manhattan, dann in der Bronx eine Schneiderei betrieb. Bernhard wuchs dort mit zwei Brüdern auf, wobei die Familie teilweise in den Arbeitsräumen der Schneiderei lebte. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr sprach er nur Jiddisch und Ungarisch. Ein fleissiger Schulgänger war er nicht, Kino und Broadway interessierten ihn mehr, sodass er wegen des andauernden Schwänzens um ein Haar von der Schule geworfen wurde.
Nach der Schulzeit und dem Militärdienst bei den Marines kehrte er als Versehrter aus dem zweiten Weltkrieg zurück und erhielt eine Versehrtenrente. Gleichzeitig begann er Schauspiel- und Sprechunterricht zu nehmen. Schliesslich kam es zu jenem Auftitt als Comparse, der sein ganzes weiteres Leben prägen sollte, denn kurz darauf nahmen ihn die Universal Studios von Hollywood unter Vertrag. Von diesem Moment an ging seine Schauspielkarriere steil bergauf.
Berühmt wurde er unter anderem auch durch seine Haartracht, eine mit viel Pomade behandelte Schmalztolle, die stilgebend für eine ganze Generation sein sollte. Unter anderem wurde sie von einem etwa 10 Jahre jüngeren Mann aus dem Städtchen Tupelo im Bundesstaat Missisippi kopiert, der einmal einer der berühmtesten Rocksänger des Landes werden sollte.
Da seine Schauspielverträge so abgefasst waren, dass er prozentuell an den Einspielergebnissen seiner Filme beteiligt war, und die Filme grossen Erfolg hatten, wurde er in kurzer Zeit zu einem reichen Mann.
1959 drehte er mit einem weiteren weltberühmten Schauspieler, vor allem aber einer jungen, blondierten Frau, die damals als eines der grössten Sexsymbole des Landes galt, den Film, der wohl sein berühmtester werden sollte und heute noch als eine der grossartigsten Komödien der Filmgeschichte gilt. Regisseur dieses Filmes war ein österreichischer Jude, der von den Nazis geflohen war und nicht nur zuletzt durch die vielen Oscars, die er erhielt, als der prominenteste österreichische Hollywood Regisseur, ja vielleicht als einer der berühmtesten überhaupt gilt.

Trotz seiner Erfolge blieb die Verleihung eines Oscars hingegen unserem Schauspieler versagt. Er wurde zwar einmal dafür vorgeschlagen, erhielt ihn aber nie.
Dafür gilt er als einer der Brückenbauer zwischen Kinofilm und Fernsehen, da er 1970 – inzwischen begann sein Stern als Filmschauspieler bereits zu sinken – eine Rolle einer Fernsehserie annahm, in der er gemeinsam als reicher amerikanischer Playboy mit einem extravaganten englischen Lord Kriminalfälle löst. Sein Filmpartner wurde vor allem in anderen Filmen in der Rolle eines britischen Geheimagenten berühmt, der mehrmals die Welt vor Superschurken rettet.
Unser Schauspieler, Bernie, konnte sich auch jede Menge Eskapaden leisten – Alkohol, Drogen, Scheidungsprobleme, Sorgerechtsstreite, ja, selbst eine fragliche Kindesentführung – nichts konnte seinen Ruf zerstören, im Gegenteil, es machte ihn noch populärer. Allein die Ankunft am Londoner Flughafen Heathrow, bei der unter anderem in seinem Gepäck Marihuana gefunden wurden, steigerte seine mediale Popularität ungemein. Auch seine Strafe konnte ihn nicht sonderlich beeindrucken: er wurde zur Zahlung von 50 Pfund Sterling verurteilt.
Seine Popularität bewirkte, dass er finanziell ausgesorgt, sich auch Auftritte in drittklassiken Produktionen und sogar in Werbefilmen leisten konnte. Damit unterstützte er den Tourismus im Herkunfstland seiner Eltern, Ungarn, spendete aber auch reichlich zur Pflege und zum Wiederaufbau jüdischer Friedhöfe und Synagogen, zu Holocaust-Mahnmalen, aber auch für Kinderheime oder für einen Gnadenhof für ausgesetzte oder misshandelte Pferde oder Maultiere.
Im Alter konzentrierte er sich gänzlich auf die Malerei und hatte auch da Erfolge: Seine Bilder, auf zahlreichen Ausstellungen präsent, werden heute mit Preisen bis zu 100,000 Dollar gehandelt.

Er war mehrmals verheiratet und hatte vier Töchter und zwei Söhne.
Bernie starb 2010. Er liegt auf dem Friedhof Palm Memorial Park in Las Vegas begraben.
Nach seinem Tod tauchte sein Name nochmals gross in der Regenbogenpresse auf, da er für sein gigantisches Vermögen von geschätzten 60 Millionen Dollar seine letzte Frau als Alleinerbin eingesetzt hatte, was von seinen Kindern (sein erster Sohn Nicolas war 22-jährig an Rauschgift gestorben) heftigst aber erfolglos bekämpft wurde.

1. Unter welchem Künstlernamen ist uns dieser Maler und Schauspieler bekannt?
2. Wie hiess sein wohl berühmtester Film?
3. Und wie die blonde Schauspielerin?
4. Wer war der österreichisch-amerikanische Regisseur?
5. Wer war sein Serienpartner 1970?
6. Von welchem Meisterspion ist die Rede?
7. Und wer war der Rocksänger, der seine Frisur kopierte?

 

 

 

 

 

 

Auflösung: 1. Tony Curtis, 2. Manche mögens heiss, 3. Marylin Monroe, 4. Billy Wilder, 5. Roger Moore, 6. James Bond, 7. Elvis Presley

SCHWARZ ODER WEISS!

JENSEITS DER STILLE. EIN SELBSTVERSUCH.

„Ich weiss überhaupt nicht, wieso ich mein wunderschönes Heim mit so einem egoistischen Wesen teile, das nicht das mindeste Verständnis für mein Leben aufbringt und mir mit seiner Arroganz mein Leben vergällt“, schleuderte mir mein Dosenöffner mit Zornesröte im Gesicht entgegen. „Für dich ist etwas entweder gut oder schlecht, wertvoll oder wertlos, schön oder hässlich, schwarz oder weiss. In deinen Augen hat jemand entweder einen athletischen Körperbau oder er sieht aus wie ein Pudding, es gibt keinen zweiten oder dritten Platz, sondern nur einen ersten und letzten. Das Wort Mittelmass oder Durchschnitt kommt dir nur über die Lippen, wenn du über jemanden anderen sprichst, denn für dich besteht die Welt aus Extremen, ohne Grautöne oder Farben.“

Ich empfand Unverständnis! Schon Wochen vorher tat er sehr geheimnisvoll und sprach in Rätseln. Seine Geheimniskrämerei war so offensichtlich, dass es schier nach Katastrophe roch. Sein Verhalten hatte bei mir ein Panikorchester aufspielen lassen, das mir in den schrillsten Tönen die nahende Katastrophe ausmalte. Was hatte das zu bedeuten? Was hatte er vor? Und dann war der Enthüllungsmoment offensichtlich gekommen. „Sag schon, was meinst du“, stammelte er wie ein aufgeregtes Kleinkind. Ich hab mir wirklich viele Gedanken gemacht, um das Richtige für die Optimierung unserer Work-Life-Balance zu finden! Wie gefällt dir unser heuriges Ferienziel? Nur Stille, Spiritualität und neue Impulse. Keine Verpflichtung und kein stressiges Sightseeing-Programm. Ich war fassungslos. Er wollte uns hinter Klostermauern einkerkern, womöglich noch inklusive Fasten-, Selbstfindungs- und Yogakurs. Kurz liess ich animalisch meine Krallen blitzen, konnte diese aber, unseren Seidentapeten zuliebe, mit viel Mühe wieder unter Kontrolle bringen.
Ich rang um Fassung, liess mir aber nichts anmerken. Langsam drehte ich ihm den Rücken zu und ging in Zeitlupentempo, mit hängenden Schultern und schleifendem Gang aus dem Zimmer. Auf der Schwelle sagte ich mit Grabesstimme: „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich meinen wohlverdienten Urlaub, deiner schon jetzt gescheiterten Selbstfindungsphantasie wegen, in einem Schweigekloster verbringe!“ Ich werde sicher nicht in einer kargen Zelle nächtigen und mir anhören, wie du in der Nacht die eingschmuggelten Kekse verschlingst. Schliesslich hat man doch gewisse Ansprüche. Ausserdem wirst du sowieso nicht durchhalten. Ich buche jetzt einen Urlaub, der meinem Niveau und meiner gesellschaftlichen Stellung auf diesem Planeten entspricht. Ich schreibe dir auch gerne eine Ansichtskarte, wenn du mir die Adresse deiner Pritsche verrätst!“ Dann schloss ich leise die Türe von aussen und genoss die verblüffte Stille. Der anschliessende Schreianfall, dessen ungefährer Wortlaut am Anfang dieses Textes angeführt ist, konnte man drei Gassen weiter noch hören und konnte erst nach raschem Eintreffen des Notarztes, mittels einer Beruhigungsspritze und der anschliessenden Verabreichnung eines doppelten Whiskeys unter Kontrolle gebracht werden. „Mensch Junge, reiss dich zusammen, du machst hier Stress, dass ich grosse Lust hätte wirklich hinter Klostermauern einzuchecken, nur um diesem Lärm zu entgehen! Das ganze Leben ist eine Pilgerreise“, fuhr ich fort ihn zu überzeugen, während er wimmernd weinte und ich ihn in meinen Armen wiegte, wie ein Kind, das einfach nicht verstehen will. „Es gibt nicht nur Schwarz und Weiss, das wirkliche Leben ist bunt wie wir!“

 

 

 

Copyrights © Manuela Dona

SEVEN

SOULSÄNGER SEVEN (38), DER IN DER SCHWEIZER MUSIKSZENE SEIT JAHREN EINE FESTE GRÖSSE IST, GELANG 2016 DURCH «SING MEINEN SONG – DAS TAUSCHKONZERT» UND
SEINE TOURNEE MIT DEN FANTASTISCHEN VIER AUCH IN DEUTSCHLAND DER DURCHBRUCH. DAS NEUE ALBUM «4COLORS» ÜBERTRIFFT SELBST HÖCHSTE ERWARTUNGEN.

Der Aargauer Jan Dettwyler alias Seven zeigte in seiner mittlerweile 15-jährigen Plattenkarriere schon früh, dass er sowohl bei den Alben wie bei den Konzerten mehr Wert auf Inhalt und Style legt als die meisten seiner musikalischen Mitbewerber. Er legt es nicht auf kurzfristigen Erfolg an, sondern auf Qualität und Selbstverwirklichung. Wie seiner Inspiration Prince geht es ihm weniger um die Hitsingle als das überzeugende Gesamtkunstwerk. Im Zeitalter, in dem legale und illegale Downloads einzelner Songs den klassischen Alben den Rang ablaufen, präsentiert er mit «4Colors» anstelle einer Mainstream-CD, die das eroberte Fernsehpublikum leichter bei der Stange halten würde, ein ambitioniertes Konzeptalbum.

Concert dates:
26.10. Zürich Volkshaus
03.11. Bern Bierhübeli
04.11. Baden Nordportal
www.sevenmusic.ch

«Die Krux war, dass ich Lust hatte, vier Alben zu machen, denn ich hatte vier Haufen verschiedene neue Songs auf meinem Tisch, aber ich wusste, dass ein solches Mammutwerk unmöglich ist und völlig bescheuert wäre», erinnert sich Seven. Plötzlich realisierte er: «Hey, das sind ja vier Stilrichtungen, vier Stimmungen, vier Farben. Also mache ich daraus eine aus vier EPs – wie man die kleinen Alben früher nannte – bestehende LP.» So ergaben sich aus seinem Problem Konzept und Titel. Zu jedem Teil komponierte er ein filmmusikalisches Intro, das er mit dem Arts Symphonic Orchestra in London einspielte.

«Blau ist Melancholie, Kälte, Electronica, Island, vielleicht ein Schuss Björk», beginnt der Musiker zu erzählen, wofür die Farben stehen, und assoziiert sich in einen Bilderrausch. «Gelb ist für mich Soul, Gemeinschaft, Spätsommer abends um halb sechs, die Sonne scheint quer hinein in die Stadt, dazu ein bisschen Neo-Soul, Badu und D’Angelo. Rot ist repetitiv, das Aphrodisiakum des 90er-R&B. Es ist ganz klar spät in der Nacht, mit einer Tanzfläche, und es darf geraucht werden! (lacht) Die letzten
vier Songs sind dann Purple und stehen im Zeichen des Funk. Eine Hommage an Prince, obwohl das leicht grössenwahnsinnig klingt. Daran habe ich jedoch –ganz ehrlich! – erst später gedacht.»

Mit Ex-Prince-Keyboarderin RAD hat Seven seit drei Jahren auch eine Musikerin in seiner Band, die ihr Veto eingelegt hätte, wenn sie nicht der Meinung gewesen wäre, dass sich das zu früh verstorbene Genie auf seiner Wolke über Nummern wie «Partytown» oder «1978» freuen würde. Die Gelegenheit, sie an Bord zu holen, ergab sich, als die Amerikanerin und ihr deutscher Ehemann nach Konstanz zogen, als ihr Kind eingeschult wurde. Er rief RAD an und lud sie zu einer Session in einen Proberaum in Zürich ein. «Wir spielten ein paar Songs, die beiden vertraut waren. Nach «I Can’t Make You Love Me» von Bonnie Raitt schauten wir uns an und sind seither auf der Bühne nicht mehr zu trennen. Es war musikalische Liebe auf den ersten Blick!»

Sevens Liebe zu seiner Ehefrau Zahra und seinem siebenjährigen Sohn hat unter dem Erfolg in Deutschland nicht gelitten. «Ich trete nun dreimal mehr auf als früher und komme nach den Konzerten abends meistens nicht mehr nach Hause, doch dafür widme ich drei Tage ganz der Familie, wenn ich fünf Tage unterwegs war», sagt der Sänger, der sich auf seinem Album auch Vergänglichkeit («Zeit», feat. Thomas D), Panzer («Die Menschen sind wir», feat. Kool Savas) und Schmerz («Thank You Pain») thematisiert. «Heutzutage sind wir immer im Modus: Wir sehen gut aus, sind glücklich, gesund, sportlich, verliebt, erfolgreich und ultrabeschäftigt», erläutert Seven. «Ich finde, wir sollten dem Schmerz einmal Danke sagen, denn er ist es, der uns dazu bringt, in unserem Leben etwas zu verändern, uns weiterzuentwickeln.»

 

 

 

 

Photos Copyrights: Sven Germann

CONFIDENCE IN FINANCE

ADAMS PERSONAL INVESTMENT IDEAS 2017

Kaum werden die Tage wieder länger, falten Hamburgs Cabriofahrer die Dächer ihrer Autos ein und setzen ihre Sonnenbrillen auf. Und auch eine andere Freiluftleidenschaft kommt wieder zum Vorschein – Liebhaber alter Rennräder zeigen ihre Modelle. Die Pedaleure haben nicht nur Gespür für Stil, sondern auch für Werte. Denn ein 40 Jahre alter Klassiker von Bianchi, Cinelli oder Mercier ist eine aussichtsreiche Kapitalanlage. Gut gepflegt, verzinst sich solch ein Velo von selbst. Anlegen als sinnliches Erlebnis: Das geht auch ohne sich auf schmalem Sattel durch Stadt und Land zu bewegen. Natürlich haben Investment-Boutiques gute Ideen. Doch Adams Maxime ist eine, die sich mit Warren Buffets Forderung deckt: „Kauf, was Du kennst“. Und was zu deiner Persönlichkeit und deinem Stil passt, mag man ergänzen. Das kann eine Wohnung in der Stadt sein, die Adam inspiriert. Weil die Immobilienpreise nach jahrelanger Hausse mittlerweile sehr hoch sind, ist das ein teures Vergnügen – auch wenn der Wertzuwachs in Trend-Metropolen von heute und morgen wohl anhalten wird. Also zum Beispiel Aktien. In einer Welt niedriger Zinsen, die auch dieses Jahr Bestand haben werden, versprechen sie Kursgewinne und Dividenden. So können solide Wertpapiere mit gutem Namen für Freunde des Zweirads eine Alternative zu einem Direktinvestment in Stahl-Velos sein. Wie etwa die des Schaltungs- und Kettenspezialisten Shimano.

Die Aktie ist zwar teuer, doch dafür ist die Firma schuldenfrei und eine der weltweit renommiertesten Adressen. Eine Alternative ist die niederländische Accel-Gruppe, zu deren bekannten Marken die US-Klassiker Ghost und Raleigh zählen. Die Firma macht mit E-Bikes 50 Prozent des Umsatzes, ist profitabel und zahlt Dividende. Wer kraftvollere Zweiräder bevorzugt, kann sich für KTM Industries entscheiden. Die Aktien der profitablen Beteiligungsgesellschaft, zu denen die Motocross-Spezialisten KTM und Husqvarna zählen, sind seit wenigen Monaten an der Zürcher Börse notiert. Identifikation und Zuneigung bieten in der Investmentwelt 2017 angesichts unzähliger Wertpapiere und täglich neu aufgelegter Fonds eine gute Orientierung. Vielleicht fuhr Eva, als Adam sie kennenlernte, ein Nissan-Coupé 350 Z – auch Fairlady genannt – und Adam hat ihn wie sie geliebt. Mit der Aktie der Japaner – sie ist günstig, der Hersteller solide und investiert mit Elektromobilität in die Autowelt von Morgen – würde er wenig falsch machen. Auch nicht mit dem Schweizer Spezialchemiewert Clariant. Das Unternehmen hat einen Design-Treibstoff aus Stroh entwickelt, der wie das Elektroauto in Zukunft die Abgasemissionen in Europa senken soll. Adam folgt bei Investment seinem Weg. Wichtig für ihn: Die Titel müssen solide sein. So nimmt er auch das Risiko von Rückschlägen entspannt, von denen er weiss, dass es sie am Aktienmarkt immer wieder geben kann.

 

 

Photos Copyrights: Shutterstock,  Illustration:  Manuela Dona

Leichtigkeit auf meiner Haut

EIN KATER RÄUMT AUF

Wieder einmal sitze ich stilvoll auf meinem handbestickten Polster am Fenster und blicke in den Garten unserer stilvollen „Upper-class-Hütte“, während ich mir den Luxus gönne, die letzten Tage und Wochen zu reflektieren. Heute spiele ich einmal Tourist in dem Ort, in dem ich wohne. Es gibt Ecken, die ich noch nicht kenne. Ich ziehe einfach los und gehe auf Entdeckungsreise …

Der diesjährige Jahreswechsel hatte es wirklich in sich. Champagner, Kaviar und ein atemberaubendes Feuerwerk, das mich beinahe das Gehör gekostet und in der Folge für ein mattes Fell gesorgt hatte, liessen meinen Stresslevel in den dunkelroten Bereich schiessen. Unsere Bude war brechend voll und laut wie ein Flughafen zu Ferienbeginn. Wie wenig mein Dosenöffner an Achtsamkeit litt, sah man schon daran, dass er nicht wahrhaben wollte, dass die ganze Welt nach Entschleunigung schrie und nicht danach, sich die Bude mit 100 wildfremden Freunden von Freunden vollzustopfen. Ich hasse Lärm und noch mehr hasse ich lärmende pseudofröhliche Menschen. „Kein Mensch ist austauschbar. Jeder besteht aus wunderschönen kleinen Details“, werfe ich, nicht ganz überzeugt in eine Gedankenblase, die über mir schwebt, doch gleich darauf macht es laut „Plopp“, die Vision platzt und ich sehe Adam vor mir, der mit irrem Blick in einem Berg sinnloser Geschenke auf seinem neuen Meditationskissen sitzt und zu „Barry-White-Gesäusel“ mein empfindliches Gehör mit dem nervtötenden Geräusch von quietschendem Zellophan malträtiert.
Ich ahne, wie George Michael sich im Grab umdreht! Ich fahre meine Krallen aus! Warum nur definiert das Wesen Mensch alles und jeden über Materielles?
Was uns von anderen unterscheidet, ist nicht das, was wir bekommen, sondern das, was wir mit dem tun, was wir haben (Nelson Mandela).

Warum hängt er so an diesem ganzen Plunder, wenn es doch nur darum geht, zu lieben und geliebt zu werden.
„Wir kaufen doch nur Sachen, um abzulenken, anstatt Ordnung in unserem Kopf zu schaffen.“

Ich zog die Krallen wieder ein und schnippte mit der Pfote. Statt sich ständig an Materielles zu klammern, sollte man mal stattdessen einen Wüstenlauf machen oder den Dachboden entrümpeln. Plötzlich war alles ganz logisch, wenn er nicht loslassen konnte, ich konnte es!

Ich begann mit dem Entrümpeln im eben erwähnten Dachboden. Generationen von sinnlosen Präsenten, Schachteln mit Fotos, Bücher, die nie gelesen wurden, Kleider, die längst aus der Mode waren, ja sogar Geschenke, die nie ausgepackt wurden, flogen durch die kleine Dachluke in den Garten.

Als ich im Dachboden fertig war, ging es unten weiter. Adams begehbarer Schrank, die Regale und Schränke leerten sich zusehends. Mit jedem Stück, das aus dem Fenster flog, wurde es leichter und leichter in mir drin.

Zum Schluss folgten auch noch Tischdecken, Vorhänge, Kissen und die gesamte Teakholz-Elefantensammlung. Adams ganzer Ballast, der sich über Jahre angesammelt hatte, türmte sich im Garten zu einem ansehnlichen, brennbaren Haufen.

Unser vormals so üppig im Versace-Stil dekoriertes Haus hatte sich zu einer kahlen Mönchszelle verwandelt, die dringend mal wieder ausgemalt gehörte.

Wie in Trance brachte ich das Ding zu Ende, schüttete eine Literflasche Grill-
anzünder auf den ganzen Haufen und machte ein wirklich grosses, befreiendes Lagerfeuer! Ich spürte sie, die Leichtigkeit auf meiner Haut. Ich fühlte mich frei. Loslassen war herrlich! Der frische Wind strich mir durchs glänzende Fell, ich fühlte mich gebraucht!

Die nächste Erinnerung ist Adam, der neben mir steht und händeringend versucht mit dem Gartenschlauch den lichterloh brennenden und qualmenden Haufen zu löschen! Verzweifelt höre ich ihn rufen: „Um Gottes Willen Kater, was hast du gemacht?“
Und ich antworte: „Lass los Kumpel, du wirst um deiner selbst Willen geliebt! Oder etwa nicht?“ Miau!

DAS REBELLISCHE TANZGENIE

Die Geschichte Sergei Polunins ist der Stoff, aus dem brillante Filme sind. Der Dokumentarfilm „Dancer“ zeichnet das Porträt des wohl begnadetsten Tänzers der Gegenwart, der mit 20 Jahren alles erreicht hatte und dann abstürzte. Eine beeindruckende Geschichte über Aufstieg, Fall und Wiedergeburt.

In der Ballettwelt ist Sergei Polunin ein Star. Keiner springt so hoch wie er, so elegant, so ausdrucksstark und mit einer brillanten Technik, die die Schwerkraft in ihre Grenzen verweist. Seine Geschichte? So bewegend, wie es sich selbst Hollywood nicht hätte besser ausdenken können.

Das Wunderkind

Es ist die Geschichte eines Wunderkindes. Sergei Polunin wurde am 20. November 1989 in einfachsten Verhältnissen in der Ukraine geboren und schon früh fiel seiner Mutter auf, dass er sich eleganter bewegte als andere Kinder. Im Alter von vier Jahren begann er zu trainieren – zunächst als Kunstturner, dann als Tänzer. Gesegnet mit einem einzigartigen Talent, überstrahlte der kleine Sergei schon bald alle anderen. Sein Ziel: einmal der weltbeste Tänzer zu werden. Dank eines Stipendiums ging er mit 13 Jahren an die legendäre Royal Ballett School in London, wo er weit weg von seinen Eltern alleine lebte. Tanzen, schlafen, tanzen, so beschreibt er die Zeit, in der nicht Schmerz, sondern alleine die Perfektion zählte. Auf seinen Schultern – die Last der Hoffnung seiner Familie, die alles in seine Ausbildung investierten.

Der Weg an die Spitze

Seine Karriere? Ein vermeintliches Märchen. Nach seinem Abschluss im Jahr 2007 wird er Gruppentänzer im Ensemble des Royal Theaters, 2008 Halbsolist, 2009 Solist, 2010 erster Solist – und damit der jüngste Prinzipal, den das Ensemble je hatte. Sergei Polunin war an der Spitze angekommen – und einsam. Das für ihn so leere System der Tanzwelt lässt ihn ebenso straucheln wie die Erkenntnis über seine verlorene Kindheit und sein von Beherrschung geprägtes Leben. Das Ventil platzt und Sergei Polunins Absturz beginnt. Alkohol- und Drogenexzesse, Selbstverletzungen, verpasste Proben und zahlreiche Tätowierungen sind die Bilanz einer Abwärtsspirale, die mit einem grossen Knall endet, als er im Januar 2012 spontan seinen Vertrag kündigt. „An diesem Tag“, erinnert sich der begnadete Tänzer heute, „habe ich mich zum ersten Mal frei gefühlt“. Erst im Sommer des gleichen Jahres tauchte er wieder auf – als erster Solist am Stanislavsky und Nemirowich-Danchenko Music Theatre in Moskau, das ihm neue Entfaltungsmöglichkeiten bot. Doch an seinem Wunsch, mit dem Tanzen für immer zu brechen, änderte auch dies nichts.

Die Wiedergeburt

Den Wendepunkt brachte ein Anruf des Fotografen David Lachappell, der Sergei 2014 zu Dreharbeiten auf Hawaii überredete. Eigentlich hätte es sein letzter Tanz werden sollen, doch am Ende wurde es ein neuer Anfang. „Während der neun Stunden Dreharbeiten zum Tanzvideo ‚Take me to Church’“, so Polunin, „wurde mir klar, dass ich das Tanzen nicht ganz aufgeben konnte.“ Mittlerweile tanzt er wieder als Gastsolist klassisches Ballett, versteht sich aber heute vor allem als freischaffender Künstler und Schauspieler. ⁄

Photos Copyrights: Johan Persson

A Rib Eye Forever!

Genuss ist eine Frage des Stils

A RIB EYE FOREVER!

Neulich habe ich spasseshalber in einem führenden Männermagazin einen dieser 08/15 Selbsttests mit dem Thema „Sind Sie ein Geniesser?“ ausgefüllt. Das Ergebnis war wie vermutet kompletter Schwachsinn, aber es erinnerte mich frappant an meinen genusserfüllten Dosenöffner Adam.

Interessiert Sie das Ergebnis?

Sie sind ein absoluter Geniesser und richten die gesamte Energie auf sich selbst. Sie sind offen für Neues, bleiben kulinarisch aber auch mal gerne bei Bodenständigem. Anderen gegenüber verhalten Sie sich rücksichtsvoll, sofern
man Ihnen Ihr Steak nicht durchgebraten serviert. Sie denken praktisch, interagieren kooperativ, sind emotional resistent, leben spontan und geniessen das Leben und den Augenblick, dennoch reagieren sie hin und wieder zu menschlich.

Nach einem ausgiebigen Lachkrampf, den ich mir aus dem Fell schütteln musste, machte ich mich daran, den überdimensionierten Kühlschrank zu erkunden, denn mein sensibler Magen verlangte eindringlich nach einer kultivierten Mahlzeit. Vielleicht ein Happen Räucherforellenfilet oder Carpaccio als kleine Zwischenmahlzeit.

Das kalte Licht des gähnend leeren Kühlschranks versetzte mich spontan in eine Schreckstarre. Solche unvorhergesehenen Stresssituationen erzeugen bei mir Schüttelfrost und ruinieren in der Folge mein glänzendes Fell. Also interagierte ich kooperativ, indem ich Adam über den nötigen Nachschub informierte und eine Grillsession im Garten vorschlug. Wie vermutet, hatte sein allzu menschliches Gehirn den leeren Kühlschrank seit dem Frühstück bereits wieder vergessen, aber er war äusserst erfreut über meine Spontanität und versprach Besserung mit einem genussvollen BBQ nach Feierabend. Auf mein Anraten orderte er ein Sorglos-Paket, sprich ein paar Steaks vom „Heritage Angus Beef“ und „dry aged“ T-Bone-Steaks – nicht  unter 400 Gramm –
versteht sich von selbst, bei diesem 5-Sterne-Restaurant im Zentrum von Zürich und ich überbrückte die Wartezeit bis zum Abend mit einer bodenständigen Dose weisse Tunafilets in Olivenöl mit frisch gebackenem Dinkel-Chia-Baguette.

Übrigens:

Wie Sie sicher schon bemerkt haben bin ich, wie es sich für einen stilvollen Kater gehört, in Genussfragen ausgesprochen versiert und lenke meinen Dosenöffner Adam, den ich im Vergleich zu mir eher als ambitionierten Hobbykoch bezeichnen würde, beim alles entscheidenden Lebensmitteleinkauf in die richtige Richtung.

Zwischen ausgedehnten Raubzügen auf dem Gemüse- und Fischmarkt, dem Metzger des Vertrauens, Delikatessläden und Alternativ-Bäckereien ergeben sich hitzige Diskussionen über das ideale Messer, französischen Fleischschnitt, Natursauerteig, das ultimative Rezept, die vermeintliche Grill-Bibel oder die zum Smoken und Räuchern am besten geeignete Holzart. Kurz gesagt, unser Männerhaushalt pflegt – dank mir – hervorragend zu kochen und zu speisen. Ja wir entwickeln einen regelrechten Wettbewerb, uns gegenseitig zu übertreffen.

Doch zurück zum BBQ: Dieses endete für Adam an diesem Tag in der Notaufnahme. Soll mir keiner vorwerfen ich hätte ihn nicht gewarnt, dass die Glut noch nicht reif sei und die Steaks ordentlich abgetropft sein müssen, aber er reagierte mal wieder komplett menschlich.