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Reinhold Hoenle

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«Mum wollte lieber WW als VW»

Shooting-Star Wincent Weiss («Feuerwerk») on «Irgendwie anders», his dream of children and a beard. And why he isn’t called Vincent.

Manche Rock’n’Roller würden sich im Grabe herumdrehen, wenn Sie hören würden, dass Sie ein Interview um 07.45 Uhr geben. Geht es der Musikindustrie so schlecht, dass man so früh aufstehen muss?
Wincent Weiss: Wenn man für das neue Album wirbt, macht man schon mal um 3.30 Uhr einen Soundcheck, um im Frühstücksfernsehen auftreten zu können. Statt Sex, Drugs und Rock’n’Roll bedeutet das Musikmachen für mich vor allem jeden Tag viel Arbeit. Das ist aber auch gut so. Ich stehe lieber früh auf und schaffe viel als den Tag zu verschlafen.

Haben Sie «Kaum erwarten» als Single zur CD-Veröffentlichung herausgebracht, weil Sie dieses Lied für den grössten Ohrwurm halten?
Für mich war wichtig, dass ich einen Song auskopple, der das gesamte Album repräsentiert. Die vorherigen Singles «An Wunder» und «Hier mit dir» sind viel früher entstanden.

Welche Wünsche und Träume, von denen er handelt, sind schon in Erfüllung gegangen, welche noch nicht?
Was ich mir musik- und karrieremässig vorgenommen hatte, ist schon hundertfach übertroffen worden. Es ist der Wahnsinn, was ich erleben darf! Für das, was ich mir privat und familiär vorstelle, war bisher viel zu wenig Zeit: Irgendwann Papa zu werden, und Opa. Im Video dazu werde ich einen künstlichen Bart tragen. Ein eigener ist vermutlich mein unrealistischster Wunsch. Aber man soll ja nie aufhören zu träumen … (Schmunzelt)

Hilft Ihnen das Texten beim Verarbeiten schwieriger Dinge wie etwa der Trennung von Ihrer Freundin?
Sich mit etwas zu beschäftigen hilft immer. Manche sprechen mit Freunden oder der Familie, ich kommuniziere beim Songschreiben mit den Fans. Mich hat mal einer gefragt: «Ist es nicht blöd, jeden Abend auf der Bühne zu stehen und immer wieder an die Ex erinnert zu werden?» Gar kein so ein schlechter Punkt, aber dafür geht die Verarbeitung weiter.

Mit Songs wie «Hier mit dir» bauen Sie sich dann wieder auf.
Genau, er handelt von einem Freund, den ich seit 26 Jahren kenne und der für mich wie ein Bruder ist. Ich kenne mein Leben gar nicht ohne ihn. Wir wurden in Zwillingskinderwagen zusammen herumgeschoben und ich habe keinen Geburtstag ohne ihn gefeiert.

Wie kam es zu dieser Verbindung?
Wir haben anfangs in der gleichen Stadt gewohnt und immer in der Nähe – bis ich aus Norddeutschland nach München gezogen bin, um mein Album zu machen. Unsere Mütter waren beste Freundinnen. Nach dem Kindergarten ging ich oft zu meinem Freund nach Hause, da meine Mum Vollzeit gearbeitet hat. So wurde ich von seinen Eltern mit grossgezogen.

Wie ist dieses Video in New York entstanden?
Die Plattenfirma sagte: «Wir drehen es dort. Wen willst du als Statisten mitnehmen?» Ich dachte, da nehme ich doch gleich meinen besten Freund mit und wir zeigen, wie unsere Freundschaft entstanden ist. Ich fragte ihn, ob er Zeit hätte. «Ich hole dich in drei Tagen ab. Wir fliegen für zwei Tage weg.» Ich habe ihm im letzten Moment gesagt, wohin der Kurztrip geht. Er hätte fast nicht freibekommen, wir mussten bei seinem Arbeitgeber nachhelfen!

«An Wunder» wurde in Lissabon gedreht. Suchen Sie sich die Schauplätze als Ferienersatz aus?
Ein bisschen! (Lacht) Ich war lange nicht mehr im Urlaub und dachte «Komm, wenn du wenigstens die Chance hast, für den Videodreh an einen schönen Ort zu reisen, dann nutze sie.» Den «Kaum erwarten»-Clip haben  wir nun allerdings in Köln gemacht, aber das ist auch mal schön. Wir waren ja auch schon in Japan und in Kapstadt.

Wie können Sie überhaupt regenerieren?
Noch gar nicht so richtig. Ich arbeite 95 Prozent und habe 5 Prozent Privatleben. Ich versuche wenigstens anderthalb Stunden pro Tag für mich selbst zu haben. Dann fahre ich Motorrad, treibe Sport oder höre Musik – und ich muss mit niemand reden. Urlaub zu machen nehme ich mir immer vor, doch die Woche im April hatte ich schon wieder storniert, weil ich Bandproben hatte. Ich muss ihn wohl auf nach der Tour verschieben.

Wohin wollten Sie reisen?
Nach Bali. Nach 13 Jahren Skatebord- und Snowboardfahren will ich unbedingt mal surfen lernen. Da ich Knieprobleme und bald einen MRT-Termin habe, wäre dieser Wunsch aber wohl kaum in Erfüllung gegangen.

Wie wichtig ist Ihnen die Geschwindigkeit?
Ich fahre schon gerne zügig, aber beim Snowboardfahren bin ich eher der entspannte, technische Fahrer und mache Tricks beim langsamen Fahren. Beim Auto- und Motorradfahren komme ich jedoch in einen Geschwindigkeitsrausch. Leider.

Was fahren Sie?
Eine BMW 1000 RR. Die läuft 316 Stundenkilometer und die fahre ich auch auf der Strasse. Oder 314 mit meinem Auto, einem S 63 Coupé, das mir dank eines Werbedeals mit Mercedes zur Verfügung steht.

Wie viel von Ihrem Verdienst geht für Geschwindigkeits-Bussen drauf?
Da ich mit Tempomat fahre, bin ich seit zweieinhalb Jahren nicht mehr geblitzt worden. Das liegt aber auch an den vielen Autobahnstrecken in Deutschland, auf denen noch freie Fahrt herrscht, vor allem aber will ich meinen Führerschein behalten …

Nehmen Sie auch Ihre neue Vorbildfunktion wahr?
Durchaus, aber ich weigere mich, den Erzieher zu spielen, was die Eltern erwarten, die mir schrieben: «Ich erlaube meiner Tochter nicht mehr zu Ihren Konzerten zu gehen, weil ich gelesen habe, dass Sie Alkohol trinken.» Sie sehen nicht, dass ich 26 Jahre alt bin und das Recht habe, mal ein wenig zu feiern, solange ich nicht zehnjährige Mädchen auffordere, es mir nachzumachen. Heutzutage betrinkt man sich als Künstler auch nicht, wenn man etwas erreichen will. Auf Tour trinke ich überhaupt keinen Alkohol. Die Konzerte sind so riesig, da muss man eine gute Show abliefern. Da kann ich nicht mit einem Kater auf die Bühne gehen.

Wie kam es zum Lied «1993»?
Ich habe es schon vor fünf Jahren geschrieben, aber es passte nicht zur ersten Platte. Das ist nun anders, da ich auf dem zweiten Album viel mehr von mir preisgebe. «1993» handelt von meiner familiären Situation. Ich bin bei meiner Mum grossgeworden und ohne Papa. Der hat mir aber nie gefehlt. Trotzdem möchte ich mit dem Song Väter und Mütter aufrufen, sich um ihre Kinder zu kümmern und nicht einfach zu verschwinden.

Das ist nachvollziehbar…
Es ist schon ein etwas härterer Song, denn ich sage: «Wenn ich Vater werde, will ich nie so sein wie du.» Ich habe mir selber einen Denkzettel geschrieben: Wenn ich Vater werde, möchte ich immer für mein Kind da sein – egal, wie schwierig die Zeiten sein werden und ob ich mit der Mutter zusammenlebe oder nicht. Für das Kind da zu sein, ist das mindeste, was Eltern tun sollten.

Viele Filme handeln davon, dass Kinder einen Elternteil suchen. Haben Sie das auch getan?
Meine Mum hat immer gesagt, ich könne Namen und Adresse haben und jederzeit hinfahren. Ich hatte dieses Bedürfnis jedoch gar nicht. Mein Grossvater war immer da, der Vater meines besten Freundes ebenfalls, wir haben Fussball gespielt und mit Mum war alles perfekt.

Was war beim Songwriting und Aufnehmen des zweiten Albums irgendwie anders?
Ich fand es familiärer und entspannter. Beim ersten Album wusste ich noch gar nicht, wie es klingen soll, wie ich klingen wollte und welche Art von Songs ich machen möchte. Fürs zweite Album habe ich mit meinem Produzenten und zwei Songwritern, die in den letzten Jahren zu Freunden geworden sind, ein festes Team gebildet, mit dem ich persönlicher werden konnte. Alle wussten über meine Kindheit und meine Trennung Bescheid, da kann man auch mal die Hosen runterlassen und tiefer gehen.

Sie sind der erste Vincent, den ich kenne, der sich mit W schreibt…
Wenn ich Vincent mit V sehe, finde ich das komisch. Aber mit W kenne ich keinen! (Lacht) Alle denken, es ist ein Künstlername, aber es steht so in meinem Personalausweis.

Hat das eine besondere Bewandtnis?
Meine Mum wollte einfach, dass die Initialen von Vor- und Nachname gleich sind. Sie wollte lieber WW haben als VW! So wurde ich zu Wincent. Wenn ich ein Mädchen geworden wäre, hätte sie mich Wendy getauft. Deshalb bin ich froh, dass ich ein Junge geworden bin …

Wer inspiriert die Live-Show, mit der Sie im Herbst auf Tournee gehen?
Ein bestimmtes Vorbild habe ich nicht, aber ich besuche viele internationale Konzerte. Kürzlich habe ich mir auf Netflix Taylor Swift angeschaut. Ich finde es krass, wie bombastisch die Shows der amerikanischen Pop-Künstler sind. Bei ihr ist jede Sekunde etwas explodiert und in die Luft geflogen. Sogar sie selbst ist durch die Gegend geflogen! (Lacht) Bei uns wird es definitiv entspannter ablaufen. Ich komme mehr vom Metal.

Tatsächlich? Haben Sie Heavy Metal gemacht oder nur gehört?
Damit habe ich Musik zu machen begonnen! Wenn wir die berühmten Metal-Bands gecovert haben, steuerte ein Freund die ganzen Shouts und Screams und ich den Gesang bei. Ich höre heute noch hauptsächlich Metal und noch ein wenig, was die Kollegen machen.

Wie kam es, dass Sie nun radiogängigen Deutschpop machen?
Ich fühle mich beim Songschreiben wohler, weil ich mich auf Deutsch besser ausdrücken und meine Gefühle verpacken kann. Ich schliesse aber nicht aus, irgendwann mal ein kleines Metal-Projekt zu machen. Vielleicht werde ich das sogar schon in naher Zukunft angehen und mal ein bisschen kraftvoller werden.

Wincent Weiss:
«Irgendwie anders»
(Universal Music).
Live: 26.11.2019 Zürich
Samsung Hall.

 

Photos Copyrights: Christoph Köstlin

Der Wahl-Einsiedler

Auf steinigem Weg Richtung Gipfel

Anatole Taubman (47), der schon in über 100 internationalen Film- und TV Produktionen mitgewirkt hat, ist seit 2010 Botschafter von Unicef Schweiz für schutzbedürftige Kinder. Im Adam-Interview erzählt der Schauspiele auch über die Ups & Downs seiner eigenen Jugend.

Welches war Ihre bisher eindrücklichste Erfahrung als Unicef-Botschafter?

Wenn man für Unicef unterwegs ist, hat man nur eindrückliche Erlebnisse. Besonders betroffen machte mich, was ich in Rumänien gesehen habe, weil es für uns Schweizer quasi gleich um die Ecke ist. Nicht einmal in der Hauptstadt Bukarest funktioniert viel – und auf dem Land, an der Grenze zu Moldawien, noch viel weniger. Das hat mich zutiefst berührt.

Worüber sind Sie erschrocken?

Auf dem Land leben Familien in Häusern, eher Hütten, manche mit Fenstern ohne Scheiben, obwohl die Temperaturen im Winter unter den Gefrierpunkt fallen. Ein Bauer scharte seine sechs Kinder um die Feuerstelle im selbst gebauten Lehmhaus. Die traurigen Augen der Kinder in den Waisenhäusern. Manche hatten das Glück, dass man sie vor den Menschenhändlern und dem organisierten Verbrechen retten konnte, nachdem alkohol- oder drogenabhängige Eltern sie für ein paar Flaschen Wodka und Zigaretten verkauft hatten. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.

Welches ist Ihre Aufgabe?

Als Spokesperson setze ich mich weltweit für die Anliegen von UNICEF und von verletzlichen Kindern ein, weil mir dies persönlich am Herzen liegt. Ich leiste einen Beitrag, die Öffentlichkeit für Missstände und die Bedürfnisse der Kinder zu sensibilisieren. Auf Feldbesuchen erhalte ich vor Ort einen Eindruck von der Situation der Kinder und der Arbeit von UNICEF. In der Schweiz engagiere ich mich an Veranstaltungen von UNICEF Schweiz, wie z. B. bei Cycling for Children. Ich habe auch die Kinderjury geleitet, welche das Zurich Film Festival zusammen mit UNICEF organisiert.


Wie kommen Sie mit den Kindern in Kontakt?

Bei allen Feldbesuchen mit UNICEF sieht man vor Ort, wie Kinder von der Arbeit von UNICEF profitieren, etwa in Schulen oder bei Programmen im Bereich Kinderschutz. Sie beinhalten immer den Austausch mit Kindern, die direkt von ihrem Leben berichten.

Wie haben Sie Ihre eigene, alles andere als einfache Kindheit verarbeitet?

Ich denke, das ist eine lebenslange Aufgabe, der ich mich seit fünf Jahren intensiver widme.  Nach einem medizinischen Notfall im letzten Jahr stand ich plötzlich – Gott sei Dank! – an der wahrhaftigsten Kreuzung meines privaten und beruflichen Lebens. ->

Wie haben Sie Ihre eigene, alles andere als einfache Kindheit verarbeitet?

Ich musste und wollte dringend ändern, wie ich mir und meinem täglichen Leben begegne. Mein innerer Frieden und mein inneres Gleichgewicht sind mittlerweile meine Top-Priorität. Es ist ein steiler, manchmal schmerzhafter und trauriger, aber ehrlicher Weg dorthin. Ich bin dankbar, dass mir Frau, Freunde, Familie, Yoga und Zen helfen. Jeder muss ihn jedoch selbst gehen – und es tut gut, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen .

Nun haben Sie sich wieder eine Wohnung in der Schweiz genommen. Weshalb sind Sie nach Einsiedeln zurückgekehrt?

Brutal gesagt war das Internat des Klosters Einsiedeln mein erstes richtiges Zuhause. Es hat mir Halt und Geborgenheit gegeben. Mit 10, nach dem Tod meines Vaters, musste mich meine Mutter abermals weggeben, diesmal für zwei Jahre in eine heilpädagogische Grossfamilie im Prättigau. Danach kam ich wieder zu ihr nach Zürich. Die 6. Primarklasse ging noch gut, doch im Gymnasium begannen die disziplinarischen Probleme. Einsiedeln wurde meine Rettung und ich packte diese letzte Chance am Schopf. So wurde es mein Zuhause und Präfekt Pater Kassian eine Art Ersatzpapa.

Wie hat das Ihr Leben verändert?

Grundlegend und nachhaltig. Das Lernen begann mir Freude zu machen und ich schaffte die Matura mit einer 5,18 – auf nichts in meinem Leben war ich je so stolz! Nachdem Pater Kassian mir, der sonst immer den Klassenclown spielte, mit 17 im Theaterkurs den alten Shylock in Shakespeares «Der Kaufmann von Venedig» zutraute und man mich in dieser Rolle ernst nahm, wusste ich, dass ich Schauspieler werden wollte.

Geniessen Sie es, jemand anders sein zu können?

Früher war es sicher auch eine Flucht. Was mich unverändert fasziniert, wofür ich brenne und blute, ist die Herausforderung, den Figuren, die im Drehbuch mit Worten beschrieben werden, vor der Kamera Leben einzuhauchen. Und je mehr ich zu mir selbst finde, desto authentischer werde ich als Schauspieler. Ich verstehe mittlerweile total, wenn ein Regisseur sagt: «Anatole, mach einfach gar nichts. Vertraue dir, sei einfach da, sag deinen Text, glaube ihm – und den Rest können die Leute aus deinem Gesicht lesen.»

Der Sohn einer geborenen Wienerin mit slowakischen Gross-eltern und eines Ostpreussen mit russischen und polnischen Grosseltern wurde am 23. Dezember 1970 in Zürich geboren. Nach der renommierten Schauspielschule Circle In The Square in New York arbeitete er zwei Jahre sehr erfolgreich als Model. Seine Vielsprachigkeit und sein unverwechselbares, aber schwer zu schubladisierendes Gesicht ermöglichten ihm, sich zu einem gefragten Charakterdarsteller zu entwickeln. In Marc Fosters James-Bond-Film «Quantum Of Solace» spielte er Elvis, die linke Hand des Oberbösewichts. Taubman ist mit der einstigen Circus-Knie-Mediensprecherin und Ex-«Glanz & Gloria»-Moderatorin Sara Hildebrand liiert und hat drei Kinder aus früheren Beziehungen. 2018 spielt er in «Zwingli» dessen besten Freund Leo Jud und in der 2. Staffel der Netflix-Serie «Dark» den Kernkraftwerk-Bauherr Bernd Doppler. Zudem wird er in «L’Apparition» von Kultregisseur Xavier Giannoli zu sehen sein.

 

 

Photos Copyrights: Lukas Schweitzer, UNICEF Mirjam Kluka,

Bentley

DER VOR KNAPP 100 JAHREN GEGRÜNDETEN LUXUSMARKE BENTLEY WACHSEN SEIT DER ÜBERNAHME DURCH DEN VOLKSWAGEN-KONZERN IMMER KRAFTVOLLERE FLÜGEL. IM VERGANGENEN JAHR WURDEN IM NORDENGLISCHEN CREWE ERSTMALS ÜBER 11,000 EXEMPLARE DES «SILENT SPORTS CARS» HERGESTELLT. ADAM INTERVIEWTE BENTLEY-KENNER RICHARD CHARLESWORTH.

Mr. Charlesworth, in welcher Hinsicht verlieh Ihnen 
Bentley Flügel?

Ich hatte das Glück, über 40 Jahre für eine Firma zu arbeiten, die das Auto baut, das ich liebe. Ausserdem habe ich es genossen, auf meinem beruflichen Weg viele interessante Menschen kennenzulernen, ob das nun Kunden, Mitarbeiter oder Medienleute waren.

Wie ist Bentley in Ihr Leben getreten?

Ich bin in Crewe aufgewachsen. Meine Eltern waren Farmer und wir sahen die Fabrik, in der damals noch Bentley und Rolls Royce gebaut wurden, wenn wir übers Feld blickten. So ging ich zu unseren Nachbarn, klopfte an die Türe und fragte, ob sie nicht einen Job für mich hätten und konnte in der Verkaufs- und Marketing -Abteilung beginnen.

Wie kamen Bentley und Rolls Royce 1931 unter ein Dach?

Die Ingenieure Bentley und Royce sammelten ihre ersten Erfahrungen beide bei der Eisenbahn und liessen sie später in die Konstruktion ihrer Autos einfliessen. Sie setzten auf grossvolumige Motoren, die bei niedrigen Drehzahlen maximale Leistung bringen. Bentley baute zwar sehr gute, sportliche Autos, hatte jedoch wirtschaftliche Probleme, was Royce erlaubte, sich den gefährlichen Konkurrenten einzuverleiben.

Weshalb wurden diese urbritischen Marken 1998 von deutschen Konzernen übernommen?

Weil Rolls Royce und Bentley technologisch gegenüber den Mitstreitern in der Luxusklasse immer weiter zurückfielen und die Mittel fehlten, um genügend in die Forschung investieren zu können, musste der britische Konzern Vickers seine Aktien verkaufen.
VW gewann das Wettbieten gegen BMW, das sich jedoch die Rechte am Namen Rolls Royce sichern konnte.

War von Anfang an klar, dass Bentley im nordenglischen 
Crewe bleiben würde?

Natürlich fürchtete die Belegschaft, VW könnte die Produktion nach Deutschland verlegen, doch schon zwei Tage nach dem Deal kam der damalige Vorstandsvorsitzende Dr. Piëch ins Werk und versicherte: «Wir haben Bentley gekauft, weil wir lieben, was Sie tun. Wir haben grossen Respekt vor Ihrem Handwerk. Es gibt Dinge, die wir gar nicht verbessern können, andere schon. Dort wollen wir Ihnen helfen und damit das neue Juwel in der Krone von VW aufpolieren.»

Wie hat er das gemacht?

Zwei Monate später hat VW 500 Millionen Pfund aufgeboten, um das Werk zu modernisieren und ein neues Modell, den
Continental GT, mitentwickeln zu lassen. Ein heutiger 
Bentley brilliert aber nicht nur mit modernster Technik, er hat selbst in Sachen Luxus zugelegt. So wird doppelt so viel Holz verbaut wie in den 70er-Jahren.

Bentley ist sogar zum Dienstwagen von Queen Elisabeth II. avanciert. Weshalb?

Als ihr Vater, George VI., König war, fuhren die Royals noch Daimler. Dann erhielt sie 1947 einen Phantom IV als Hochzeitsgeschenk. So wurde Rolls Royce zur offiziellen Staatskarosse. Da 2002 schon feststand, dass in Crewe bald nur noch Bentleys gebaut würden, schenkte man ihr zum goldenen Thronjubiläum erstmals ein solches Fabrikat. Die ganz königliche Familie ist inzwischen beruflich wie privat im Bentley unterwegs.

Auch der «grüne» Prince Charles?

Ja, da er sich für den Umweltschutz einsetzt, wurden jedoch extra für ihn zwei Mulsanne mit 8-Zylinder-Motor so umgerüstet, dass sie mit Bioethanol gefahren werden können.

Ettore Bugatti hat Bentley einst als «le camion plus vite du
Monde» bezeichnet. Wie viel Wahres ist da heute noch dran?

Was er als Beleidigung seines Rivalen im Rennsport geäussert hat, ist längst zum Kompliment geworden. Wir haben immer grosse Autos gebaut und entschuldigen uns dafür nicht. Wenn Sie ein kleines Auto kaufen wollen, kaufen Sie keinen Bentley! 
Ein Mulsanne oder Flying Spur haben fünf bequeme Sitze, ausreichend Fussraum und laufen notfalls 300 Stundenkilometer!

Welche Ambitionen hat Bentley im Automobilsport?

Nach dem Doppelsieg bei den 24 Stunden von Le Mans 2003 mit dem Rennwagen Speed 8 sind wir nun mit dem Bentley Continental, der in der GT3-Strassenversion 608 PS leistet, im Tourenwagen-Sport sehr erfolgreich.

 

 

 

Photos Copyrights: Bentley

SEVEN

SOULSÄNGER SEVEN (38), DER IN DER SCHWEIZER MUSIKSZENE SEIT JAHREN EINE FESTE GRÖSSE IST, GELANG 2016 DURCH «SING MEINEN SONG – DAS TAUSCHKONZERT» UND
SEINE TOURNEE MIT DEN FANTASTISCHEN VIER AUCH IN DEUTSCHLAND DER DURCHBRUCH. DAS NEUE ALBUM «4COLORS» ÜBERTRIFFT SELBST HÖCHSTE ERWARTUNGEN.

Der Aargauer Jan Dettwyler alias Seven zeigte in seiner mittlerweile 15-jährigen Plattenkarriere schon früh, dass er sowohl bei den Alben wie bei den Konzerten mehr Wert auf Inhalt und Style legt als die meisten seiner musikalischen Mitbewerber. Er legt es nicht auf kurzfristigen Erfolg an, sondern auf Qualität und Selbstverwirklichung. Wie seiner Inspiration Prince geht es ihm weniger um die Hitsingle als das überzeugende Gesamtkunstwerk. Im Zeitalter, in dem legale und illegale Downloads einzelner Songs den klassischen Alben den Rang ablaufen, präsentiert er mit «4Colors» anstelle einer Mainstream-CD, die das eroberte Fernsehpublikum leichter bei der Stange halten würde, ein ambitioniertes Konzeptalbum.

Concert dates:
26.10. Zürich Volkshaus
03.11. Bern Bierhübeli
04.11. Baden Nordportal
www.sevenmusic.ch

«Die Krux war, dass ich Lust hatte, vier Alben zu machen, denn ich hatte vier Haufen verschiedene neue Songs auf meinem Tisch, aber ich wusste, dass ein solches Mammutwerk unmöglich ist und völlig bescheuert wäre», erinnert sich Seven. Plötzlich realisierte er: «Hey, das sind ja vier Stilrichtungen, vier Stimmungen, vier Farben. Also mache ich daraus eine aus vier EPs – wie man die kleinen Alben früher nannte – bestehende LP.» So ergaben sich aus seinem Problem Konzept und Titel. Zu jedem Teil komponierte er ein filmmusikalisches Intro, das er mit dem Arts Symphonic Orchestra in London einspielte.

«Blau ist Melancholie, Kälte, Electronica, Island, vielleicht ein Schuss Björk», beginnt der Musiker zu erzählen, wofür die Farben stehen, und assoziiert sich in einen Bilderrausch. «Gelb ist für mich Soul, Gemeinschaft, Spätsommer abends um halb sechs, die Sonne scheint quer hinein in die Stadt, dazu ein bisschen Neo-Soul, Badu und D’Angelo. Rot ist repetitiv, das Aphrodisiakum des 90er-R&B. Es ist ganz klar spät in der Nacht, mit einer Tanzfläche, und es darf geraucht werden! (lacht) Die letzten
vier Songs sind dann Purple und stehen im Zeichen des Funk. Eine Hommage an Prince, obwohl das leicht grössenwahnsinnig klingt. Daran habe ich jedoch –ganz ehrlich! – erst später gedacht.»

Mit Ex-Prince-Keyboarderin RAD hat Seven seit drei Jahren auch eine Musikerin in seiner Band, die ihr Veto eingelegt hätte, wenn sie nicht der Meinung gewesen wäre, dass sich das zu früh verstorbene Genie auf seiner Wolke über Nummern wie «Partytown» oder «1978» freuen würde. Die Gelegenheit, sie an Bord zu holen, ergab sich, als die Amerikanerin und ihr deutscher Ehemann nach Konstanz zogen, als ihr Kind eingeschult wurde. Er rief RAD an und lud sie zu einer Session in einen Proberaum in Zürich ein. «Wir spielten ein paar Songs, die beiden vertraut waren. Nach «I Can’t Make You Love Me» von Bonnie Raitt schauten wir uns an und sind seither auf der Bühne nicht mehr zu trennen. Es war musikalische Liebe auf den ersten Blick!»

Sevens Liebe zu seiner Ehefrau Zahra und seinem siebenjährigen Sohn hat unter dem Erfolg in Deutschland nicht gelitten. «Ich trete nun dreimal mehr auf als früher und komme nach den Konzerten abends meistens nicht mehr nach Hause, doch dafür widme ich drei Tage ganz der Familie, wenn ich fünf Tage unterwegs war», sagt der Sänger, der sich auf seinem Album auch Vergänglichkeit («Zeit», feat. Thomas D), Panzer («Die Menschen sind wir», feat. Kool Savas) und Schmerz («Thank You Pain») thematisiert. «Heutzutage sind wir immer im Modus: Wir sehen gut aus, sind glücklich, gesund, sportlich, verliebt, erfolgreich und ultrabeschäftigt», erläutert Seven. «Ich finde, wir sollten dem Schmerz einmal Danke sagen, denn er ist es, der uns dazu bringt, in unserem Leben etwas zu verändern, uns weiterzuentwickeln.»

 

 

 

 

Photos Copyrights: Sven Germann

David Guetta

Keiner hat die europäischen Single-Charts der letzten zehn Jahre stärker beeinflusst als David Guetta. Wir trafen den passionierten House-DJ und Musikproduzenten, der sich vom Scheidungskrieg mit ExFrau Cathy nicht bremsen liess und mit „Dangerous“, „Lovers Of The Sun“ und der Fussball-EM-Hymne „This One’s For You“ weiter Hit an Hit reihte, in Berlin. Nun tritt er am 19. Oktober im Zürcher Hallenstadion auf.

Die offizielle Euro-Hymne „This One’s For You“, die spektakulären Auftritte am Fuss des Eiffelturms sowie bei der Eröffnungs- und Schlussfeier haben den Erfolgshunger von David Guetta für 2016 noch nicht gestillt. Nun hat er rechtzeitig zu seiner Herbst-Tournee, die ihn nach Las Vegas, Ibiza und Zürich führen wird, dem Charles & Eddie-Soulklassiker „Would I Lie To You“ von 1992 ein modernes Sound-Kleid verpasst. Die elektronischen Beats haben dem Song – typischerweise für Guetta – nicht die analoge Seele geraubt. Das liegt auch an seiner Sängerwahl – in diesem Fall Chris Willis, mit dem 2002 der Aufstieg des Franzosen vom reinen Plattenaufleger- zum Popstar-DJ begonnen hatte.
Nach ihm und Sia hat er auf dem aktuellen Album „Listen“ mit Sam Martin ein weiteres Talent entdeckt. „Bevor wir zusammen ins Studio gingen, kannte ich nur die Songs, die er mit Maroon 5 geschrieben hatte, aber nicht seine Stimme“, erzählt der 48-jährige Pariser. „Als ich sie zum ersten Mal hörte, war ich total schockiert, denn sie ist unglaublich gut. Vor allem die Höhen haben mich umgehauen!“

Als Guetta mit 13 Jahren seine ersten Vinyl-Mixes zu machen und drei Jahre später als DJ zu arbeiten begann, war House noch eine Subkultur und undenkbar, dass jemand damit zu Ruhm kommen könnte. „Meine Eltern meinten deshalb zu meiner Berufswahl, das wäre doch kein Job, sondern eine absolute Katastrophe!“, erzählt er lachend.

Der rebellische Sohn fand es total cool, wie Club-DJs bei Piraten-Radios ihre Funk-Alben auflegten und aus der Kombination von elektronischer Musik und Hiphop den neuen Mainstream entwickelten, mit dem er, Avicii und Calvin Harris die heutigen Charts dominieren. Selbst, wenn die „Forbes“-Schätzung seines Jahreseinkommens auf 30 Millionen Dollar nur annähernd stimmt, müssen sich seine Eltern schon lange keine Sorgen mehr um das Auskommen ihres Sprösslings machen. Die Trennung und Kampfscheidung nach 24 Jahren Ehe hat allerdings schmerzlich in Erinnerung gerufen, dass Geld nicht alles ist. „Da habe ich einige der traurigsten Momente meines Lebens erlebt. Ich will mich aber nicht beklagen, nachdem die Jahre zuvor vor allem daraus bestanden hatten, in einer sexy Umgebung Partys zu feiern.“

Um sich abzulenken, macht Guetta neue Songs und legt weiter in schicken Clubs und gigantischen Arenen auf. „Sobald ich auf die Bühne gehe, vergesse ich alles – sogar mich selbst“, erklärt er und räumt ein, das könnte auch gefährlich werden. „Ich nehme jedoch keine Drogen, trinke nicht und rauche nicht. Ins Delirium steigere ich mich im Rausch der Musik und dank der Energie der Fans. Dieses Gefühl, einen einmaligen Moment mit der Menge zu teilen und mit ihr eins zu werden, ist etwas sehr Spezielles!“

 

 

 

 

Photos Copyrights: Warner Music